Partei will örtlichen Einzelhandel stärken

Grüne: Vaterstetten verkommt zur Schlafstadt

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Die Vaterstetner Grünen wollen den örtlichen Einzelhandel stärken. Sie schlagen als Anreiz für Kunden eine „Vaterstetten-Karte“ vor, wie es sie so ähnlich in Kirchheim gibt.

Vaterstetten – Die neue Karte  soll den Besitzern in Geschäften oder Restaurants unterschiedliche Rabatte oder Vergünstigungen bringen. Nach der Diskussion zu diesem Thema im Finanzauausschuss sollen nun unterschiedliche Modelle geprüft und dann vorgestellt werden, von Karten wie dem Glonntaler bis hin zu einer lokalen Internetplattform, wie es sie z. B. in der Stadt Günzburg gibt.

Grünen-Fraktionssprecher Axel Weingärtner wies auf die Situation in der Großgemeinde hin. Immer wieder stünden Geschäfte leer. Ein Beispiel dieser „verhängnisvollen Entwicklung“ sei die Parfümerie am Vaterstettener Bahnhofsplatz. „Soll Vaterstetten nicht zu einer reinen Schlafstadt verkommen, muss der Einzelhandel verschiedener Branchen in unserer Gemeinde Platz haben und gefördert werden“, sagte Weingärtner. Die Möglichkeit von fußläufigem Einkaufen sei vor allem für ältere Leute wichtig. Die Kompetenzen von Kindern würden gefördert, wenn sie mit ihrem Taschengeld einkaufen. Viele Menschen versorgten sich inzwischen weitgehend über Onlinehändler. Diese Entwicklung sei Gift für eine lebendige Gemeinde. Und: „Jeder kleine Laden zahlt mehr Steuern als ein Weltunternehmen wie Amazon.“

„Der Antrag hat seine Berechtigung“, meinte Vater-stettens Wirtschaftsförderer Georg Kast. Den Zustand den Weingärtner beim Einzelhandel beschreibe, sei zutreffend. In den vergangenen 15 Jahren habe man bedauerlicherweise den Umbau von Einzelhandelsflächen zu Dienstleistern erlebt. Die Einführung einer Rabattkarte sieht Kast jedoch skeptisch. Die Rechnung zahle am Ende immer der Händler. Die Akzeptanz auf der Kundenseite sei eher gering. Möglichkeiten sieht Kast jedoch für ein „Gutscheinsystem“. Er verwies aber auch hier auf entstehende Kosten. Wirtschaftsförderung gebe es eben nicht zum Nulltarif, fügte er an.

Orientiert am Beispiel Kirchheim geht Gemeinde-Kämmerer Markus Porombka für Vaterstetten von etwa 500 zusätzlichen Arbeitsstunden in der Verwaltung pro Jahr aus. „Das können wir mit der jetzigen Belegschaft nicht leisten“, meinte er. Folge: Zusätzliche Personalkosten von rund 15 000 Euro. Diese weitere Stelle in der Rathaus-Verwaltung lehnte Renate Will (FDP) grundsätzlich ab.

SPD-Fraktionssprecher Josef Mittermeier gegrüßte den Ansatz. Aber: „Wir leben in einer Marktwirtschaft.“ Es hänge auch von den Händlern selbst ab, ob sie Geschäfte machten. Wichtig sei, dass sie Eigeninitiative entwickelten. Die Kosten und der Aufwand für die Gemeinde sollten so niedrig wie möglich gehalten werden. Und dann habe Vaterstetten ja auch einen Gewerbeverband.

„Die Idee ist gut, aber nicht umsetzbar“, so die Reaktion von Gemeinderat Michelino Capezzuto-Zehetmeier (CSU), der selbst auch Mitglied im Vorstand des Gewerbeverbandes ist. Er habe Projekte erlebt, die nach einiger Zeit wieder versandet seien. Wenn der Verband Leute einlade, dann komme am Ende niemand.

Wolfgang Schermann (Freie Wähler) meinte: „Es ist sehr löblich, dass die Grünen die Einzelhandelsgeschäfte fördern wollen.“ Aber das könne jeder Einzelne auch selber machen, „in dem er vor Ort einkauft“.

Es stehe außer Frage, „dass die Gewerbetreibenden selber etwas tun“, meinte Weingärtner zum Schluss der neuerlichen Debatte. „Wir wollen nur unterstützen, nicht deren Arbeit machen.“ Aber wenn dann niemand komme, dann sei das eben so.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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