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Großes Grundstück, viele Bäume: Beantragt ist der Bau von vier Doppelhaushälften. 

Altes Haus in Baldham soll abgerissen, vier Doppelhäuser sollen gebaut werden

Verdichtung mit Mini-Gärten sorgt für Kritik

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Stichwort Innerortsverdichtung: Wie weit darf man dabei gehen, wie klein dürfen die Gärten werden? Das Baurecht ist eindeutig, wie man jetzt in Baldham sieht.

Baldham – Derzeit steht auf dem großen Grundstück in der Alten Poststraße in Baldham ein älteres Haus. Das soll abgerissen werden. Stattdessen sollen auf dem Areal vier Doppelhäuser gebaut werden, also acht Wohneinheiten. Dazu Carports und offene Kfz-Stellplätze. Für einige Häuser bleibt da nur noch ein Mini-Garten übrig. Viele Bäume müssen gefällt werde. Wieder ein Stück Gartenstadtcharakter verloren.

„Wir stecken in einer Misere“

Nach Baurecht ist laut Rathaus alles in Ordnung. „Das ist ein typischer Fall, an dem man erkennt, in welcher Misere wir stecken“, so Vizebürgermeister Martin Wagner (CSU) jetzt im Bauausschuss. Die Mitglieder des Gremiums hatten erhebliche Bauchschmerzen bei diesem Vorhaben. Der Antrag wurde zwar nicht abgelehnt, aber auf Antrag von Renate Will (FDP) vertagt. Das Bauamt soll nun nochmals mit dem Bauwerber reden.

Klar ist: Es hätte noch viel schlimmer kommen können. Laut Bauamtsleiterin Brigitte Littke waren ursprünglich 17 Wohneinheiten geplant. Jetzt sind es noch acht. Im Vorfeld hatte eine Reihe von Gesprächen stattgefunden. Die Zulässigkeit der Bebauung richtet sich in diesem Fall nach der Umgebung. Dort gebe es mehrere zweigeschossige Häuser mit Wandhöhen von rund sechs Metern. Zwei dieser Häuser hätten zudem nahezu identische Grundflächen wie das geplante Projekt, so die Stellungnahme des Bauamts.

Galoppierende Verdichtung

 Maria Wirnitzer (SPD) sprach von „massive Verdichtung und Versiegelung“ sowie von „bodenrechtlichen Spannungen“. Roland Meier (Freie Wähler) meinte, wenn ihn das Baurecht nicht zwinge, würde er „vom Herzen her“ dagegen stimmen. Wenn er zustimme, dann aber „nur unter Protest“. Manfred Schmidt (AfD/FBU) kritisierte die „galoppierende Verdichtung“. „Wir arbeiten doppelbödig und zweigleisig.“ Herbert Uhl (Freie Wähler) brachte weitere Argumente ein: „Es werden 23 Bäume gefällt. Ist eigentlich ein kleines Wäldchen.“ Das habe als Grüne Lunge schon Bedeutung. Uhl verwies auf die Proteste gegen Rodungen des Regenwaldes in Brasilien. „Hier lassen wir Bäume fällen, ohne mit der Wimper zu zucken. Hier können wir aber etwas beeinflussen. Wer das ganze Klimaschutzbrimborium ernst nimmt, dürfe hier nicht zustimmen.“

„Bäume sind immer gut“, so Wagner. Die Gemeinde könnte einen Bebauungsplan machen, der Bauwerber könnte dagegen klagen. Die Gemeinde könnte sich durchsetzen, müsste aber dann Entschädigung zahlen. „So einfach ist das nicht“, konterte Schmidt.

„Wir schaukeln uns immer weiter auf“

Stefan Ruoff (Grüne) hatte Verständnis für einen gewissen Grad an Verdichtung. „Aber wir schaukeln uns immer weiter auf.“ Beim konkreten Projekt könnte er jedoch mitgehen, wenn von bisher acht auf sechs Häuser reduziert werde. Christl Mitterer (CSU) äußerte Verständnis für das Vorgehen der Bauwerber, auch wegen der hohen Bodenpreise. Dennoch sollte man nochmals versuchen, statt eines der Doppelhäuser „ein Einfamilienhaus reinzubekommen“.

Reaktion von Gemeindebaurätin Brigitte Littke: „Wir können gerne noch mal mit dem Bauwerber reden. Wenn er aber einen Bescheid will und nicht zurückzieht, dann sehen wir uns halt vor dem Verwaltungsgericht.“

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