Konzertsaal
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Die Rathauskonzerte Vaterstetten finden wegen Corona im Kleinen Theater in Haar statt. Zuletzt trugen Sven Faller und August Zirner (re.) „Transatlantische Geschichten“ vor. 

Trotz Corona

Ja, die Rathauskonzerte Vaterstetten gibt es noch - aber nur für Abonnenten

  • Armin Rösl
    vonArmin Rösl
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Kurt Schneeweis, Intendant der Rathauskonzerte Vaterstetten, sagt: „Wir sind noch nicht tot.“ Den lebendigen Beweis geben die Veranstaltungen in Corona-Zeiten.

Wegen des eingeschränkten Sitzplatzkontingents gibt es derzeit für die Vaterstettener Rathauskonzerte keinen Kartenvorverkauf und keine Abendkasse. Zu den Veranstaltungen sind lediglich Abonnenten zugelassen, informiert der künstlerische Leiter Kurt Schneeweis. Um die Corona-Regeln einhalten zu können, sind die Abo-Konzerte ins Kleine Theater Haar umgezogen. Dort fand am Sonntag die dritte Veranstaltung nach der Corona-Zwangspause und zugleich das 8. Abonnementkonzert statt: „Transatlantische Geschichten“, vorgetragen von August Zirner und Sven Faller.

Sven Faller (li.) und August Zirner.

Beide verbindet ein wundersames Band biographischer Analogien. Während der junge Amerikaner August Zirner vor dem Vietnamkrieg nach Österreich flieht – das Land, das seine Eltern auf der Flucht vor den Nazis verlassen hatten – und dort eine große Karriere als Schauspieler beginnt, zieht es den jungen Deutschen Sven Faller, von der amerikanischen Kultur beseelt, nach New York, um sich dort einen Namen als Musiker zu mache. Der jüdische Verlobte seiner Großmutter hatte 1938 den gleichen Weg angetreten und kehrte erst über 30 Jahre später zurück, um sein Eheversprechen einzulösen.

Humor und Tiefgang zugleich

Diese und andere transatlantische Geschichten über den Mythos der deutschen Autobahn, einen deutschen Wandervogel in Hollywood und Reisen nach außen wie innen spinnen Zirner und Faller mit Humor und Tiefgang zu einem kurzweiligen Programm. Der spannende musikalische Dialog von Flöte und Kontrabass führt die Geschichten munter fort. Spielerisch beleben Zirner und Faller dabei die Jazzgeschichte von Gershwins „Summertime“ über Duke Ellington und Miles Davis zu Brubecks „Take Five“ auf kammermusikalische Art neu.

Grimme-Preisträger August Zirner auf der Bühne

Der Schauspieler und Grimme-Preisträger August Zirner ist einem breiten Publikum aus über 120 Kino- und Fernsehfilmen vertraut, unter anderem aus dem Oscar-prämierten Film „Die Fälscher“. Acht Jahre war er Ensemble-Mitglied der Münchner Kammerspiele. Zahlreiche Gastspiele führten ihn an die wichtigsten deutschsprachigen Theater, darunter das Wiener Burgtheater, das Theater in der Josefstadt und die Salzburger Festspiele. Er arbeitete mit Regisseuren wie Peter Stein, Luc Bondy, Volker Schlöndorff, Margarethe von Trotta, Franz Xaver Bogner und Rainer Kaufmann.

Mit seinem melodischen Stil auf dem Kontrabass hat sich Sven Faller international einen Namen gemacht. Viele Jahre lebte und arbeitete er in New York und stand in seiner bisherigen Karriere mit Künstlern wie Larry Coryell, Konstantin Wecker, Pippo Polina, Philip Catherine, Ulf Wakenius, Georg Ringsgwandl auf der Bühne. Mit seinem Album „Night Music“ und dem gleichnamigen Buch hat er sich nicht nur als Komponist, sondern auch als Autor und Geschichtenerzähler etabliert.

August Zirner und Sven Faller auf der Bühne zu erleben, ist ein Hochgenuss. Den am Sonntag zwar lediglich die Abonnenten der Rathauskonzerte Vaterstetten erleben durften, aber immerhin: „Wir sind noch nicht tot“, sagt Intendant Kurt Schneeweis über die Rathauskonzerte in Corona-Zeiten.

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