„A little bit of Mambo“: Lou Begas Hit war auch Achim Kleists Verdienst.
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„A little bit of Mambo“: Lou Begas Hit war auch Achim Kleists Verdienst.

Komponist und Musikproduzent Achim Kleist aus Baldham

Zum Besuch beim Vater von „Mambo Nr. 5“

  • Susanne Edelmann
    vonSusanne Edelmann
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In einer ruhigen Nebenstraße in einem beschaulichen Wohngebiet in Baldham werden Hits gemacht - zum Beispiel Lou Begas „Mambo Nr. 5“. Wir waren zu Besuch

Baldham – Eine ruhige Nebenstraße in einem beschaulichen Wohngebiet in Baldham: Hier ist Komponist und Musikproduzent Achim Kleist (55) nicht nur privat zuhause, hier befinden sich auch die Geschäftsräume und das Studio von „Syndicate Musicproduction.“ Kaum vorstellbar, dass sich hier kreischende Fans versammeln, um einen Blick auf ihre Stars zu werfen. Doch das ist tatsächlich schon vorgekommen, schließlich befindet sich hier eine Hitschmiede: Unter anderem wurde hier „Mambo Nr. 5“, der Nummer-Eins-Hit von Lou Bega, komponiert.

Die Boyband „Feuerherz“ wurde von Achim Kleist (M.) und seinem Partner ins Leben gerufen.

Achim Kleist wurde 1965 in Altötting geboren. Wie kam er zu seinem Beruf? „Angefangen habe ich als Gitarrist unserer Schulband“, erzählt er lächelnd. Seine Eltern hatten ein Elektrogeschäft, das er übernehmen sollte, doch er stellte bald fest, dass das nicht das Richtige für ihn war. Stattdessen studierte er in München Toningenieur: „Ich wollte als Tontechniker am Mischpult sitzen.“ In den frühen 1990ern machte er ein Praktikum bei einem Musikproduzenten, wenig später gründete er „Syndicate“ zusammen mit seinem Geschäftspartner Wolfgang von Webenau. „Wolfgang spielt Keyboards und ist sehr kreativ, ich selbst bin mehr für das Geschäftliche zuständig“, so Kleist. 1999 kam dann „Mambo Nr. 5“, das in den USA an die Spitze der Radiocharts kletterte. „Der Song ist bis heute sehr gefragt“, freut sich Kleist.

Anfänge in einem Keller in Trudering

Angefangen hat Kleist in einem Keller in Trudering, 1992 folgte der Umzug nach Vaterstetten, doch dort wurden die Räumlichkeiten ebenfalls bald zu klein. Seit 2000 wohnt Kleist am Ortsrand von Baldham, hier hat er Platz für einen großen Aufnahmeraum im Keller sowie für Büro und Tonstudio im Erdgeschoss. Die Arbeit des Produzenten- und Komponisten-Duos ist vielseitig. Zum einen arbeiten sie als Komponisten für Werbung und Fernsehen, zum anderen als Produzenten und Komponisten für viele Stars der Musikbranche. Hier gibt es verschiedene Herangehensweisen: „Am häufigsten kommen Plattenfirmen zu uns und wünschen sich Songs für ihre Künstler. Da gibt es bestimmte Vorgaben, was gewünscht ist, etwa eine Ballade oder eine Up-Tempo-Nummer.“ Auf diese Weise haben „Syndicate“ bereits mit Stars wie Andrea Berg und DJ Bobo gearbeitet, aber auch mit den No Angels, Max Raabe, Right Said Fred, DJ Ötzi und vielen anderen.

„Man kann natürlich keinen Superhit planen, da gehört schon auch Glück dazu. Aber man kann definitiv solide Qualität abliefern.“

Musikproduzent Achim Kleist (li.) mit DJ Bobo in seinem Studio in Baldham.

Die andere Variante ist, dass Kleist und sein Partner selbst gezielt auf die Suche nach neuen Talenten gehen und diese aufbauen. So haben sie vor einiger Zeit die Gruppe „Feuerherz“ ins Leben gerufen: „Es gab ja schon viele Boygroups, aber noch keine in der Sparte Schlager. Diese Lücke haben wir gefüllt.“ Die vier jungen Sänger wurden gecastet, bekamen Songs auf den Leib geschrieben, die Produzenten suchten für sie eine Plattenfirma, waren in stetem Kontakt mit Managern, Agenten und Konzertveranstaltern – und hatten plötzlich auch eine Traube von weiblichen Fans vor der Haustür: „Mädels sind die treueren Fans, die über Jahre die Platten kaufen und die Konzerte besuchen“, so Kleists Erfahrung. Allerdings: Dank moderner Technik ist es heutzutage gar nicht mehr so oft nötig, dass die Künstler zu Kleist nach Hause kommen. Etwa 90 Prozent der Zeit arbeitet Kleist allein, die Künstler kommen höchstens, um ihren Gesang aufzunehmen.

„Einen Song aufzunehmen dauert ein paar Stunden, viel länger dauert das Bearbeiten“, so Kleist. Von jeder Stimme werden etwa 50 Tonspuren aufgenommen, von jeder Spur die besten Töne genommen. Früher wurden Unsummen für Kurierdienste ausgegeben, um Tonbänder von A nach B zu schicken, heute genügt dafür ein Mausklick. Auch sonst hat sich viel verändert in der Musikbranche: „Sie ist definitiv schnelllebiger geworden, aber auch demokratischer. Früher war ein Tonstudio teuer, das musste man sich leisten können. Heute reichen ein Laptop und ein Mikro, dann kann jeder seinen Song im Internet hochladen.“ Die sozialen Medien sind eine wichtige Werbeplattform geworden: Wenn Kleist neue Talente sucht, dann schaut er sich dafür YouTube-Videos und Beiträge auf Instagram oder TikTok an. So beeinträchtigt Corona die Produzenten auch nicht in ihrem Schaffensdrang. Ihr neuestes Projekt, das gerade am Entstehen ist, wird ein englischsprachiger Sommersong.

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