Philipp Klein aus Vaterstetten steht neben seinem Stromspeicher, der im Moment keinen Strom speichert.
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Philipp Klein aus Vaterstetten steht neben seinem Stromspeicher, der im Moment keinen Strom speichert.

Philipp Klein baut Solaranlage auf sein Dach – und darf monatelang nicht anschließen

Energieversorger bremst Energiewende dieses Vaterstetteners

So kann die Energierwende nicht an Fahrt gewinnen! Ein Vaterstettener wird in seinen Bemühungen, etwas für die Umwelt zu tun, vom Energieversorger Bayernwerk ausgebremst.

Vaterstetten – Er wollte der Umwelt etwas Gutes tun und muss es momentan büßen: Philipp Klein aus Vaterstetten kaufte sich eine Photovoltaik-Anlage samt Batteriespeicher und Stromzähler: Einige Tausend Euro investiert, alles bereit zum Einsatz – wäre da nicht das Bayernwerk. Seit über neun Monaten wartet Klein auf deren Genehmigung, um mit seiner Anlage ans Netz gehen zu können.

Das ganze Dach voller PV-Module

Das ganze Dach der Wohnanlage im Kirsch-Anger, in der er wohnt, ist voller PV-Module. So will es die Umwelt-Richtlinie der Gemeinde. Daran konnten die zukünftigen Wohneigentümer Anteile kaufen. 35 Module, mit einer Gesamtleistung von fast 10 kWp inklusive 7,5 kWh Stromspeicher im Keller kann Klein sein Eigen nennen. „Ich fand das ein sehr gutes Gesamtkonzept, dass man sich, obwohl man nur eine Eigentumswohnung besitzt, trotzdem eine Solaranlage auf das Dach machen kann“, sagt er.

In Absprache mit der Fachfirma, die ihm die Anlage einbaute, reichte der Vaterstettener im März den Vorantrag beim Bayernwerk ein. Rückmeldung? Fehlanzeige. Im Juli war die Anlage fertig, das gab die Firma ebenfalls an die Bayernwerke weiter.

Bis heute hat Philipp Klein keine Rückmeldung vom Bayernwerk bekommen, sagt er: „Wenn etwas nicht passen würde, könnte ich das meinem Installateur sagen, dann könnte es nachgebessert werden.“

Bayernwerk sieht „juristisches Problem“

Aber trotz mehrfachen Hinterhertelefonierens habe ihm das Bayernwerk weder verraten, wie lange es noch dauere, noch was der genaue Grund für die Verzögerung sei. Lediglich ein „juristisches Problem“ sei zur Sprache gekommen, aber nichts Genaueres. Vielen seiner Wohnungsnachbarn gehe es genauso, meint Klein. In seiner Verzweiflung wendete er sich als „letzte Hoffnung“, wie er sagt, an die Ebersberger Zeitung.

Anna Neumeier, Energieberaterin für Photovoltaik von der Energieagentur Ebersberg, weiß nichts von einem bekannten juristischen Problem. Beim Anstückeln an eine bestehende Anlage könne es kleinere Diskussionen bei der Vergütung geben. „Oder wenn es sich um riesige Mengen von über 30 kWp pro Hausanschluss handeln würde, aber das ist hier ja alles nicht der Fall“, sagt sie am Telefon. Ihren Kollegen komme das „juristische Problem“ ebenfalls seltsam vor.

Bürgermeister Spitzauer ist überrascht

Vaterstettens Bürgermeister Leonard Spitzauer (CSU) ist überrascht, dass die Bewohner des Neubaugebietes so lange warten müssen. Dass die Bearbeitung mancher Anträge beim Bayernwerk länger dauert, ist ihm jedoch allgemein bekannt: „Die sind die allerlangsamste Behörde.“, sagt er der EZ. „Wir sind schon langsam, aber die sind noch mal langsamer.“ Er wünscht sich, die betroffenen Bürger aus dem Kirsch-Anger hätten ihn über die Verzögerung informiert. Dann könne er den Bayernwerken „einen bösen Brief schreiben“.

Maximilian Zängl, Sprecher der Bayernwerk AG, erklärt auf Anfrage, dass es sich bei Philipp Klein um einen Spezialfall handle. Das Problem liege konkret beim Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Darin heiße es, dass alle Anlagen auf einem Gebäude als Gesamtanlage – und nicht als Einzelanlagen – zu erfassen seien. Daher prüfe man den Fall juristisch, um Kleins Anlagen-Anteil als Einzelanlage einstufen zu können. „Wir werden auf jeden Fall noch vor Weihnachten eine Bewertung für diese Wohnanlage haben“, verspricht Zängl. Das Bayernwerk sei sich sicher, dass die Anlage, wenn bei der Überprüfung alles passt, noch dieses Jahr in Betrieb gehen könne.

Normalerweise geschehe die rechtliche Überprüfung innerhalb von sechs bis acht Wochen. Grund für die Verzögerung sei zusätzlich das Bayernwerk-Kundencenter in Taufkirchen bei München, das in der Planungsphase für das Neubaugebiet nicht einbezogen gewesen sei. In Vaterstetten seien sie daher gerade mit rund 30 Anträgen beschäftigt. Bayernwerk-Sprecher Zängl versichert, dass sich sein Unternehmen nun vorrangig darum kümmern werde, damit auch im Vaterstettener Kirsch-Anger bald der Solarstrom fließt.

Raffael Scherer

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