Die Verkehrsführung vor dem Gymnasium in Vaterstetten wurde geändert und eine eingeführte Durchfahrtsbeschränkung wieder aufgehoben.
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Die Verkehrsführung vor dem Gymnasium in Vaterstetten wurde geändert und eine eingeführte Durchfahrtsbeschränkung wieder aufgehoben.

Autofahrer kümmern sich nicht um Vorgaben

Polizei machtlos: Sieg der Elterntaxis über Durchfahrtsverbot am Gymnasium Vaterstetten

  • Robert Langer
    VonRobert Langer
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Keine Durchfahrt in der Früh: Diese Regelung vor dem Gymnasium Vaterstetten ist nun wieder aufgehoben. Der Grund: Es hat sich niemand daran gehalten.

Vaterstetten – Teilsperre zurückgenommen heißt es künftig vor dem Gymnasium in Vaterstetten. Eine vorübergehende Durchfahrtsbeschränkung von 7.30 bis 9 Uhr wurde nach wenigen Wochen wieder aufgehoben. Das teilte das Rathaus mit. Trotz mehrtägiger Überwachung durch die Polizeiinspektion Poing habe die Beschränkung kaum Beachtung bei den Verkehrsteilnehmern gefunden.

Darüber hinaus habe sich in der ersten Schulwoche gezeigt, dass der Hol- und Bringverkehr in die umliegenden Straßen und vor allem in die Kreuzungsanlage Johann-Strauß- Ecke Rossinistraße verlagert worden sei. Aufgrund dessen seien teilweise „verkehrsgefährdende Situationen“ zwischen dem Pkw- und Fußgänger- beziehungsweise Fahrradverkehr entstanden“, so die Verwaltung. „Ursächlich waren unter anderem die Wendevorgänge des Pkw-Verkehrs vor dem Durchfahrtsverbot.“ Bürgermeister Leonhard Spitzauer (CSU), appelliert an die Pkw-Fahrer, angesichts der in diesem Gebiet vermehrt verkehrenden schwächeren Verkehrsteilnehmer „besondere Vorsicht walten zu lassen“.

„Gebührenfreie Verwarnungen“ der Polizei - Verkehrsgefährdende Lage in den umliegenden Straßen

Helmut Hintereder, Leiter der Polizeiinspektion Poing, bestätigt die Aussagen der Gemeinde. Beamte seien an den ersten vier Schultagen in größerem Umfang vor Ort eingesetzt worden. Eine ganze Reihe von Autofahrern sei „gebührenfrei verwarnt“ worden, die sich trotz Polizeipräsenz nicht an die Regel gehalten hatten. Auch künftig werde die Polizei ein Auge auf die Situation vor dem Gymnasium haben. So intensiv wie in den ersten Tagen des Schuljahres werde es jedoch nicht mehr sein.

Hintergrund: Vor rund elf Jahren wurde vor dem Gymnasium eine Einbahnstraßenregelung samt „Kiss&Ride“ eingeführt, als Provisorium. Das sollte nun geändert werden. Künftig sollen Linienbusse in beiden Richtungen fahren, und zwar bereits Ende des Jahres. Zudem geht es um die Ausweisung eines Neubaugebietes auf dem nahen ehemaligen Gelände der Grund- und Mittelschule an der Gluckstraße. Die Schaffung einer Fahrradstraße an dieser Stelle, wie von der Verwaltung vorgeschlagen, wurde vom Gemeinderat vorerst abgelehnt.

Die Gemeindeverwaltung Vaterstetten weist darauf hin, dass die Polizeiinspektion Poing anfänglich eine verstärkte Überwachung des Durchfahrtsverbots durchführen wird und Verkehrsverstöße geahndet werden.

Aus dem EZ-Bericht zur Einrichtung des Durchfahrtsverbots Anfang September

In der Debatte im Juli verwies die CSU vor allen auf hohe Kosten eines Umbaus zur Verkehrsberuhigung an dieser Stelle. Die Rede war von 1,4 Millionen Euro. Die SPD hingegen erinnerte an ausgearbeitete Vorschläge eines Arbeitskreises und eines Verkehrsplanes. Diese jetzt nicht zu würdigen sei ein „Affront“, so die Genossen. Die Grünen forderten eine bessere Verkehrsplanung und reichten zudem einen umfangreichen Fragenkatalog ein.

Nicht genug Anlass für Verbot?

Beschlossen wurde schließlich auf Vorschlag von Roland Meier (FW) als Kompromiss die zeitlich begrenzte Durchfahrtsbeschränkung. Diese sollte jedoch unter dem Vorbehalt stehen, dass Polizei und Landratsamt zustimmen. Die Regelung wurde jetzt wieder aufgehoben. In einer Presseerklärung verweist das Rathaus auf die Untere Verkehrsbehörde im Landratamt. Demnach müsse die Beschränkung der Benutzung einer Straße den Vorgaben der Straßenverkehrsordnung genügen. So dürften Beschränkungen und Verbote des fließenden Verkehrs gerade nur dann angeordnet werden, wenn aufgrund der besonderen örtlichen Verhältnisse eine Gefahrenlage besteht, die das allgemeine Risiko einer Beeinträchtigung erheblich übersteigt.

„Die zwingende Erforderlichkeit der Straßensperre ist hier allerdings nicht dargetan.“ Das Landratsamt betont auf Anfrage aber auch: Die Gemeinde Vaterstetten habe das Landratsamt Ebersberg bezüglich des zeitlich begrenzten Durchfahrtsverbot um fachaufsichtliche Stellungnahme gebeten. „Es handelt sich um eine Gemeindestraße, die Zuständigkeit für verkehrsregelnde Maßnahmen trifft die Gemeinde im Rahmen der geltenden Gesetze.“

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