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Funkamateure Vaterstetten: Krisenfest im Katastrophenfall

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Von: Robert Langer

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Gerüstet für den Notfall: Manfred Lauterborn am Einsatzschrank.
Gerüstet für den Notfall: Manfred Lauterborn am Einsatzschrank. © sro

Wenn im Katastrophenfall fast nichts mehr geht, können Funkamateure immer noch Kontakt halten. Dazu bauen Ehrenamtliche in Vaterstetten die Technik aus.

Vaterstetten – Auch wenn der Strom ausfällt, Handy und Internet nicht mehr funktionieren und die Rettungsdienste überlastet sind, gibt es noch eine traditionsreiche Alternative, die jetzt wieder ausgebaut wird: die Funkamateure. Ein Baustein davon steht im Offenen Haus der Arbeiterwohlfahrt (OHA) Vaterstetten, früher Jugendzentrum, im Keller in einem schmalen grauen Schrank. Enthalten darin, einfach erklärt, Verstärker und darunter Batterien, um die Anlage 72 Stunden am Laufen zu halten.

Lernen aus Notsituationen

„Die Hochwasserkatastrophe im Ahrtal hat gezeigt, wie schnell Mobilfunknetze und das Internet mit schrecklichen Folgen für das Rettungsgeschehen zusammenbrechen können.“ Das sagt Janine Lüdke (56). Sie ist Notfunkreferentin im Ortsverband Vaterstetten der Deutschen Funkamateure. Rund ein Dutzend Mitglieder umfasst das Team. Sie sind speziell ausgebildet und brauchen die amtliche Zulassung als Funkamateur, die es erst nach einer Prüfung gibt. „Ich selbst habe einen Notfallkoffer im Auto“, sagt Lüdke, beruflich in der Computerbranche tätig. Im Koffer sind Handfunkgeräte und verschiedene Batteriesätze. Damit sind die Helfer mobil.

Notfallkoffer im Auto

Das Problem: Die kleinen Geräte haben nur eine geringe Reichweite. Dazu gibt es aber für die Umgebung von Vaterstetten die neue Relaisstation im OHA. Die Signale der Handgeräte werden aufgefangen, verstärkt und weiter geleitet, beispielsweise zum örtlichen Rathaus oder zum Landratsamt Ebersberg. Dort müsse dann aber auch ein Funkamateur sitzen und die Meldungen in Empfang nehmen, erklärt Manfred Lauterborn (66), Vorsitzender des Distrikts Oberbayern des Deutschen Amateur Radio Clubs und Chef des Ortsverbandes Vaterstetten.

Hilfe für Helfer

Die Funkamateure sehen sich im Notfall als zusätzliche Hilfe, als Ergänzung. „Wir werden nur tätig, wenn wir offiziell angefordert werden“, sagt Lauterborn. Es gibt eine Kooperation mit dem THW und dem Land Bayern. Eine Aufgabe könnte auch die Information der Bevölkerung sein. „Früher gab es dazu Lautsprecherwagen“, so Lauterborn.

Verstärker im Keller

„Die für den krisenfesten Notfunk erforderliche Technik kann man nicht als Paket von der Stange kaufen, da braucht es ein gerüttelt Maß an technischem Sachverstand und funkerischem Können“, betont Lüdke. „Beides ist bei den Vaterstettener Funkamateuren vorhanden.“ Der Verein hatte erst kürzlich die Clubmeisterschaft des bundesdeutschen Verbandes mit mehr als tausend Ortsverbänden gewonnen (wir berichteten).

Kinder für Technik begeistern

Eigentlich ist der OHA-Kellerraum schon seit vielen Jahren das Clubzimmer des Vereins. Hier wird Kindern und Jugendlichen spielerisch Elektronik vermittelt. Von hier aus wird auch fast in die ganze Welt gefunkt. Dazu gibt es verschiedene Antennen auf dem Dach des Hauses. Nun steht dort auch im Keller die Relaisstation für den Notfunk. „Wir sind noch nicht ganz fertig“, sagt Lauterborn. „Doch es funktioniert schon.“ Teile der Anlage können abgeschaltet werden, um Strom zu sparen, bis nur noch das unbedingt notwendige Gerät in Betrieb ist. Im Raum muss im Ernstfall zunächst niemand sein, um die Anlage zu betreuen. Wenn aber die 72-Stunden-Frist der Batterien abläuft, deren Maximalnutzungsdauer erreicht ist, dann müsste zur weiteren Energieversorgung ein Notstromaggregat angeschlossen werden.

Externer Energieversorger

Die Möglichkeit dazu ist bereits eingerichtet. Aber das Aggregat selbst müsste erst noch aus einem Schuppen geholt werden. Die Vaterstettener planen noch an einer weiteren Lösung, an einer mobilen Relaisstation auf einem Anhänger. Den könnte man dann auf einen höheren Punkt in der Umgebung stellen, um die Reichweite zu erhöhen.

Kosten trägt der Verein - Viel selbst gebaut

Gekostet hat die Relaisstation bisher rund 5000 Euro, bezahlt vom Verein. „Wir haben viele Geräte selbst gebaut“, sagt Lauterborn.

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