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Luxus-Decke zu heiß gewaschen: Anwalt zerrt seine Putzfrau vor Gericht

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Hausarbeit
Eine Vaterstettener Raumpflegerin stand vor Gericht, weil sie eine Kaschmirdecke zu heiß gewachsen hatte, so dass sie eingegangen war. © Hauke-Christian Dittrich/dpa (Archivbild/Symbolbild)

Eine Putzfrau aus Vaterstetten muss Schadensersatz zahlen, weil sie eine Kaschmirdecke ihres Auftraggebers, eines Rechtsanwalts, zu heiß gewaschen hat. Der Mann sagt, die Decke sei ihm extrem wichtig.

Ebersberg – Eines machte Richterin Andrea Kürten in dem Zivilprozess am Ebersberger Amtsgericht der beklagten Frau ziemlich unmissverständlich klar: „Ich rate Ihnen zu einem Vergleich, sonst droht Ihnen eine Verurteilung. Und das wird teuer.“

Kaschmirdecke der Luxusmarke Hermès geht nach Waschgang ein

Der Fall: eine aus Slowenien stammende Vaterstetterin war bei einem Rechtsanwalt in Baldham als Putzkraft tätig. Im Rahmen ihrer dortigen Haushaltstätigkeit hatte sie im Jahr 2018 eine große, graue, mit einem Pferdemotiv versehene Kaschmirdecke der französischen Luxusmarke Hermès versehentlich zu heiß gewaschen, so, dass diese einging. Der Kläger forderte daraufhin Schadensersatz – nach Abzug einiger bereits verrechneter Beträge – in Höhe von 2524 Euro.

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Es sei rechtlich nun mal so geregelt, dass man für einen Schaden, den man an fremdem Eigentum anrichte, aufkommen müsse, erklärte die Richterin der Angeklagte. Man stritt sich über eine fehlende Waschanleitung an dem edlen Stück, darüber, ob die Decke über einem Stuhl hing oder, wie von der Angeklagten angegeben, auf einer Couch lag und dort von den Hunden des Eigentümers besudelt wurde.

Putzfrau: Schadensersatz von 2000 „können wir nicht bezahlen“

Der Kläger, der sich als Rechtsanwalt selbst vertrat, stellte eine Vergleichssumme von 2000 Euro in den Raum. „Das können wir nicht bezahlen,“ entgegnete die Frau, die ohne juristische Vertretung in der Verhandlung saß. Ihr Mann, der ebenfalls im Gerichtssaal saß, sei nach wie vor in Kurzarbeit tätig, und sie selbst könne auf Grund einer Fußverletzung derzeit nicht arbeiten.

Da saßen nun quasi Arm und Reich einander gegenüber. Zur Demonstration des Schadens zeigte der Kläger die eingegangene Decke im Gerichtssaal vor sowie das gleiche Stück nochmals, unbeschädigt, für 3100 Euro erneut erworben. Er sei einfach ein Pferdenarr, betonte er, deshalb sei im die Decke so wichtig.

Schließlich ließ er sich auf eine Vergleichssumme von 1500 Euro ein, wenn denn bis Ende September bezahlt würde. Und so formulierte das Gericht auch den Vergleich: 2000 Euro habe die Beklagte zu bezahlen, mit dem Zusatz, dass bei einer Zahlung einer Summe von 1500 Euro bis Ende September die restlichen 500 Euro verfallen.

Gericht: Luxusgegenstände auf dem Vintage-Markt viel wert

Richterin Kürten betonte im Anschluss, dass sie diesen Fall im Vorfeld mit Kollegen besprochen habe. Für manche Richter würde es hier lediglich um einen Kollateralschaden gehen, für sie nicht. Der Einwand der Beklagten, die Decke wäre älter gewesen und deshalb nicht mehr so viel wert, fand vor Gericht kein Gewicht, denn Luxusgegenstände würden auch auf dem Vintage-Markt noch mit sehr hohen Preisen gehandelt, wie die Richterin betonte.

Der Kläger jedenfalls stieg nach dem Prozess in einen Luxus-SUV der Marke Bentley.  pke.

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