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„Ich wollte zu meinem 50. Geburtstag meinen eigenen Whiskey haben“, sagte sich Roland Meier, als er 40 Jahre alt wurde. Sein Ziel hat der inzwischen 51-jährige Vaterstettener erreicht. Sein Whiskey heißt „McMoare“. 

Im Keller seines Wohnhauses

Dieser Vaterstettener stellt seinen eigenen Whiskey her

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Im Alter von 40 Jahren dachte sich Roland Meier aus Vaterstetten, dass er mit 50 Jahren seinen eigenen Whiskey trinken möchte. Der heute 51-Jährige hat sein Ziel erreicht. Ein Besuch im Keller.

Vaterstetten – Es ist ein scheinbar ganz normales Wohnhaus in einer ruhigen Siedlung der Großgemeinde Vaterstetten. Doch im Keller lagern in einem abgeschiedenen Raum Geheimnisse. Der Weg dorthin führt über eine Treppe. Dann wird es duster. Die Beleuchtung ist spärlich An kaum erkennbaren Durchgängen muss der Besucher den Kopf einziehen und aufpassen, dass er nicht über hölzerne Schwellen am Boden stolpert. Dann der letzte Raum mit der hochgeistigen Überraschung. Hier setzt nämlich Roland Meier (51) seinen bayerischen Whiskey an.

Der hat auch einen passenden Namen der bajuwarisch-schottischen Art. Nämlich „McMoare“. „Mc“ heißt in Schottland „Sohn von“ und „Moare“ ist im Freistaat der Meier: also Sohn vom Meier. „McMoare“ ist übrigens seit Kurzem ein eingetragener, geschützter Begriff, wie Roland Meier betont, „seit März“.

Am Anfang stand eine Idee. „Ich wollte zu meinem 50. Geburtstag meinen eigenen Whiskey haben.“ Als die Idee Gestalt annahm, war er 40 Jahre alt. Mit seiner Frau besuchte der gelernte Schreiner kleinere Whiskey-Hersteller, unter anderem in Schwaben. Bei einem Ausflug nach Südtirol lernte er einen Winzer kennen, der nach Portweinverfahren einen Rotwein herstellt. Die verwendeten Eichenfässer können für den Wein nur drei Mal verwendet werden. Meier kaufte zwei gebrauchte 100-Liter-Fässer. Die Größe brauche man schon, erklärt der Vaterstettener. In einem kleineren Fass reife der Whiskey zu schnell, nehme zu schnell Aromen von Holz und Wein auf. Die Fässer wurden in den Keller geschleppt, aufgestellt und gefüllt, mit hochwertigem Kornbrand aus Franken.

Und dann hieß es warten. Alle vier, fünf Monate wurde kontrolliert, wie sich die Farbe verändert, welches Aroma aufgenommen wird. Am 25. November 2015 war es soweit. Der erste Dreijährige war fertig. „Doch das war mir zu einfach, so etwas gibt es oft“, erklärt Meier. Es wurde umgefüllt. Der Whiskey kam in kleinere Edelstahlfässer zum Nachreifen. Boden und Deckel der Fässer sind jeweils aus Holzscheiben, die eine Seite im Rohzustand, die andere Seite geräuchert. Hergestellt werden die Fässer übrigen in einem Betrieb in Österreich am Neusiedler See.

Wieder veränderte sich mit der Lagerzeit das Aroma. „Und das war dann der Whiskey zu meinem 50. Geburtstag“, erzählt Meier stolz.

Mit dem benutzten kleinen Fass, im Holz hatten sich Aromen angereichert, setzte Meier eine neue Idee um. Er füllte es mit karibischem Rum. Den stellt ein Familienbetrieb im Bayerischen Wald her und importiert dafür Zuckerrohr aus Jamaika. Dazu kam Hollundersirup. Elf Monate wirkten die einzelnen Komponenten aufeinander ein. Das Ergebnis hat einen einzigartigen weichen Geschmack.

Auch einen kleinen Teil des Whiskeys, dessen Fassstärke bei deutlich über 50 Prozent Alkohol liegt, veränderte Meier noch durch die Zugabe von Brombeersirup. „In Kanada gibt es die Mischung mit Ahornsirup“, erzählt Meier. Heraus kommt ein weicher Likör.

Ausprobiert hat Meier mit einem anderen Partner auch noch andere Variation, zum Beispiel Bockbier in einem Whiskey-Fass reifen zu lassen. „Whiskey und Bier sind doch verwandt. Da wo beim Bier der Hopfen reinkommt, wird beim Whiskey destilliert.“ Auch dieses Experiment glückte. Möglich wären zudem Ansätze, nicht mit Gerste als Grundlage, sondern mit Roggen zu arbeiten. „Das ist würziger, aber vom Brennen her schwieriger.“ Oder Mais. „Das wäre dann eher süßlich.“ Auch auf der Grundlage von gutem Wodka könnte man Whiskey machen. „Das Feld ist so breit.“ Und inzwischen gebe es auch eine sehr aktive Szene, auch in Bayern.

Eines braucht man jedoch auf alle Fälle, wenn man dieses „Wasser des Lebens“ in größeren Mengen herstelle, warnt Meier: Disziplin, um selbst nicht zu viel zu trinken, und Verantwortungsbewusstsein, wenn man ihn an andere weiter gebe.

Derzeit ist die Whiskey-Herstellung für Meier ein Hobby. „Was mich antreibt, ist die Suche nach neuen Geschmäckern.“ Ob das nicht dochzum Beruf werden könnte? „Die Sachen die am langsamsten wachsen, sind am stabilsten“, sagt Roland Meier nachdenklich. „Das sieht man an den Eichen.“

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