Denise Weninger mit ihrem Kater Yoshi auf dem Arm im Garten
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Nur in den Armen seiner Besitzerin Denise Weninger oder an der Leine darf Kater Yoshi aus Eglharting zurzeit ins Freie. Ein Unbekannter hat ihm mit einer klebrigen Substanz das rechte Auge malträtiert.

Mitten am Nachmittag

Tierquäler verklebt zutraulichem Kater Yoshi das Auge - Es ist nicht der erste Anschlag

  • Josef Ametsbichler
    VonJosef Ametsbichler
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Als ihr Kater zu einer untypischen Zeit heimkam, machte Familie Weninger aus Eglharting im Kreis Ebersberg eine erschreckende Entdeckung.

Eglharting – Aus dem Japanischen übersetzt bedeutet „Yoshi“ so viel wie „der Glückliche“ oder „der Rechtschaffene“. Ein passender Name jedenfalls für den Kater von Denise Weninger. Vor rund einem Jahr hatte ihn die 22-Jährige als neugeborenes Kätzchen auf dem Weg zum Einkaufen vom Straßenrand geklaubt. Daneben lagen die Mutter und zwei Geschwister – totgefahren. „Da bleibt man stehen“, sagt die Tierarzthelferin, als sie die Geschichte erzählt. Yoshi, der Überlebende, streift derweil maunzend durchs Wohnzimmer in dem Mehrfamilienhaus im Süden von Eglharting (Gemeinde Kirchseeon). Dem Besucher von der Zeitung springt er nach ein, zwei Streicheleinheiten auf den Schoß.

„Er liebt Menschen“, sagt Weninger, die den mittlerweile einjährigen Kater mit der Flasche aufgepäppelt hat. Doch seit ein paar Tagen prägen starke Schmerzmittel Yoshis Leben, dazu Augentropfen und Wattetupfer, mit denen die Tierarzthelferin sein nässendes rechtes Auge pflegt. Vielleicht war es seine Zutraulichkeit, wegen der Yoshi nun Schmerzen durchmacht, die ihn ohne Morphin zum Schreien bringen – während seine Besitzerin um seine Sehkraft bangt. Das Glück in seinem Namen wird hart auf die Probe gestellt.

Verklebtes Fell, verklebtes Auge: der Kater stinkt nach Chemie und schreit vor Schmerzen

Das Lid verklebt und eine chemisch riechende, klebrig-weißliche Substanz in Fell und Auge war Yoshi am späten Samstagnachmittag zur Terrassentür hereingeschlichen. Weit vor seiner eigentlichen Zeit, schon daran merkte Denise Weningers Mutter Melanie (43), dass etwas nicht stimmte. „Die Katze hat wahnsinnig gestunken“, erinnert sie sich. Verwunderung schlug schnell in Entsetzen um, als der malträtierte Kater fauchend und jammernd durch die Wohnung sprengte. Zwei Besuche in einer nahen Tierklinik später kann Yoshi sein rechtes Auge wieder einigermaßen offenhalten.

Doch immer wieder, besonder im Hellen, blinzelt er mit Nachdruck. Die sogenannte Nickhaut ist angeätzt und ohne das Auge zu beschädigen, lassen sich die Kleberreste nicht von der Hornhaut entfernen. Heilen kann das nur die Zeit, wenn alles glattgeht, vermutlich dauert es Wochen. Seine Besitzerin muss ihm stündlich Augentropfen verabreichen und alle acht Stunden das Schmerzmittel. „Wir haben uns die letzten Tage nicht besonders beliebt bei ihm gemacht“, sagt die 22-Jährige mit einer Prise Galgenhumor.

Kater in Eglharting mit Kleber beschmiert: Heilung dauert Wochen - wenn alles glattgeht

Ein paar lichte Stellen hat Yoshi dort, wo nur der Rasierer die Substanz aus seinem Fell bekommen hat. Ob es Sekundenkleber oder Nagellack ist, können weder die Weningers noch die Ärzte in der Tierklinik sicher sagen. Beide gehen davon aus, dass es kein Unfall war, schon weil das klebrige Zeug auch in Yoshis Nacken landete, wo der Kater gar nicht hinkommen könne. Die Polizeiinspektion in Ebersberg hat eine Mitteilung herausgegeben, sucht nach Zeugen wegen Tierquälerei (siehe Artikelende).

Nur in den Armen seiner Besitzerin Denise Weninger oder an der Leine darf Kater Yoshi aus Eglharting zurzeit ins Freie. Ein Unbekannter hat ihm mit einer klebrigen Substanz das rechte Auge malträtiert.

Denise Weninger berichtet von einer Begegnung am selben Tag, als ein ihr unbekannter, hagerer Mann um die 50 das Tier mit Katzenfutter zu sich gelockt habe, bis sie sich das verbeten hätte. Ob es mehr als nur zeitlichen Zusammenhang gebe, könne sie nicht sagen. Es ist nicht das erste Mal, dass der Kater den Ärger eines Menschen ausbaden muss. Im Januar berichtete die EZ von einer Katze, die ein mit Heftklammern gespicktes Wurststückchen gefressen hatte. „Damals ist er kotzend heimgekommen“, erinnert sich Melanie Weninger.

Diese Katze ist ein Menschenfreund: Yoshi „arbeitet“ als Sterbebegleiter im Altenheim

Eigentlich habe die 43-Jährige ihrer Tochter klargemacht, dass der von ihr gerettete Katzenzwerg so schnell wie möglich woanders untergebracht werden muss. Doch Yoshi stellte sich als Herzensbrecher heraus. Und zeigte noch ganz andere Talente: Im Seniorenheim Haus Bartholomäus in Zorneding, wo die Eglhartingerin mit ihm öfters vorbeischaut, leistet Yoshi Senioren in ihren letzten Tagen und Stunden als Sterbebegleiter Gesellschaft. „Er bleibt ganz ruhig im Bett liegen“, sagt Melanie Weninger.

Zurzeit ist Yoshi nervöser als sonst, zuckt beim Klappern von Schubladen und Mülltonnen zusammen. Trotzdem streift er, auch dank der Schmerzmittel wieder neugierig durch die Wohnung und geht auf Kuschelkurs. Vielleicht wäre es Zeit für einen Spitz- oder zweiten Vornamen. „Isamu“, zum Beispiel. Auch das ist Japanisch und heißt: „der Tapfere“.

Zeugenaufruf der Polizei

Nun sucht die Polizei Zeugen, die zur Aufklärung dieses mutmaßlich tierquälerischen Vorfalls beitragen können. Die Tag geschah der Besitzerin des bräunlichen Tieres zufolge zwischen 15 und 17.45 Uhr am Samstag, 18. September. Wer Angaben bezüglich des Geschehens machen kann, solle sich bei der Polizeiinspektion in Ebersberg melden. Telefon: 08092/8268-0.

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