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Der Trödelkönig

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Auf dem Thron sitzt Fritz Titze in seiner Garage. Der Stuhl wird am Sonntag ebenfalls verkauft. Foto: S. Rossmann
Auf dem Thron sitzt Fritz Titze in seiner Garage. Der Stuhl wird am Sonntag ebenfalls verkauft. Foto: S. Rossmann

Vaterstetten - Fritz Titze (67) steht in seiner Garage und blickt um sich, umgeben von Möbeln und Kisten. Dann öffnet er mit Begeisterung eine Schachtel nach der anderen und packt Schätze aus: Weihnachtsglöckchen etwa oder Modellautos.

An diesem Wochenende wird die Garage am Karwendelplatz in Baldham ausgeräumt. Das, was sich in mehreren Wochen angesammelt hat, wird zur Wendelsteinschule transportiert. Und dort baut dann das Team das Angebot für den Antikmarkt auf. Es ist ein besonderer Flohmarkt. Denn alles, was verkauft wird, wurde gespendet. Und der gesamte Erlös kommt dem Partnerschaftsverein Alem Katema zugute, wird für die Kindergärten und die Bibliothek des Vereins in Äthiopien verwendet. „Der Antikmarkt ist eine unserer wichtigsten Spendenquellen“, freut sich Vereinsvorsitzender Anton Stephan. Im vergangenen Jahr betrugen die Einnahmen 2900 Euro.

„Angefangen habe wir mit einem Markt im Freien, haben uns dem normalen Flohmarkt angeschlossen“, erzählt Titze. „Dann wollten wir doch ein Dach über dem Kopf und haben ein Zelt gemietet, eigentlich geschnorrt.“ Und seit ein paar Jahren werden die Tische in der Wendelsteinschule aufzustellen. Die Veranstaltung findet parallel zum Christkindlmarkt der Gemeinde statt.

Über die Jahre gab es viele interessante Angebote und so manch herausragendes Erlebnis. Titze erinnert sich gerne an einen Kronleuchter. „Das war noch zu D-Mark-Zeiten.“ Eingebracht habe er 1200 Mark. „Ich hätte ihn mir nicht gekauft, aber er war tatsächlich so viel wert.“ Viel Gewinn brachte dem Verein auch eine Spende aus einem Nachlass mit Schmuckstücken. „Davon haben wir noch ein bisschen was, aber es geht zur Neige.“

Titze sucht weiter in der Garage. Auf einem Brett liegen einige sauber präparierte Fossilien, versteinerte Fische. „Ich weiß noch nicht genau, was die wert sind.“ Im Internet würde entsprechende Exemplare zwischen drei und 170 Euro gehandelt. „Was sie einbringen, wird sich zeigen.“ Gleich daneben steht ein Korb, gefüllt mit einem ganzen Bündel von Schirmen. „Die stammen aus einer Filmproduktion. Wäre doch nett, wenn es am Sonntag ein bisschen regnen würde, dann könnten wir die Schirme gut verkaufen“, meint Titze verschmitzt.

Ganz vorne stehen einige Bilder mit religiösen Motiven, Schutzengel beispielsweise. „Ich würde mir schon so etwas ähnliches an die Wand hängen“, meint Titze und lacht. „Eine Serie mit Elfen würde mir gefallen.“ Selbst geht er auch gerne auf Flohmärkte. „Ich sammle Schallplatten, auch aus den 50er und 60er Jahren.“

In der Garage ist nur ein Teil der Schätze des Vereins gelagert. Weitere Lagerflächen gibt es auf dem Reitsbergerhof. Spendenware nahm Titze das ganze Jahr über an, holte das meiste sogar bei den Spendern ab. Für den Baldhamer ist dieser Flohmarkt ein Jubiläum. Titze ist zum zehnten Mal für die Veranstaltung verantwortlich. Und es ist ein Abschied. Titze gibt die Verantwortung ab. Zum einen aus gesundheitlichen Gründen: „Ich kann nicht mehr so schwer heben, also auch nicht mehr so viel transportieren.“ Zum anderen will Titze sich mehr um seine 87-jährige Mutter kümmern. „Wie man unschwer an meiner Sprache erkennt, komme ich aus Norddeutschland. Dort lebt auch noch meine Mutter. Und für die Besuche brauche ich Zeit.“ Der Flohmarkt wird ihn jedoch trotzdem nicht loslassen. Und dieses Wochenende steht sowieso ganz im Zeichen der kleinen und größeren Schätze aus der Garage.

Von Robert Langer

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