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Fußgänger am Freitag vor dem Rathaus in Vaterstetten, dem ein Gutachter schwerwiegende Brandschutzmängel attestiert. Der Gemeinderat muss handeln – und zwar sofort.

Gravierende Brandschutzmängel im Vaterstettener Verwaltungsbau

In diesem Rathaus ist niemand sicher

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Sofortmaßnahmen beschloss jetzt der Gemeinderat Vaterstetten für das Rathaus. Der Grund sind gravierende Brandschutzmängel. Klar ist auch: Lange wird das Gebäude, Baujahr 1970, wohl nicht mehr Sitz der Verwaltung sein. Ein Abriss war bereits einmal vereinbart.   

Zunächst noch investieren, aber dann möglicherweise doch abreißen. So sieht derzeit die Situation für das Rathaus Vaterstetten aus. „Die Tage als Verwaltungsgebäude sind jedenfalls gezählt“, sagt Bürgermeister Georg Reitsberger (FW) gegenüber der EZ. Dennoch: Beim Brandschutz muss sofort gehandelt werden, um Gefahren für Leib und Leben abzuwenden.

Gutachter Stefan Zobel zeigte im Gemeinderat auf, wie gefährdet Beschäftigte und Besucher im Brandfall im Rathaus sind. Unter anderem sind die Flucht- und Rettungswege unzureichend. „Jedem, auch einem Laien, muss klar sein: Ich komme da nicht raus“, so der Gutachter. „Es ist ein Glück dass nichts passiert ist, das ist doch Wahnsinn“, so eine Reaktion im Gremium. „Das muss doch irgendjemandem aufgefallen sein“, meinte Gemeinderat Stefan Huber (CSU).

Unter anderem soll nun eine Brandmeldeanlage eingebaut werden, um schneller über ein mögliches Feuer informiert zu werden und Personen retten zu können. Das offene Treppenhaus erhält eine Einhausung, ein zusätzlicher Ausgang ins Freie wird geschaffen, ein Brandüberschlag vom zweiten auf den dritten Stock soll vermieden werden. „Die Mängel müssen beseitigt werden. Der Schutz der Mitarbeiter hat erste Priorität“, sagte Reitsberger. Was das alles kostet, ist noch nicht klar.

Hintergrund: „Wir überprüfen derzeit alle unsere Gebäude in Bezug auf den Brandschutz“, sagte Bauamtsleiterin Brigitte Littke in der Sitzung. Dabei fiel auf, dass die Unterlagen zum Rathaus sehr lückenhaft sind. Zudem wurde ein Sachverständiger eingeschaltet. Das endgültige Gutachten liegt noch nicht vor. Das Zwischenergebnis veranlasste die Verwaltung dennoch zu handeln.

Klar ist auch, dass das Gebäude nicht ausreichend versichert ist. Die Versicherungskammer hat zudem darauf hingewiesen, dass im Schadensfall mit erheblichen Kürzungen der Auszahlung zu rechnen ist, da gegen Auflagen verstoßen worden sei. Einer der Gründe für die Verschärfung der Situation ist laut Georg Kast, Referent des Bürgermeisters, dass die Anforderungen beim Brandschutz gestiegen sind. Zudem hat die Mitarbeiterzahl in den vergangen Jahren deutlich zugenommen. Ursprünglich war das Haus für 30 Beschäftigte geplant, heute sind es rund 80 Personen.

 Die Diskussion im Gemeinderat entwickelte sich zu einer erneuten Grundsatzdebatte darüber, ob man das Rathaus überhaupt noch sanieren soll. Bauamtsleiterin Littke berichtete über schlechte Arbeitsbedingungen, hohe Temperaturen im Sommer im Haus, die nicht der Arbeitsstättenverordnung entsprächen und über Gesundheitsbeschwerden. Reitsberger kündigte nach einer Sitzungsunterbrechung an: „Wir verzichten auf ein Sanierungskonzept.“ Der Gemeinderat beschloss, dass die Verwaltung für das Rathaus bis zum Jahresende Alternativen vorlegen soll.

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