Michael Acker, Redaktionsleiter der Ebersberger Zeitung.
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Michael Acker, Redaktionsleiter der Ebersberger Zeitung.

Kommentar zu Schnelltests

Stigmatisierung ist an Schulen systemimmanent

  • Michael Acker
    vonMichael Acker
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Eltern kritisieren die Corona-Schnelltests, die nach den Osterferien an den Schulen starten. Sie befürchten eine Stigmatisierung positiv Getesteter. Dem widerspricht Michael Acker, EZ-Redaktionsleiter, in seinem Kommentar:

Stigmatisierung ist Alltag in den Schulen. Sie ist quasi systemimmanent. Es gab sie schon immer, es wird sie immer geben. Jetzt ploppt das Thema wieder hoch. Aber: Die Befürchtung, dass es bei den Schnelltests von Schülern, die nach den Osterferien starten werden, zu Ausgrenzung kommt, ist an den Haaren herbeigezogen. Die Stigmatisierungen finden jeden Tag statt – auch ohne Corona.

Als Mathe-Niete vor der Klasse bloßgestellt

Der Autor dieser Zeilen erinnert sich an seinen alten Mathe-Lehrer, der die korrigierten Schulaufgaben nach Noten geordnet herausgegeben hat. Der erste Schüler, der sein Werk zurück erhielt, wusste ebenso wie die gesamte Klasse, dass er die schlechteste Arbeit abgeliefert hatte, dass er die absolute Mathe-Niete ist. Mehr Stigmatisierung geht nicht. Oder: Derjenige, der im Sportunterricht als letzter in eine Fußballmannschaft gewählt wurde, wusste wie alle anderen, dass das Team auf seine Ballkünste am liebsten ganz verzichtet hätte, weil er’s schlichtweg nicht kann.

Schmerzende Erfahrungen, die keinem Kind erspart bleiben

Jedes Kind, das eine Schule besucht, wird sich noch Jahre später an Erfahrungen wie diese erinnern. Es sind Erfahrungen der Niederlage, des Versagens, die zum Leben gehören und die einem auch im Erwachsenenalter nicht erspart bleiben.

Kindern und Lehrern mehr zutrauen

Indes: Kinder und Jugendliche gehen oft viel „erwachsener“ mit dem Thema Covid-19 um als ihre besorgten Eltern. Man sollte ihnen schon zutrauen zu wissen, dass der positiv getestete Klassenkamerad nichts falsch gemacht, nicht irgendwie versagt hat. Dass ihm lediglich das passiert ist, was einen selbst auch jede Sekunde treffen kann.

Schulkinder werden nicht im luftleeren Raum getestet. Ausgebildete Pädagogen sind vor Ort, Lehrer, die ihre Klassen und ihre Pappenheimer kennen. Nicht nur den Kindern, auch ihnen sollte man die nötige Sozialkompetenz im Rahmen der Teststrategie zutrauen.

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