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Wein, Kuchen und eine Entschuldigung: Zehn Asylbewerber aus Poing haben Kommandant Robert Gaipl (links) und die anderen Feuerwehrler sehr beeindruckt mit ihrer Geste. 

Große Geste

Überraschungsgäste: Flüchtlinge platzen in Feuerwehr-Treffen

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Poing - Unerwarteter Besuch mitten in der Jahreshauptversammlung der Feuerwehr Poing: Zehn junge Asylbewerber standen mit einer Flasche Wein und Kuchen vor der Tür. Warum?

Mit diesen Gästen hatten die Feuerwehrleute aus Poing (Kreis Ebersberg) sicher nicht gerechnet. Während ihrer Jahreshauptversammlung am Freitagabend klopften plötzlich zehn Asylbewerber an der Tür. Sie hatten eine Flasche Wein und zwei tiefgefrorene Kuchen dabei – und eine Entschuldigung. Einer der Flüchtlinge fragte nach dem Feuerwehrmann Ludwig Lanzl, der auch im Poinger Asyl-Helferkreis aktiv ist. Mit Händen und Füßen und einigen Brocken Englisch und Deutsch erklärten die Gäste, warum sie ins Feuerwehrhaus gekommen waren: Sie wollten sich für die Fehlalarme entschuldigen, die seit Jahresbeginn in ihrer Notunterkunft, der Turnhalle der Realschule, ausgelöst worden waren. Fünf Mal wurde der Knopf des Feuermelders mutwillig gedrückt, einmal am Vormittag, viermal nachts. „Wir sind immer mit knapp 20 Kräften ausgerückt, haben die Halle evakuiert und geschaut, ob es tatsächlich brennt“, berichtet Kommandant Robert Gaipl. So wie bei jedem Alarm, der über einen Notfallmelder ausgelöst wird.

Nach dem jüngsten Fall vor gut einer Woche kam es in der Turnhalle zu einer Massenschlägerei zwischen Afghanen und Irakern (wir berichteten). Im Nachgang konnte ein Täter ermittelt werden, der für mindestens einen Fehlalarm verantwortlich ist. Er wurde in eine andere Unterkunft verlegt.

Bei jedem einzelnen Teilnehmer mit Handschlag entschuldigt

Als einige der Asylbewerber mit Ludwig Lanzl vom Poinger Helferkreis in den Tagen nach diesem Vorfall über die Fehlalarme gesprochen hatten, verstanden sie, dass die Feuerwehrleute ausschließlich in ihrer Freizeit zur Notunterkunft ausgerückt sind, erzählt Gaipl. „Das war denen, die am Freitag zu uns gekommen sind, peinlich.“ Die Asylbewerber haben sich bei jedem einzelnen Teilnehmer der Versammlung mit Handschlag entschuldigt.

In der 15 600-Einwohner-Gemeinde im Osten von München sind derzeit rund 340 Asylbewerber untergebracht, überwiegend junge Männer. Fast alle stammen aus Afghanistan, Syrien, Eritrea, Pakistan und aus dem Irak. Der Großteil der Flüchtlinge, etwa 260, lebt in der Realschulturnhalle, die sich Luftlinie etwa 200 Meter vom Feuerwehrhaus entfernt befindet.

Der Besuch der zehn Asylbewerber hat bei den Feuerwehrleuten tiefen Eindruck hinterlassen. Die rund 70 aktiven Mitglieder waren im ersten Moment etwas verdutzt, bedankten sich dann aber mit einem lauten Applaus bei den Flüchtlingen. „Das war eine schöne Geste, die uns sehr gefreut hat“, sagt der Kommandant.

Wein und Kuchen wurden allerdings nicht gleich verspeist, da die Versammlung mit Neuwahlen nur für Mitglieder war. „Deshalb konnten die Asylbewerber nicht bleiben, das hätte für sie auch viel zu lange gedauert“, sagt Robert Gaipl. Eigentlich hatten die Gäste gedacht, die Feuerwehr führe an diesem Abend eine Übung durch – Wein und Kuchen sollten eine Stärkung sein. „Das haben wir jetzt im Kühlschrank gelagert und werden es bei einer der nächsten Übungen verzehren.“ Dazu will die Feuerwehr die Asylbewerber einladen.

Poings Bürgermeister Albert Hingerl war in der Versammlung anfangs genauso überrascht wie die Feuerwehrleute – und dann genauso beeindruckt. Er sagt: „Auch so etwas trägt zu einer guten Integration bei.“

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