Überraschungseier mit brisanter Füllung

Markt Schwaben - EDV-Kaufmann (53) aus Markt Schwaben wird mit 100 Gramm Heroin am Flughafen geschnappt: Er muss für fast fünf Jahre ins Gefängnis.

Markt Schwaben - Mit fünf rektal eingeführten Überraschungseiern mit brisanter Füllung, nämlich 100 Gramm Heroin, ist der arbeitslose EDV-Kaufmann Manfred P. (53) aus Markt Schwaben am Flughafen geschnappt worden. Vor dem Landgericht Landshut räumte er noch weitere Einfuhren ein und handelte sich dafür eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und acht Monaten ein.

Der EDV-Kaufmann war am 29. Januar dieses Jahres gegen 17 Uhr mit dem Flieger aus Amsterdam gelandet. „Er hatte lediglich eine Tasche als Gepäck, kam uns reichlich nervös vor und hatte auch eine deutliche Alkoholfahne. Wir haben einen Wischtest veranlasst und der schlug positiv auf Opiate an“, so einer der Zollbeamten, die ihn einer Kontrolle unterzogen, bei der der 53-Jährige immer zittriger geworden und ins Schwitzen gekommen sei. In der Erdinger Klinik, in die der Angeklagte gebracht worden war, schied er dann fünf Überraschungseier aus, in denen insgesamt 100 Gramm Heroin von bester Qualität quasi eingeschweißt gewesen waren.

Bei seiner Vernehmung gab der Markt Schwabener an, das Heroin in Amsterdam von einem ihm bekannten Dealer, von dem er nur den Vornamen kenne, für 3000 Euro erworben zu haben. Zur Überraschung der Zollbeamten packte er dann weiter aus und räumte ein, ab September 2014 in drei weiteren Fällen Heroin in einer Gesamtmenge von 200 Gramm „importiert“ zu haben. Da sei er jeweils mit dem Zug unterwegs gewesen.

Auf seinen Angaben basierte auch die von Staatsanwalt Tilmann Roß vertretene Anklage vor dem Landgericht, die auf unerlaubte Drogeneinfuhr in nicht geringer Menge in vier Fällen, aber auch auf unerlaubtes Handeltreiben in nicht geringer Menge lautete. Der EDV-Kaufmann hatte sich bei seinen Vernehmungen zunächst dahingehend eingelassen, dass er die gesamte Menge für seinen eigenen Konsum erworben habe. Später gestand er, auch Freunde mit dem Stoff versorgt zu haben. Die Namen seiner Abnehmer wollte er allerdings nicht nennen.

Landgerichtsarzt Hubert Näger bescheinigte dem EDV-Kaufmann eine ungewöhnliche „Drogenkarriere“: In seiner Jugend habe er zwar Cannabis konsumiert und mit Mitte 20 auch Kokain. Heroin habe er erst im „gesetzten Alter“ geschnupft bzw. geraucht, insbesondere, nachdem er 2010 unverschuldet arbeitslos geworden sei und keinen Job mehr bekommen habe. Zuletzt habe zwar eine Abhängigkeit bestanden, die Schuldfähigkeit des 53-Jährigen sei dadurch allerdings nicht tangiert gewesen: „Er hat seinen Konsum unter Kontrolle gehalten.“ Eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt sei deshalb nicht notwendig, allerdings sollte dem EDV-Kaufmann, der freiwillig eine Therapie machen will, der Weg dazu geebnet werden.

Die Strafkammer blieb mit dem verhängten Strafmaß nur geringfügig über dem Antrag von Staatsanwalt Roß, der eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren gefordert hatte. Strafmildernd, so Richter Markus Kring, habe sich das überschießenden Geständnis ausgewirkt, ohne das die früheren Einkaufsfahrten womöglich nie aufgeflogen wären. Berücksichtigt habe man auch, dass es in der eigentlich geradlinigen Vita des 53-Jährigen durch den Arbeitsplatzverlust einen Bruch gegeben und bei ihm ein gewisser Suchtdruck vorgelegen habe. Außerdem sei das Heroin nicht für eine Vielzahl von potentiellen Abnehmer, sondern für die drei „Mitfinanziers“ bestimmt gewesen. Das schriftliche Urteil werde man dahingehend abfassen, dass - sobald eine Zusage für einen Therapieplatz vorliege - die Haft zurückgestellt werde.

Walter Schöttl

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