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Gesundes Angebot: Sylvia Sassenbach beim Pausenverkauf in der Grund- und Mittelschule Vaterstetten.

Vaterstettener Mittelschule mit gesundem Angebot

Exotisches auf dem Pausenbrot

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 „Die leckeren Sachen sind ganz schnell ausverkauft“, sagt eine Schülerin. Was wie Kritik klingt, ist eigentlich ein großes Lob. In einem besonderen Projekt stellt derzeit die Grund- und Mittelschule Vaterstetten ihren Pausenverkauf um, mit externer Unterstützung.

Vaterstetten  _ Im Vordergrund steht gesunde Vielfalt. Und die Schüler ziehen mit. Teilweise entstehen leckere Brotaufstriche, sogar in einer schuleigenen Arbeitsgruppe. Verzichtet wird hingegen auf Schokoriegel, Kartoffelchips und stark zuckerhaltige Getränke. Stattdessen Wasser und Apfelschorle. „Die Kinder beschweren sich nicht, dass es etwas gesundes gibt“, meint Sylvia Sassenbach, die Chefin im „Schulkiosk“. Die gelernte Arzthelferin kennt die Vaterstettener Bildungseinrichtung schon lange, seit 27 Jahren. Damals besuchten ihre Kinder hier den Unterricht. Im Schulteam ist sie seit 14 Jahren.

Hintergrund: Bereits im Jahr 2015 hatte sich die Schule für das Coachingprojekt der Vernetzungsstelle Schulverpflegung Bayern beworben. Dabei ging es um die Mensa, also die Mittagsverpflegung. Die Vaterstettener Schule an der Gluckstraße erhielt den Zuschlag für das Projekt. Matthias Reis, derzeit Lehrer in der 10. Klasse, wurde „Verpflegungsbeauftragter“. Die Mensa wurde mit Unterstützung des „Schulverpflegungs-Coaches“ Claudia Osterkamp-Baerens freundlicher umgestaltet, der Speisenplan und die Abläufe wurden optimiert. Ein neuer Kühlschrank wurde angeschafft, das Personal bekam eine einheitliche Kleidung und trägt eine Kopfbedeckung. Die Umstellung war erfolgreich, wie Reis betont. „Es herrscht ein deutlich angenehmeres Klima.“ Auch würden in der Mensa nicht mehr so viele Lebensmittel weggeworfen wie früher.

Jetzt wurde die sogenannte „Zwischenverpflegung“ angepackt, also der Pausenverkauf für die rund 200 Schüler der Mittelschule. „Die Kinder in der Grundschule bekommen überwiegend von ihren Eltern etwas mit“, erklärt Reis. Die Älteren ab der 5. Klasse kommen aber oft ohne Frühstück in die Schule. „Das ist mehr die Regel als die Ausnahme.“ Umso wichtiger sei, dass das Angebot des gesunden Pausenverkaufs angenommen werde. Das sei dann die erste Mahlzeit des Tages.

Und es klappt. Wenn es zur Pause klingelt, wird es schnell eng in dem Raum mit den Glaswänden und dem Blick auf den Hof. Manchmal wird auch in der Warteschlange geschubst. „Muss ich eingreifen, muss ich einen Schiedsrichter holen?“, fragt Sassenbach dann gut gelaunt. Bereits um sieben Uhr früh war sie einkaufen, danach wurden Semmeln geschmiert und belegt. Auch die anderen Waren wurden appetitlich im „Schulkiosk“ angerichtet. Einige Angebote sind auch schon fertig abgepackt. Die Schüler können vorbestellen. Um den Andrang beim Verkauf zu entzerren und den Schülern genügend echte Pausenzeit und möglichst auch Bewegung zu sichern, statt vor der Theke in der Schlange zu stehen, wird die Schulstunde in einzelnen Klassen sogar flexibel ein paar Minuten vor dem Pausenklingeln beendet. „Aber natürlich nur, wenn es in das Unterrichtskonzept passt“, erklärt Reis.

Sassenbach achtet bei ihrem Angebot auf Qualität. Es gibt keine aufgebackenen Brötchen, sondern frische Mehrkornsemmeln. Kartoffelchips oder Süßigkeiten sucht man vergebens. Stattdessen stehen im Regal von Sassenbach selbst gebackene Brownies, also kleine Kuchen. „Aus Dinkelmehl“, betont sie. Daneben unter der Frischhalteabdeckung etwas ganz Besonderes. Vollkornbrot mit interessantem Aufstrich. Eine Creme aus Rote Beete, eine Variation mit Thunfisch oder ganz exotisch ein Rezept unter anderem mit Frischkäse, Kreuzkümmel und gehackten Rosinen. Hergestellt wird das in einer Arbeitsgruppe der Schule „Fit for Live“, die Sassenbach leitet. Es geht dabei unter anderem um Alltagskompetenz. „Wir haben auch versucht, Kuchen zu backen“, erklärt Sassenbach. „Aber die eineinhalb Stunden Kurszeit reichen nicht, um alles vorzubereiten, zu backen und hinterher wieder sauber zu machen.“

Das Angebot im Schulkiosk wird gut angenommen. „Vor allem die jungen Damen wollen es biologisch gesund“, erzählt Reis. Deshalb auch vegetarische und vegane Variationen. „Alles ist nicht Bio“, räumt Schulleiterin Catherine Aicher ein. „Das können die Kinder nicht bezahlen.“ Es müsse schon ein Angebot „für kleines Geld und für alle erschwinglich“ sein“, erklärt Reis.

Natürlich gibt es auch Obst. Nicht nur Äpfel oder Bananen, sondern auch ausgefallene Sorten wie Papaya. Als Ersatz für die Schokoriegel ist Studentenfutter im Angebot, also eine Mischung aus Rosinen, Trockenobst und Nüssen.

Der neue Pausenverkauf ist noch in der Testphase. Aber schon jetzt kommt viel Lob vom „Verpflegungsbeauftragten“ Matthias Reis für Sylvia Sassenbach und den von ihre organisierten Service. „Da steckt sehr viel Arbeit und Liebe drin.“

Den Schülern schmeckt es, auch wenn einige dem Angebot vor der Umstellung durchaus nachtrauern. „Früher gab es Pizzabrötchen“,erklärt ein Mädchen. Sie vermisst durchaus Süßigkeiten. „Und heißer Toast wäre auch nicht schlecht“, meint sie. Aber sonst ist sie zufrieden mit dem, was es an der Theke gibt. So sehen das auch ihre Schulkolleginnen. Derweil ist der Kiosk schon fast ausverkauft. Die letzten belegten Semmeln gehen über die Verkaufstheke. „Guten Appetit“ wünscht Sylvia Sassenbach und bekommt ein freundliches Lächeln zurück.

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