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104 Jahre alt und dabei in bester Stimmung: (v. l.) Tochter Rosemarie, Enkel Thomas und Urenkelin Johanna mit Jubilarin Franziska Niedermayr (2. v. r.).

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag

Franziska Niedermayr mit 104 bester Laune

„Man muss für jeden Tag dankbar sein“, meint Franziska Niedermayr bescheiden. Die rüstige Seniorin feierte jetzt ihren 104. Geburtstag im Kreise ihrer Familie.

Vaterstetten – Franziska hatte es wahrlich nicht immer leicht im Leben: Im Ersten Weltkrieg verlor sie ihre Eltern, im Zweiten ihren Mann. Geboren und aufgewachsen in Gelsenkirchen, wurde sie mit nur fünf Jahren zur Vollwaise. Es war 1918 und niemand im Freundes- und Bekanntenkreis ihrer Eltern konnte sie aufnehmen, alle hatten genug damit zu tun, selbst irgendwie über die Runden zu kommen. So landete Franziska schließlich bei einer Pflegefamilie in Meran.

Dort ging es dem Mädchen gut, aber: „Erst kam die eigene Tochter, dann ganz lange nichts, dann erst kam das Pflegekind.“ Dennoch schwärmt sie noch heute von Meran und von den Gärten von Schloss Trautmannsdorf, in deren Nähe sie damals lebte. „Im Herzen bin ich noch immer Südtirolerin.“ Doch 1939, zu Zeiten von Mussolini, musste sie Südtirol verlassen und nach Deutschland zurückkehren. In München fand sie Arbeit als Verkäuferin und hier lernte sie auch ihren Mann Andreas kennen und lieben. Leider währte das gemeinsame Glück nur kurz: 1941 wurde geheiratet, 1943 fiel Andreas im Krieg und ließ seine Franziska mit Töchterchen Rosemarie alleine zurück.

Heute kann Franziska mit Stolz darauf zurückblicken, dass sie ihr Leben trotz aller widrigen Umstände gemeistert hat und eine große liebevolle Familie um sich hat: Sie hat zwei Enkelsöhne, sechs Urenkel und sogar eine Ururenkelin. Bis zu ihrem 102. Lebensjahr lebte sie noch allein in ihrer Wohnung in Baldham, mit 100 sagte sie: „Ich bin zu jung fürs Altenheim.“ Inzwischen musste sie doch ins Seniorenheim in Kirchseeon umziehen, nachdem sie in den letzten Jahren einige Stürze erlitten hatte. Doch gemeldet ist sie seit den 1970er Jahren noch immer in ihrer Heimatgemeinde Vaterstetten, deren zweitälteste Einwohnerin sie nun ganz offiziell ist, wie Bürgermeister Georg Reitsberger bei seinem Gratulationsbesuch verkündete.

Gefeiert wurde übrigens in Vaterstetten bei Enkel Thomas, der eigens eine Überraschungsfeier für seine Oma organisiert hatte. Es gab Leberkäs, Brezn und später eine prächtige Geburtstagstorte. Neben der Familie, die am Ort wohnt, war sogar eine Nichte aus Südtirol angereist, um Franziska zu gratulieren.

Von Susanne Edelmann

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