+
Viele Informationen will Vaterstettens Archivarin Ulrike Flitner zusammentragen.

Gemeindearchivarin trägt Material zusammen

Kriegsspurensuche in Vaterstetten

  • schließen

Geschichte lebendig machen will die Leiterin des Vaterstettener Gemeindearchivs Ulrike Flitner. Mehrere Denkmäler im Ort weisen auf den Ersten Weltkrieg hin, der 1918 zu Ende ging. An die Ereignisse vor 100 Jahren und vor allem an die Schicksale der Menschen will die Archivarin erinnern und ist derzeit dazu auf Spurensuche.

Von Robert Langer

Vaterstetten – Im kommenden Jahr könnte zu den gesammelten Erinnerungen dann eine Broschüre erscheinen. „Wir sollten uns auch ins Bewusstsein rufen, dass wir jetzt schon sehr lange ohne Krieg in Frieden leben. Darum beneiden uns Menschen in anderen Ländern.“

„Wir haben über diese Zeit vor hundert Jahren sehr wenig im Archiv und auch die Kriegervereine haben nichts“, erzählt Flitner. Deshalb hofft die Archivarin auf Unterstützung aus der Bevölkerung. Mehr erfahren will Flitner über die Männer, deren Namen auf den Denkmälern eingetragen sind. Dazu ist sie auch auf der Suche nach Bildern. „Üblicherweise wurden fotografiert, wenn die Männer eingezogen wurden.“ Einiges an Informationen brachten bereits Recherchen im Staatsarchiv und im Militärarchiv in München.

Darstellen will Flitner auch, wie es der Bevölkerung in den Dörfern ging, vor allem den Frauen, während die Männer an der Front waren. Die Situation auf den Bauernhöfen müsse schwierige gewesen sein, weil die Arbeitskräfte fehlten. Da konnten die Felder nicht abgeerntet werden. Die Kriegsbegeisterung sei in den Städten wohl groß gewesen, so Flitner. „Auch bei den Intellektuellen, die es eigentlich besser hätten wissen müssen.“ Auf dem Land sei es aber anders gewesen. Dokumentieren möchte Flitner, wie es in den Familien weiter ging, wenn die Männer Soldaten waren. Im Zweiten Weltkrieg seien Zwangsarbeiter auch in der Landwirtschaft eingesetzt worden. Im Ersten Weltkrieg habe es das nicht gegeben. „Die Bäuerinnen haben wohl auch schnell wieder geheiratet, wenn ihr Ehemann gefallen war, um den Hof halten zu können. Sie hatten Kinder und Schwiegereltern. Das war bestimmt nicht einfach. Damals hatten die Frauen auch nicht die Rechte, die sie heute haben.“

Die Spurensuche gestaltet sich in Bezug auf die einzelnen Schicksale teilweise schwierig. Manchmal seien nämlich die Namen auf den Denkmälern falsch geschrieben, so Flitner. Wenn es sich um alteingesessene Familien handle, gebe es Informationen. „Manchmal waren es aber auch Männer, die zugezogen waren.“ Unterstützt wird die Archivarin von Brigitte Beyer vom Standesamt der Gemeinde.

Viel zu erzählen gibt es auch über die Denkmäler. Die Erinnerungsstätte in Vaterstetten wurde 1927 eingeweiht. Mir dabei war damals der bekannte Pater Rupert Mayer. Überliefert ist auch, dass es heftige Diskussion um einen Kanal auf dem Grundstück gab, auf dem das Denkmal stand. Der Kanal, der wohl auch der Versorgung mit Löschwasser für den Ort diente, sollte verlegt werden. Aber die Gemeinde hatte dafür kein Geld. Der Streit wurde vor Gericht ausgetragen. Das Verfahren dauerte laut Flitner mehrere Jahre.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Aus die Maus!
Es war der allerallerletzte Schultag in der Grundschule Karl-Sittler-Straße: Nachdem die „normalen“ Schüler ihre Zeugnisse erhalten haben, durften am Freitag ehemalige …
Aus die Maus!
Arzt vor den Scherben seiner Existenz
Er steht jetzt vor den Scherben seiner Existenz: Am Amtsgericht Ebersberg wurde ein 60-jähriger Arzt aus dem Landkreis Ebersberg wegen gewerbsmäßign Betruges in 16 …
Arzt vor den Scherben seiner Existenz
Maria Magdalena aus Zorneding
Maria Magdalena ist wirklich ein kleiner Sonnenschein. Selbst wenn sie schläft, strahlt sie so viel Wärme und Liebe aus. Das niedliche Mädchen ist nach Constantin Adrian …
Maria Magdalena aus Zorneding
Bürgermeister will Luxus-Klo für Zornedinger Bahnhof
Schon lange wird über eine öffentliche Toilette am Zornedinger Bahnhof nachgedacht. Jetzt stieß Bürgermeister Piet Mayr mit seinem teuren Vorschlag allerdings auf taube …
Bürgermeister will Luxus-Klo für Zornedinger Bahnhof

Kommentare