Die Anzahl der nichtehelichen Geburten liegt im Landkreis stabil über 200 pro Jahr. Grafik: teb

Vaterrechte nur im Schneckentempo

Ebersberg - Trauschein und Geburtsurkunde - die beiden liegen längst nicht mehr stets vereint in der Dokumentenmappe, wenn trauter Zweisamkeit Nachwuchs entspringt.

252 der insgesamt 1165 im Jahr 2010 neugeborenen Babys hatten im Landkreis Ebersberg Eltern, die (noch) nicht miteinander verheiratet waren. Damit liegt die Nichtehelichenquote jetzt bei 21,6 Prozent (Vorjahr: 22,2 Prozent).

Insgesamt ging die Geburtenzahl rauf: Die 1165 Lebendgeborenen sind 67 Kinder mehr als noch im Vorjahr.

In ganz Bayern kamen im Jahr 2010 exakt 1541 Kinder mehr zur Welt als noch ein Jahr zuvor. Insgesamt waren es 105 251 Neugeborene. In 27 101 Fällen waren die Eltern nicht miteinander verheiratet.

Damit liegt die landesweite Nichtehelichenquote jetzt bei 25,7 Prozent. Im Landkreis Ebersberg liegt die Nichtehelichenquote dagegen bei 21,6 Prozent. Der Anstieg der Zahl der Neugeborenen entspricht in Bayern 1,49 Prozent Zuwachs.

Im Landkreis Ebersberg beträgt der Zuwachs bei den Geburten 5,75 Prozent.

Die Mädchen waren im Landkreis Ebersberg mit 584 bei den Babys im letzten Jahr in der Überzahl, Buben waren es 581. Die Zahl der Lebendgeburten insgesamt liegt jetzt bei 9,6 je tausend Einwohnerinnen und Einwohnern.

Mehr Lust am Kind lässt natürlich Politiker strahlen. Wobei angesichts der doch unterschiedlichen lokalen Entwicklungen noch nicht ganz klar ist, ob sich der Trend durchsetzt und wenn ja, worauf die Tendenz zur steigenden Kinderzahl beruht.

Ob die Kinder ehelich oder nichtehelich sind, spielt heutzutage dabei kaum noch eine Rolle, obwohl Bayern da im Vergleich mit den neuen Bundesländern, wo die Quoten beim Doppelten und mehr liegen, noch einen vergleichsweise geringen Anteil hat.

Allerdings hat die Sache mit der Nichtehelichkeit auch einen gewaltigen Haken. Waren es früher die Frauen, die als ledige Mütter schief angesehen wurden, sind es heute die ledigen Väter, die zuweilen dumm aus der Wäsche schauen.

Denn für die Frau gilt, „mein Kind gehört mir“, für den Mann gilt, ein Recht aufs Kind gibt’s nur, solange die Mama zustimmt.

Das ist zwar umstritten und eigentlich hat Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger versprochen, die Rechte der ledigen Väter zu stärken, nachdem das Bundesverfassungsgericht das verlangt hat. Aber auf der Internetseite des Ministeriums hieß es seit dem August 2010 bis in den August 2011 hinein, das „Bundesjustizministerium arbeitet an einer gesetzlichen Neukonzeption, die immer dann zum gemeinsamen Sorgerecht führt, wenn das Kindeswohl nicht entgegensteht. Die intensiven Gespräche mit Rechts- und Familienpolitikern der Regierungskoalition werden zügig fortgesetzt.“ Bei diesem Politiker-Tempo ist es besser, Nägel mit Köpfen zu machen, solange die Freude über die Geburt des Kindes noch für traute Zweisamkeit sorgt.

Da unverheiratete Väter das Sorgerecht im Moment nur dann bekommen, wenn die Mutter in einer gemeinsamen Sorgeerklärung vor einem Notar oder dem Jugendamt zustimmt, ist es für die glücklichen aber ledigen Väter im Landkreis Ebersberg am besten, den Termin gleich zu machen.

Oder eben den beim Standesamt.

Teja Banzhaf

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