Um dieses Grundstück ging es in der Anfrage. Foto: sro

Bebauungspläne stapeln sich: Rathaus kommt nicht mehr nach

  • schließen

Vaterstetten - Großprojekte dominieren derzeit die Vaterstettener Politik: Das neue Baugebiet im Nordwesten, die Ortsumfahrung Parsdorf/Weißenfeld, das neue Schulhaus. Das Bauamt ist überlastet. Dort stapeln sich Bebauungspläne.

Vizebürgermeister Martin Wagner (CSU) sprach im Bauausschuss von rund 40 Fällen. Kleinere Vorhaben geraten da leicht ins Hintertreffen. Wer selbst einen Bebauungsplan beantragt, ihn auch selbst finanzieren will und zudem ein externes Büro beauftragt, muss dennoch warten. Vier bis fünf Jahre könnte das dauern.

Auslöser war ein Vorbescheidsantrag für ein Grundstück an der Gluckstraße, schräg gegenüber dem Eingang des Hallenbads. Entstehen sollte entweder ein Mehrfamilienhaus oder ein Doppelhaus. Beide Vorhaben widersprächen aber dem geltenden Bebauungsplan, hatte das Bauamt festgestellt. Es geht um festgelegte Bauräume, die nicht eingehalten würden.

CSU-Gemeinderat Stefan Huber verwies jedoch auf die Geschichte des Areals. Die Eigentümerfamilie habe zum Bau der Gymnasiums Grundstücke zur Verfügung gestellt, ohne die die Bildungseinrichtung nicht hätte entstehen können. Damals habe es schon Vorschläge gegeben, die geltenden Bauräume auf dem Grundstück zu verschieben, um eine sinnvolle Bebauung möglich zu machen. Dem habe die Gemeinde damals, im Jahr 1971, auch zugestimmt, so Huber. Der Bebauungsplan sei aber nicht geändert worden. Jedoch sei gleich angrenzend damals ein Haus genehmigt und gebaut worden, das ebenfalls außerhalb des festgelegten Bauraums liegt. Huber fand jedoch wenig Unterstützung für seine Vorstellungen im Gremium, auch nicht in der CSU. Nur Fraktionskollege Benedikt Weber stimmte mit ihm.

Die Bauwerber haben nun einen Antrag gestellt, den Bebauungsplan zu ändern. Reaktion von Vizebürgermeister Wagner, der die Sitzung leitete: „Man kann einen Antrag stellen. Doch es gibt eine lange Wartezeit.“ Im Bauamt würden sich derzeit die Bebauungspläne stapeln, „In den nächsten Jahren geht da nichts.“ Huber wandte ein, die Grundstückseigentümer wollten die Planung selbst bezahlen und externe Hilfe holen. Dadurch würde aber das Bauamt nicht entlastet, konterte dessen Leiterin Brigitte Littke. Die Behörde müssen das Verfahren nämlich dennoch begleiten. Und Wagner bekräftigte: „Die nächsten fünf Jahre wird da nichts passieren. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.“

Vor einiger Zeit hatte das Vaterstettener Bauamt eine Liste mit rund 30 Positionen präsentiert, auf der Prioritäten für anstehende Bebauungspläne festgelegt wurden. Ganz oben standen Vorhaben im neuen Baugebiet Nordwest, zur neuen Schule oder in Baldham-Dorf. Ein Teil der Planungen sind inzwischen abgeschossen. Offen waren unter anderem die Bebauungspläne zum Segmüller-Parkplatz nördlich der A 94, zur Hochwaldsiedlung, zu Vaterstetten Nordost oder zu Baldham westlich der Erika-Köth-Straße. Auf Platz 21 steht eine Ewigkeitsplanung, die bereits unter dem ehemaligen Bauamtsleiter Rudolf Wüst lange ein Thema war. Wüst ging 2009 in den Ruhestand. Die Rede ist von der Umgestaltung der Bahnhofstraße in Vaterstetten. Betroffen sind mehrere Privatgrundstücke. Die Umsetzung der Planung hätte dazu geführt, dass die Gemeinde die Anwohner finanziell für die Flächen hätte entschädigen müssen, so Littke auf EZ-Anfrage. Die Anwohner seien auch nicht bereit, Flächen für die Neugestaltung der Straße abzutreten. Also: Zunächst gestoppt, nachdem zuvor schon viel Zeit und Arbeitskraft investiert worden war. Zusätzlich zu den auf der Liste aufgeführten Projekten gibt es laut Bauamtsleiterin noch einzelne Planungswünsche, die auch noch nicht berücksichtigt wurden, beispielsweise aus Baldham-Dorf oder Purfing.

Bereits im Januar 2014 hatte Bürgermeister Georg Reitsberger (Freie Wähler) eingeräumt, das Bauamt sei überlastet. Damals ging es um Wünsche, die sich auf Bau-Entwicklungsmöglichkeiten in Bezug auf das Gemeindeentwicklungsprogramm bezogen. „Würde die Gemeinde diesen Wünschen nachkommen, müsste das Bauamt personell erheblich aufgestockt werden“, sagt der Rathauschef damals. „Das Bauamt hat ohnehin ein sehr hohes Arbeitspensum zu bewältigen.“ Eine deutliche Aufstockung des Personals fand nicht statt und ist auch nach der aktuellen Haushaltsplanung nicht vorgesehen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Neuer Schutz bei Wind und Wetter
Der Gemeinderat Poing hat einstimmig 50.000 Euro freigegeben für den Kauf eines neuen Bauwagens für den Waldkindergarten. Der alte ist marode.
Neuer Schutz bei Wind und Wetter
Abistreich endet mit Polizeieinsatz
Der Spaß war vorbei, zwei Stunden, nachdem er begonnen hatte. Am Sonntag räumte die Polizei Ebersberg den Sportplatz des Gymnasiums Grafing. 
Abistreich endet mit Polizeieinsatz
Die drei Finalistinnen stehen fest!
Mehrere hundert Teilnehmer haben ihre Stimme zur Vorauswahl fürs „Volksfest-Madl Poing 2017“ abgegeben, jetzt stehen die drei Finalistinnen fest:
Die drei Finalistinnen stehen fest!
Isabella aus Anzing
Was ist das Schönste im Leben einer Familie? Die Geburt des ersten Kindes gehört mit Sicherheit dazu. Das erste Kind von Marion Robisch und Benjamin Widmann aus Anzing …
Isabella aus Anzing

Kommentare