Von „Tschissern“ und „Pickerln“

Glonn - Besondere Modeworte wie „Tschüss” hatte Gerald Huber, Journalist beim Bayerischen Rundfunk, bei seinem Vortrag in Glonn im Visier.

Der Referent betonte, im altbayerischen Dialekt werde allerdings kein „ü” gesprochen. Und so müsste es mundartlich eigentlich „Tschiss” heißen. Der Grüßende wäre dann der „Tschisser”.

Über einhundert Zuhörer kamen in den Glonner Pfarrsaal zur Veranstaltung, zu der die Trachtler, die Kolpingfamilie und die KAB eingeladen hatten. Dialekte anderer Regionen seien genau so gut ein uraltes Kulturgut, als der unsere, so Huber. Den Meinungsumfragen nach seien aber die bayerischen Dialekte am beliebtesten. Und trotzdem seien sie vom Aussterben bedroht, besonders in den Städten und im städtischen Umfeld.

Huber, ein gebürtiger Landshuter, der Geschichte und Sprachwissenschaft studiert hat, erwies sich als profunder Kenner. Er ging unter anderem der Herkunft vieler in bayerischen Dialekten verwendeten Begriffe an die Wurzeln. So lassen sich nicht nur „Semmeln” und „Brezen” auf das Romanische zurückführen. Auch das „Scherzl” (Brot), das „Dampfe” (Sauerteig), die „Sennerin”, die „Kuchl”, das „ankennten” für anzünden und der „Hafen” (zum Kochen) sind römisches Erbe. Dagegen sei das heute so viel verwendete „Haferl” für den Kaffee eine Erfindung unserer Zeit. Dass die Römer fast ein halbes Jahrtausend südlich der Donau das „Sagen” hatten, ist heute noch in unseren Dialekten und in der Umgangssprache spürbar.

Auch sprachgeschichtliche Zusammenhänge kamen nicht zu kurz. 9000 vor Christus haben sich in Mesopotamien und dann in Persien die indo-europäischen Sprachgrundlagen gebildet. Im Wesentlichen waren es dann drei Sprachzweige, der romanische, der germanische und der slawische, die die Basis für unsere heutigen europäischen Sprachen ausmachen. Da gibt es viele Unterteilungen, wie die ober-, die mittel- und die niederdeutschen Sprachen und Dialekte.

Der zweite Teil des Vortrages war dann vielen mundartlichen Ausdrücken gewidmet. So erläuterte der Referent wie früher die Wochentage hießen: Sunda, Moda, Irta, Migga, Pfinzta, Freida und Samsta. In diesen Begriffen sei viel Ostgotisches. Aber auch der „Kehraus”, für Auskehr des Winters, die „Goaß” (Ziege) und der „Scheps” (Dünnbier) wurden in allen möglichen Facetten humorvoll erläutert. Die norddeutsche Aussprache unseres „Könich-Ludwich” und die Bezeichnung der Mass als „Maß” sind zwar nach den Sprachregeln richtig, gehen aber einem echten Bayern nicht über die Zunge.

Das „Pickerl”, ein neues Dialektwort aus Österreich, es kommt von „Pech” oder vom „Pappen”, und zeige, wie sich Dialekte weiter entwickeln und damit lebendig seien. Der amüsante Abend wurde von der verkleinerten Glonner Musi unter Albert Singer begleitet.

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