Ortsdurchfahrt Weißenfeld: Die Bürger müssen täglich viel Straßenverkehr erdulden. Foto: sro

Umfahrung: Alle zahlen mit, alle sollen mitreden

Vaterstetten - In diesen Tagen wird in den Ortschaften Weißenfeld, Parsdorf und Hergolding die Bürgerbefragung zu den vorgeschlagenen Ortsumfahrungen durchgeführt, die vor allem von SPD und CSU vehement gefordert wurden.

„Diese beiden Fraktionen halten die Bürger Weißenfelds seit Jahrzehnten mit Versprechungen hin, die sie nie erfüllt haben“, kritisiert Axel Weingärtner, Fraktionssprecher der Grünen im Vaterstettener Gemeinderat. Er fragt: „Wenn die Umfahrungen, wie lautstark verkündet wird, schon lange notwendig sind, warum wurden sie dann nie realisiert?“

In einer Pressemitteilung wandten sich die Grünen jetzt an die Öffentlichkeit. Nach den massiven Unmutsbezeugungen auf der Parsdorfer Teilbürgerversammlung im Sommer dieses Jahres, solle nun durch eine Teilbürgerbefragung geklärt werden, ob die jeweiligen Ortschaften überhaupt noch eine Umfahrung wollten. „Die vorgeschlagene Trasse stößt weithin auf Skepsis oder Ablehnung. Massiven Widerstand gegen die geplante ortsferne Trasse kündigen die Grundeigentümer an, deren Grund für die Umfahrung erworben werden müsste. Die Landwirte weigern sich standhaft, ihre landwirtschaftlichen Flächen dem Straßenbau zu opfern“, so Weingärtner.

Die Vaterstettener Grünen seien seit jeher gegen eine Umfahrung Weißenfelds und auch Parsdorfs. Bei allen bisherigen, realistischen Vorschlägen würden die entstehenden Nachteile die zu erwartenden Vorteile einer Umfahrung überwiegen. „Wir Grüne sind gegen die Ortsumfahrungen, weil die Landschaft zwischen den nördlichen Ortsteilen unwiederbringlich zerschnitten und zerstört wird. Fast zwölf Hektar landwirtschaftlicher Boden werden versiegelt, landwirtschaftliche Flächen in großer Zahl durchschnitten, die deshalb zum Teil nicht mehr bewirtschaftbar sind.“ Damit werde eine spätere Entwicklung der Gemeinde eingeschränkt. Die Bürger Weißenfelds hätten sich in ihrer schwierigen Situation eingerichtet und nach Osten und Süden orientiert. „Nun wird ihnen auch von Osten noch erheblicher Verkehrslärm zugemutet“, kritisieren die Grünen und argumentieren weiter: Durch eine Ortsumfahrung nehme die Geschwindigkeit der Fahrzeuge bis zum Doppelten zu und somit auch die Lärmbelastung. Die genannten Kosten der Ortsumfahrung seien zudem völlig unrealistisch. „Sie werden weit höher sein, und das Geld wird bei Kindereinrichtungen, Schulen, Straßensanierungen fehlen“, sagt Weingärtner. Durch die Tieferlegung der Trasse entstünde Bedarf an weiteren Brückenbauwerken. Damit seien zusätzliche Kosten verbunden. Außerdem werde eine kreuzungsfreie Umfahrung zusätzlichen Verkehr anlocken, was zu einer höheren Verkehrsbelastung führen werde.

„Die gerade stattfindende Teilbürgerbefragung halten wir für falsch, weil sie nicht alle Gemeindebürger einschließt. CSU und SPD grenzen den Großteil der Gemeindebürger aus, obwohl diese in ihrer Gesamtheit, wenn auch nicht im gleichen Maß, betroffen sind“, warnen die Grünen. „Alle Bürger bezahlen die Straßen mit ihren Steuern. Alle Bürger müssen für deren Unterhalt aufkommen. Die Bürger aus Vaterstetten und Baldham werden zusätzlich durch erhöhtes Verkehrsaufkommen stark belastet.“

Die Teilbürgerbefragung wird von einem Informationsblatt der Gemeinde begleitet, das die Bürger in den nördlichen Ortschaften aufklären soll. „Wir Grüne sind mit dem Inhalt des Flyers nicht einverstanden. Er ist vor allem geprägt von den Argumenten und Schlussfolgerungen der Straßenkoalition aus CSU und SPD. Argumente, die gegen die Ortsumfahrungen sprechen könnten, sind höchstens versteckt oder gar nicht zu finden.“ Diese parteiische Haltung des Informationsblatts sei nicht akzeptabel, auch wenn die Mehrheit des Gemeinderats für die Umfahrungen sei.

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