Das P-Seminar „Flucht und Migration“ mit Lehrerin Daniela Peter (rechts im Bild). Foto: Se

"Jeder kämpft gegen jeden"

Vaterstetten - Vaterstettener Gymnasiasten informierten sich über Flucht und Migration.

Als die Schüler der heutigen zwölften Jahrgangsstufe am Humboldt-Gymnasium Vaterstetten (HGV) wählen mussten, welches praxisorientierte Seminar sie in der Oberstufe belegen möchten, entschieden sich 14 Jugendliche für das P-Seminar „Flucht und Migration“ unter der Leitung von Daniela Peter. „Das Thema war sehr aktuell, weil unsere Turnhalle mit Asylbewerbern belegt war“, schildern die Schülerinnen Nathalie und Antonia.

Im vergangenen Schuljahr hat die Gruppe sich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt: Sie besuchte die Hilfsorganisation missio, hielt einen Vortrag vor den fünften Klassen, startete eine Plakataktion und entwickelte das Logo „Das HGV ist bunt“. Außerdem gab es ein Fußballturnier mit Flüchtlingen. „Unsere anfänglichen Berührungsängste waren schnell überwunden“, erzählen die Jugendlichen. Nun lud das Seminar zu einem Informationsnachmittag für die Elftklässler. Für die war es zunächst eine lästige Pflichtveranstaltung, doch die Referenten verstanden es, die Aufmerksamkeit ihrer jugendlichen Zuhörer zu fesseln.

Bernd Ziegler ist bei missio zuständig für Lehrerfortbildung und Aufklärung in Schulen. Sein Vortrag erklärte anschaulich die Fluchtursachen und Konfliktparteien in Syrien: Da ist zum einen das Assad-Regime, das keine Opposition duldet. Eine gemäßigte Opposition sei gewaltsam niedergeschlagen worden. Außerdem gebe es islamistische Milizen, die einen islamischen Gottesstaat wollen, und den IS, der die radikale Alleinherrschaft anstrebe. Und auch das Ausland mische kräftig mit, wobei verschiedene Staaten verschiedene Interessen in Syrien verfolgten. „Letztlich kämpft jeder gegen jeden, das Land befindet sich in vollkommenem Chaos und die Bevölkerung leidet“, so Ziegler.

In den Städten Homs und Aleppo versuche missio derzeit, für Schulkinder einen strukturierten Tagesablauf und Bildung aufrecht zu erhalten. Etwa die Hälfte aller Syrer befinde sich auf der Flucht, davon wiederum der größere Teil innerhalb des eigenen Landes. 4,9 Millionen Syrer flüchteten ins Ausland, die meisten in die Türkei, den Libanon und nach Jordanien. Etwa 500 000 wagten die Flucht übers Mittelmeer, in Deutschland seien bislang rund 158 000 Asylanträge gestellt worden, berichtete Ziegler.

Auch Mirjana Imic, Integrationsbeauftragte am Landratsamt Ebersberg, wartete mit Zahlen auf und erläuterte deren Wichtigkeit, um für die Zukunft planen zu können. „Die Unterbringung ist eine Riesenherausforderung“, meinte sie. Berufsintegrationsklassen vermitteln den zumeist jungen männlichen Flüchtlingen Kenntnisse in Deutsch und Sozialkunde, um ihnen dann Praktika und eine Ausbildung zu vermitteln. Die Schüler hörten gebannt zu und stellten interessierte Fragen, etwa zur Schulbildung der Flüchtlinge oder zu den verschiedenen Religionsgruppen innerhalb des Islam. Am Ende konnte das P-Seminar ein positives Resümee ziehen und stolz sein auf eine gelungene Veranstaltung, die sicher bei vielen Schülern noch lange nachwirkt. se

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