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Geschmackvoll und in guter Lage: Martine Scheifele vermietet zwei Zimmer in ihrem Haus in Ebersberg.

Hausbesuch bei Airbnb-Fans

Urlaub machen, wo andere wohnen: Private Zimmervermietung über das Internet liegt im Trend

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Landkreis – Egal ob schlicht oder luxuriös, ein Schlafplatz auf der Luftmatratze in der Ecke oder gleich das ganze Haus – das Geschäft mit über das Internet vermieteten Übernachtungsmöglichkeiten boomt. Das gilt auch für den Landkreis Ebersberg.

Möglich machen das Internetportale wie Airbnb, Wimdu oder 9flats. Dort können Privatleute weltweit unkompliziert ihre Schlafgelegenheiten vermarkten, auch wenn das die Hotellerie-Konkurrenz wenig freuen dürfte. Allein beim Marktführer Airbnb liefert die Zimmersuche im Landkreis gut 25 Anbieter. Die Ebersberger Zeitung hat zwei davon besucht.

Gleich zwei Zimmer mitten in Ebersberg vermietet Martine Scheifele. Seit ihre drei Töchter nicht mehr zuhause wohnen, hat sie Platz übrig in dem hellen, großzügigen Einfamilienhaus. „Ich bin viel allein“, sagt Scheifele. Daher freue sie sich über den wechselnden Besuch. „Mir macht das einfach Spaß“, erzählt die gebürtige Belgierin, die vier Sprachen spricht. Mit ihren Gästen sitzt sie, „wenn es passt“ gerne mal auf ein Gläschen Wein zusammen oder gibt Ausflugstipps für die Region.

Das Zimmerangebot der Ebersbergerin habe „eingeschlagen wie eine Bombe“. Ein Brautpaar auf Hochzeitsreise aus den USA, Studenten und Familien aus China, Rio, Pakistan, Geschäftsreisende aus der Schweiz: Scheifeles Gäste aus der ganzen Welt sind begeistert von den schönen Zimmern im Voralpenland nahe München. Das zeigen die positiven Bewertungen, die sie hinterlassen. 35 bis 55 Euro verlangt Scheifele pro Nacht, Frühstück bietet sie keines, dafür Platz im Kühlschrank für Selbstversorger und die Möglichkeit, die Küche mitzunutzen.

„Zum Oktoberfest habe ich auch schon mal Gäste abgelehnt, die mir nicht ganz geheuer waren“, gibt sie zu. Sauftouristen will Scheifele nicht bei sich, schließlich muss sie nach der Abreise saubermachen.

Sonst ist sie bei der Auswahl der Zimmersuchenden nicht wählerisch: „Man muss offen sein und eine Portion Vertrauen haben“, sagt sie. Eine Portion Risiko sei trotz einer Schadensversicherung durch den Anbieter immer dabei. Das Vertrauen habe sich aber ausgezahlt, denn negative Erfahrungen habe die Vermieterin noch keine erlebt, höchstens kleine kulturelle Missverständnisse. „Mir wurde noch nicht einmal ein Handtuch geklaut“, schmunzelt sie.

Ländliches Kleinod: Rea von Raben bietet eine schick eingerichtete Ferienwohnung im Schloss Eichbichl via Internet an. Ihre Gäste schätzen das besondere Ambiente.

Positiv überrascht war auch Rea von Raben von ihren Übernachtungsgästen. Sie hat ein ganz besonderes Highlight zu bieten: Bei ihr kann man feudal im herrschaftlichen Schloss Eichbichl residieren. Im Erdgeschoss des jahrhundertealten Anwesens in der Gemeinde Frauenneuharting, bietet die Schlossherrin eine schick eingerichtete 3-Zimmer-Ferienwohnung an, für 100 Euro die Nacht. Bergblick inklusive. Die antiken Möbel und die großen, luftigen Räume vermitteln ein Gefühl von Luxus, das trotz der abgelegenen Lage Besucher anlockt.

„Dass das Haus endlich etwas abwirft“, lacht von Raben auf die Frage, weshalb sie das Familienschloss mit Fremden teilt. Die Familie hat das Gebäude erst kürzlich teuer energiesaniert. Man merkt von Raben an, dass sie sich freut, den Bau endlich Gästen präsentieren zu können.

Ihr kommt vor allem die Flexibilität der Online-Buchungen zupass: „Die Räume nutzen wir größtenteils privat, wenn Besuch kommt“, erklärt die Schlossherrin. Die Vermietung macht den „Lückenfüller“. Auch Martine Scheifele lobt die Flexibilität des Systems: „Wenn ich nicht mehr mag, dann lege ich das Angebot einfach still.“

Skeptischer sieht Wolfram Staude vom Grafinger Tourismusverein die privaten Konkurrenten. „Unsere Vermieter müssen sich alle klassifizieren lassen. Damit haben wir seit über 20 Jahren hervorragende Erfahrungen gemacht“, verweist er auf die Qualitätsstandards der professionellen Anbieter.

An der Zuverlässigkeit der Online-Bewertungen hat Staude seine Zweifel. Zudem bemängelt er, die Privatanbieter würden die Früchte des Marketings durch den Tourismusverein „im Stillen genießen“, ohne einen eigenen Beitrag zu leisten. Kleinreden will Staude die neuen Wettbewerber aber nicht: „Das ist eine ernstzunehmende Konkurrenz.“

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