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Professor Harald Lesch bei seinem Vortrag in Vaterstetten, der auf großes Interesse stieß. 

Gewaltiger Andrang in Vaterstetten

2000 Kilo SUV für 20 Kilo Kind

„Das Thema Energiewende ist in Vater-stetten angekommen“, freute sich Willi Frisch vom Arbeitskreis Energiewende Vaterstetten angesichts des vollbesetzten Festsaals im Seniorenheim.

Vaterstetten – Grund für den gewaltigen Andrang war der Vortrag von Professor Harald Lesch zum Thema „Energiewende: Wenn nicht jetzt, wann dann?“

Leschs Vortrag war gewissermaßen ein Geburtstagsgeschenk für den Arbeitskreis, der heuer sein zehnjähriges Bestehen feiert. Der Physiker ging zunächst auf die Gründe des Klimawandels ein und zeigte anhand von Grafiken deren Auswirkungen: „Väterchen Frost auf der Flucht“, kommentierte er das Tauen des sibirischen Permafrosts. Die Erderwärmung, die Eisschmelze und der Meeresanstieg könnten, wenn alles so weitergehe wie bisher, fatale Folgen für rund 1,4 Milliarden Menschen haben: Städte wie Lissabon, Kopenhagen, Hongkong oder Shanghai werden im Meer versinken, weite Teile Südamerikas, Afrikas und Asiens werden aufgrund der tödlichen Hitze unbewohnbar, eine Massenflucht in moderatere Gefilde wäre die Folge. Der Temperaturanstieg vollzieht sich aber nicht nur in der Ferne: Auch in Teilen Bayerns wurden schon Anstiege von rund zwei Grad gemessen, der Grenze, die laut dem Pariser Klimaschutzabkommen nicht überschritten werden sollte.

„Wir müssen uns von einer fossilen zu einer nachhaltigen Industriegesellschaft wandeln“, forderte Lesch und zeigte auf, dass dieser Wandel umso schneller vollzogen werden müsse, je später man damit anfange. „Wir werden die Welt heute Abend nicht retten, noch nicht.“ Dazu müsse jeder Einzelne seinen Lebensstil überdenken: „Da werden 2000 Kilo SUV bewegt, um 20 Kilo Kind zur Schule zu bringen“, kritisierte er. Beim Pkw- und Flugzeugverkehr, der Ernährung und beim privaten Konsum sei ein Umdenken erforderlich.

Minutenlanger Applaus belohnte Lesch für seinen flammenden Appell, anschließend nahm sich der Professor fast eine Stunde lang Zeit für die Fragen der Zuhörer, etwa zur Entwicklung der Elektromobilität: „Es wäre schön, wenn Deutschland sich da stärker engagieren und nicht nur auf Lithium, sondern auch auf Wasserstoff setzen würde.“ Zur Geothermie sagte er: „Das würde nicht reichen, um den Energiebedarf in Deutschland zu decken.“ Ebenso klar wandte er sich gegen die Atomkraft: „Wir können die Energiewende ohne Kernkraft vollziehen, zumal die Endlagerung des Atommülls noch immer ungeklärt ist.“

Eine Zuhörerin fragte frustriert, was sich in den letzten 20 Jahren in Sachen Umweltschutz außer Reden denn überhaupt getan hätte. „Es ist sehr wohl was passiert, aber nicht genug“, so Lesch. Beispiele seien die Windkraft und Biogasanlagen. Welche Heizung er Hausbesitzern empfehlen könne, wollte eine andere Zuhörerin wissen, doch da musste Lesch passen: Das müsse man von Fall zu Fall anschauen, da könne ein Energieberater helfen. Die aktuelle Diskussion um Diesel-Fahrverbote nannte Lesch „eine große Katastrophe für unser Land.“ Dabei könnten die Klimaziele 2020 hierzulande locker erreicht werden, wenn alle Deutschen auf sparsame Kleinwagen umstiegen. Ein Zuhörer beklagte die mangelnde Infrastruktur und die bürokratischen Hürden bei Ladestationen für E-Autos. Lesch empfahl: „Werden Sie Mitglied bei Initiativen wie dem Arbeitskreis Energiewende. Je mehr mitmachen und Druck machen, umso eher passiert was.“

Nähere Infos zum Arbeitskreis Energiewende gibt es unter www.energiewende-vaterstetten.de. In den kommenden Tagen soll dort auch der komplette Vortrag von Harald Lesch hochgeladen werden.

Von Susanne Edelmann

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