Alles eingetragen oder nicht? Wegen dieses Pickups, ein Dodge Ram mit 5,7 Litern Hubraum und 400 Pferdestärken, hat der 51-jährige Wieshamer Matthias Schaewel (l.) jede Menge Ärger mit den Behörden. Foto: Stefan Rossmann

Autokontrolle läuft aus dem Ruder

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Grafing - Alles eingetragen oder nicht? Diese Frage beantwortet nur Matthias Schaewel (51) aus Wiesham selbst mit einem klaren „Ja, selbstverständlich.“

Die Münchner Polizei sagt „nein“, die Gesellschaft für Technische Überwachung sagte schon mal „Ja“, der Ebersberger TÜV sagt „mal nachschauen“ und die Ebersberger Zulassungsstelle ist etwas ratlos. Es geht um einen Dodge Ram Pickup, 5,7 Liter Hubraum, Baujahr 2006, Achtzylinder mit 400 PS, LKW-Zulassung und Gasantrieb.

Das Auto war zwischenzeitlich von der Polizei beschlagnahmt und vom Besitzer mit Hilfe eines Anwalts wieder aus der Verwahrstelle in München herausgeholt worden. Schaewel hat in der Polizeiinspektion Ebersberg zwei Münchner Polizisten angezeigt. Das bestätigt Inspektionsleiter Hendrik Polte auf Nachfrage der Ebersberger Zeitung. „Wegen Nötigung“.

Die Geschichte beginnt am 18. November 2015 in München Trudering. Eine Streife wird des blauen Pickups angesichtig, wendet und fährt ihm nach. „An der nächsten Ampel haben sie mir die Kelle rausgehalten“, berichtet Schaewel.

Dann wurde der Wagen begutachtet. „Unter anderem haben sie die Prüfnummer von der Tönungsfolie in den Fenstern gesucht, dabei hat der Dodge serienmäßig getönte Scheiben“, erinnert sich Schaewel. Die Polizisten gelangen aber zu der Ansicht, dass das Auto aufgrund der Veränderungen keine Betriebserlaubnis mehr hat. Der Wagen wird Schaewel weggenommen und in die Verwahrstelle in der Thomas-Hauser-Straße gebracht. „Ruckzuck war der Abschleppdienst da“, sagt der Wieshamer.

Im Mängelbericht steht später, „Enorme Masse an Wuchtgewichten an beiden Vorderrädern.“ Aber auch: „Abblendlicht und Fernlicht links ohne Funktion.“ Erlischt unter anderem deswegen bereits die Betriebserlaubnis? Da ist sich offensichtlich nicht einmal die Zulassungsstelle Ebersberg ganz sicher. „Momentan hängt das alles in der Luft“ sagt der stellvertretende Leiter, Manfred Vielhuber. „Wir haben keinen schriftlichen Bescheid erlassen. Der Betrieb des Fahrzeugs wurde nicht untersagt.“

Bemängelt wurde nach Auskunft von Schaewel von der Münchner Polizei auch, dass der Dodge im Stand zu laut sei. Das hat auch der Ebersberger TÜV festgestellt, erinnert sich dort ein Prüfer. „Ich hatte gerade Zeit und habe das Standgeräusch gemessen. Das war zu hoch.“ Verlangt hat der Ebersberger TÜV nichts dafür, auch nicht für die kurze Beratung, wie es jetzt weitergehen könnte. Der Besitzer des Wagens müsse entweder einen Herstellernachweis erbringen für die Anbauteile wie z. B. eine Frontleuchte oder eine allgemeine Betriebserlaubnis dafür.

Wahlweise könnte Schaewel auch eine Einzelabnahme samt Gutachten erstellen lassen. „Das kostet mich dann wieder 900 Euro“, meint der 51-Jährige und verweist darauf, dass der Pick-Up genau in seinem jetzigen Zustand am 20. März 2015 von der Gesellschaft für Technische Überwachung in Tiefenbach „ohne festgestellte Mängel“ durch die Hauptuntersuchung gekommen sei. „Da geht es ja auch um die Sicherheit“, so Schaewel.

Der Dodge hat einen kernigen Sound. Kann ein Auspuff im täglichen Betrieb von selbst lauter werden? Das Phänomen kennt der Ebersberger TÜV vor allem bei Motorrädern, deren Auspuff „ausbrennt“. Die Folge ist ein lauteres Standgeräusch. Nur: Gesetzliche Grenzwerte gelten nur für das Fahrgeräusch, nicht aber für das Standgeräusch. Wird das lauter, gilt das als Indiz für ein ebenfalls lauteres Fahrgeräusch.

Der TÜV Süd hat nach der Beschlagnahme des Wagens im Auftrag der Polizei eine Mängelliste erstellt und kommt zu der Auffassung: „Verkehrssicherheit erheblich eingeschränkt - Fahrzeug entspricht nicht der erteilten Betriebserlaubnis.“ Damit wäre auch der Versicherungsschutz erloschen, wenn es zu einem Unfall käme.

Schaewel überlegt jetzt, den Wagen vor dem fälligen HU-Termin im März 2017 einfach bei einem anderen Überwachungsverein noch einmal hauptuntersuchen zu lassen.

Argument dafür könnte sein: „Es gibt einen Käufer, der möchte den Wagen mit einem frischen TÜV.“ Drei Wochen ist er mit dem Pickup nicht gefahren, den er aber beruflich braucht, weil er im Küchenbau arbeitet.

Die beiden Polizisten, die Schaewel im November kontrolliert haben, dürfen ihn vorläufig jedenfalls nicht noch einmal kontrollieren. So lange nämlich, bis die Ermittlungen oder das Verfahren gegen sie abgeschlossen ist.

Von Michael Seeholzer

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