Robert Langer
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Weil sie sich es hier nicht leisten können

Feuerwehrler prangern an: „Die hohen Mieten rasieren uns die Mitglieder weg“

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Thilo Hasenöhrl, Vize-Kommandant der Feuerwehr Vaterstetten, prangert an: Gut ausgebildete Feuerwehrler ziehen weg, „weil es sich hier keiner mehr leisten kann“.

Vaterstetten –  Um diesem Problem begegnen zu können, wären „bezahlbare“ Dienstwohnungen für Feuerwehrdienstleitende eine gute Lösung, ergänzt Kommandant Julian Kuhn. Das durchschnittliche Alter der Einsatzkräfte sei 27 Jahre, rechnet Hasenöhrl vor. „Das ist die Zeit, in der sie Familien gründen.“ Wenn sie keine Wohnung fänden, „dann sind sie weg“.

Im Blick hat Kuhn ein Gelände direkt an der Feuerwehr, das der Gemeinde gehört und auf dem bisher Container für Flüchtling stehen. Diese Unterkunft wird nun abgebaut (wir berichteten). Dort könnte sich Kuhn ein Wohnhaus mit etwa acht Einheiten vorstellen, Zwei- beziehungsweise Dreizimmerwohnungen. „Dafür gibt es auch staatliche Förderung.“

Weil immer mehr Freiwillige wegziehen: Kommandant will Gemeindewohnungen für Helfer

Hier könnte ein Wohnhaus entstehen für Feuerwehrdienstleistende – in unmittelbarer Nähe zum Feuerwehrhaus. Die Container kommen weg.

„Bessere Mieter könnte die Gemeinde gar nicht finden“, so Kuhn. Zudem würden die Ausrückzeiten bei einem Einsatz geringer, wenn die Feuerwehrler gleich neben dem Feuerwehrhaus wohnten. „Das sind Menschen, die nachts um drei Uhr ausrücken, um anderen Menschen das Leben zu retten“, sagt Hasenöhrl. Und das ehrenamtlich. „Aber die Bereitschaft, sich für die Allgemeinheit zu engagieren sinkt“, so Kuhn. Deshalb jetzt die Initiative. Entsprechende Ansätze gebe es auch in anderen Gemeinden im Münchner Umland. Und Kuhn erzählt: „Wir waren auf einem Ausflug bei der Feuerwehr St. Pölten in Österreich.“ Dort gebe es ein Haus mit 15 Wohnungen.

Feuerwehr-Kommandanten schreiben Hilferuf an drei Bürgermeister

Schon einmal hatte es diesen Vorschlag gegeben. Damals wurde auf dem Gelände von der Kommune ein Kindergarten geplant. Die Feuerwehr hatte darauf hingewiesen, wie gefährlich die Situation beispielsweise für Kinder und Eltern werden könnte, weil über die Zufahrt nicht nur die Feuerwehrfahrzeuge zum Einsatz fahren sondern auch die Rettungsfahrzeuge des Roten Kreuzes. Die Planungen wurden auf Eis gelegt.

Damals hätte die Feuerwehr zufällig von den Plänen für den Kindergarten erfahren, so Hasenöhrl. Diesmal wolle sich die Feuerwehr frühzeitig melden, „nicht dass wieder irgendwelche Pläne gemacht werden, wie beim letzten Mal.“ Deshalb hätten sich die Kommandanten auch bereits im Sommer mit einem Brief an die drei Bürgermeister gewandt. „Da geht aber nichts weiter. Das ist frustrierend.“

Der Feuerwehr geht es nicht nur um die Wohnungen. Benötigt würden zusätzliche Lagerflächen und Flächen für Übungen. Auch das BRK brauche mehr Platz. Zudem müsse man darauf reagieren, dass die Gemeinde weiter wachse.

Verständnis findet die Wehr bei Vaterstettens Bürgermeister Georg Reitsberger (Freie Wähler). Den Wohnungsplänen steht er positiv gegenüber. „Ich unterstütze das.“ Die Floriansjünger würden mit sehr wertvollem Gerät umgehen. Sie bräuchten dazu intensive Schulungen. Man sollte versuchen, solche Ausgebildeten in der Gemeinde zu halten. Auch die Platzprobleme sind dem Rathauschef bekannt. „Die Fläche ist noch bis Juni an den Landkreis verpachtet“, so Reitsberger. Danach könnte sich der Gemeinderat mit dem Thema beschäftigen.

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