Spaß macht Essen offenbar auch ohne Fleischgerichte. Die Kinder im Waldhort jedenfalls haben beste Laune. Kein Wunder: Es gibt Apfelstrudel. Foto: sro

Trend in Kita: Mittagstisch ohne Fleisch

Ebersberg - Es ist Mittagszeit beim Freien Waldhort Ebersberg. 18 Mädchen und Buben haben gerade Pizza gegessen, belegt mit Mozzarella und Tomaten. Ein Lieblingsessen. Die Kinder sind satt und zufrieden. Daheim sei Pizza Salami ihre Leibspeise, erzählt ein Mädchen. „Hier auch - also Pizza, aber ohne Salami natürlich.“ Seit seiner Gründung vor zwei Jahren wird im Hort den Kindern nur vegetarische Kost vorgesetzt.

Das Ebersberger Haus für Kinder „Die Arche“ zieht im September nach und stellt ebenfalls auf den vegetarischen Lieferservice um. „Ein Trend“, sagt Leon Blagajcevic von „Vegetaria Catering“. Als er vor 14 Jahren anfing, fleischlose und biologische Kost zu liefern, hätten ihn die Menschen noch verrückt genannt. „Jetzt ist bewusste und auch vegetarische Ernährung richtig angesagt, nicht nur in Kindertagesstätten“, sagt er.

Dabei hatte sich das Bündnis 90/Die Grünen erst kürzlich am Thema „Vegetarisches Essen“ die Finger verbrannt. Der so genannte Veggie-Day wurde zum PR-Desaster für die Partei, die vor der jüngsten Bundestagswahl einen fleischlosen Tag zum Standard machen wollte.

Eine aktuelle bundesweite Studie der Bertelsmann Stiftung kritisiert: In deutschen Kindertagesstätten wird zu viel Fleisch und zu wenig Obst und Gemüse aufgetischt. Insofern sind die beiden Ebersberger Einrichtungen Vorreiter. Sie sind überzeugt: Ein vegetarisches Mittagessen sei gesund für die Kinder, gut für die Umwelt und dazu auch noch günstig. „Bisher zahlen die Eltern pro Kind und Essen bei uns 3,90 Euro. Das vegetarische Gericht ab September kostet nur noch 3,50 Euro“, rechnet Arche-Leiterin Angela Lettl vor.

Die Reaktionen sind durchwachsen. „Nicht alle Eltern sind begeistert“, erzählt Karen Brumma, Leiterin des Waldhorts. „Auch die Kinder hätten bestimmt gerne mal Fleisch auf dem Tisch.“ Brumma selbst geht es da nicht anders. Sie ist keine Vegetarierin, konnte aber den Kindern „Fleisch aus Massentierhaltung nicht einfach guten Gewissens vorsetzen“. Als Gründe führt sie die Ausbeutung von Tieren und die Umweltbelastung an. Gerade ein Waldhort wolle aber einen respektvollen Umgang mit der Natur vermitteln. „Leider habe ich keinen gemischten Bio-Caterer ausfindig machen können. Das wäre etwas gewesen“, erzählt sie.

Dass auch mit herkömmlicher Verpflegung längst nicht immer alle zufrieden sind, damit machte Arche-Leiterin Lettl Erfahrungen. „Unsere Eltern haben in der Vergangenheit schon immer und ganz extrem moniert, dass viel zu viel Fleisch auf dem Speiseplan steht“, erzählt sie. Also hat der Kindergarten die Eltern abstimmen lassen - mit eindeutigem Ergebnis. Von insgesamt 90 Familien sprachen sich 70 für ein rein vegetarisches Mittagsmenü für ihre Kleinen aus.

Lettl freut sich auf Kartoffel-Auflauf, Tellerrösti und Gemüselasagne ab September, sie ist selbst Vegetarierin. Außerdem bringe die Umstellung für „ihre“ Kindergartenkinder einen wertvollen Zusatznutzen: Für Allergiker kocht der neue Caterer Extra-Gerichte. Kinder, die früher ihr eigenes Essen von daheim in der Mikrowelle aufgewärmt bekamen, werden nun mitbeliefert - ohne Aufpreis.

Im Waldhort sind sich die Kinder einig: „Manchmal schmeckt es so“, sagt ein Bub und streckt den Daumen nach oben. „Manchmal aber auch so“ - sein Daumen zeigt nach unten. „Irgendetwas von unseren drei Gängen finden die Kinder immer“, erzählt Brumma. Außerdem sei eine vegetarische Mahlzeit am Tag nicht verkehrt. „Wer will, kann seinem Kind ja immer noch genug Fleisch geben.“ Eine kleine Umfrage zeigt, dass die Kinder im Waldhort nicht vom Fleisch fallen: acht von zehn haben in der Pause am Vormittag den Klassiker Wurstbrot gegessen. (ujk)

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