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Dieser etwa ein Quadratmeter große Ölfleck an der Rastanlage Vaterstetten-West löste einen Feuerwehreinsatz mit immerhin 18 Helfern aus. Ein Fall, der für Unmut in den Reihen der Einsatzkräfte sorgt.

An der Rastanlage Vaterstetten-West

Wegen dieses Ölflecks rücken 18 Feuerwehrleute an

Vaterstetten - Ein etwa ein Quadratmeter großer Ölfleck an der Autobahnraststätte Vaterstetten-West hat 18 Einsatzkräfte der Feuerwehr Parsdorf-Hergolding beschäftigt. Die Floriansjünger waren über die Leitstelle alarmiert worden. In ihren Reihen herrscht jetzt Unmut. Sie fühlen sich „missbraucht“.

Die Feuerwehr Parsdorf-Hergolding ist enttäuscht. Sie würden immer wieder für „unkritische Aufgaben missbraucht“, sagen die Einsatzkräfte. So gehe es auch vielen anderen Feuerwehren. Darunter leide die Motivation der freiwilligen Helfer „extrem“ und auch das Verständnis der Arbeitgeber, die bei Einsätzen oftmals ihre Mitarbeiter freistellten, sagt Kommandant Leonhard Spitzauer.

Natürlich helfen Spitzauer und seine Rettungskräfte gerne Menschen, die sich in Notlagen befinden. Darüber gebe es keine Diskussion, das sei klar, sagt Spitzauer. Aber nicht für jeden Einsatz zeigt der Kommandant Verständnis.

Etwa nicht für jenen: In dieser Woche wurden die Rettungskräfte der Feuerwehr Parsdorf-Hergolding von der Leitstelle alarmiert. Es hieß: Ölwannenzerstörung durch Wrackteil auf der A 99. Weil es für Spitzauer und seine Truppe bei einer solchen Alarmierung bestimmte Vorgaben gibt, wie der Einsatz abzulaufen hat, rückten drei Fahrzeuge mit insgesamt 18 Mann aus. An der Unglücksstelle auf dem Parkplatz der Autobahnraststätte Vaterstetten-West angekommen, stellten die Retter fest, dass es sich „lediglich um ein wenig ausgelaufenes Öl“ handelte. Der Fleck sei etwa einen Quadratmeter groß gewesen, schreibt die Feuerwehr später auf Facebook. Nachdem Bindemittel auf das Öl geschüttet und entsorgt worden war, war die Hilfeleistung nach knapp 45 Minuten beendet. Kommandant Spitzauer kann diesen Einsatz nur kopfschüttelnd zu den Akten legen – sein Unverständnis sei auch nicht böse gemeint, sagt er. Er wolle niemandem Schuld zuschieben. Dennoch, der Verursacher des Ölflecks hätte eine „gewisse Verantwortung“ gehabt, meint er. Denn: Auf einem Parkplatz müsse man bei solchen Fällen eigentlich erst einmal selbst dafür sorgen, dass das Öl beseitigt werde, betont Spitzauer. Auch das Abschleppunternehmen, welches den defekten Pkw, von dem das Öl stammte, bereits vor dem Eintreffen der Feuerwehr abtransportiert hatte, hätte, so Leonhard Spitzauer, dafür sorgen können, das Öl zu entsorgen. Der Kommandant ärgert sich vor allem, weil seine Kameraden für Einsätze wie diese, Tag und Nacht unnötig von der Arbeit oder ihrer Familien „weggerissen“ werden.

Rückendeckung bekommt die Feuerwehr Parsdorf-Hergolding vom Kreisbrandrat im Landkreis, Andreas Heiß. Der sagt: „Die Feuerwehr ist kein Hausmeister!“ Natürlich sei es auch Aufgabe der Feuerwehr, Ölschäden auf einer Fahrbahn zu sichern und diese zu säubern, erklärt Heiß. Aber nicht für alles sei die Feuerwehr zuständig. Im konkreten Fall, auf dem Parkplatz an der A 99, stelle sich schon die Frage, ob der Unfallverursacher die Möglichkeit hatte, die Reinigung selbst zu organisieren, beispielsweise über den Abschleppdienst, so der Brandrat. Auch bei der Tankstelle hätte nach Ölbinder gefragt werden können, betont Heiß.

Dass der Bürger beim Wählen der Notrufnummer auch immer hinterfragen solle, ob es gerechtfertigt sei, fordert Leonhard Spitzauer. „Zivilcourage ist wichtig und lobenswert“, sagt er. Die Menschen sollen bei Gefahr weiterhin den Notruf wählen. Aber nicht zu jeder Kleinigkeit soll und dürfe die Feuerwehr geholt werden. Der Kommandant appelliert: „Zivilcourage mit Verstand wäre mein Vorschlag.“

Den Ölfleck an der Raststätte hat die Feuerwehr übrigens beseitigt. Ob der Verursacher den Einsatz bezahlen muss, wird die Gemeinde Vaterstetten entscheiden. Spitzauer schätzt, dass sich die Kosten durchaus auf über 500 Euro beziffern.

Christoph Hollender

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