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Alles legal: Schilder verweisen auf Firmen, die in Hergolding teilweise in ehemaligen landwirtschaftlichen Gebäuden untergebracht sind. Daran entzündete sich jetzt Kritik.

Landwirtschaft: Halle im Außenbereich

Hergoldinger Karotten-Streit

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Es geht um hochwertiges Gemüse für einen namhaften Hersteller von Babynahrung. Ein Hergoldinger Landwirt baut entsprechende Karotten an, braucht aber zur Zwischenlagerung eine Halle, die im Außenbereich gebaut werden soll. Darüber gibt es es jetzt Streit. 

Hergolding– Der Appell von Bürgermeister Georg Reitsberger (Freie Wähler) war deutlich: Es gehe schließlich um gesunde Babynahrung. Und um das Gemüse dafür in der notwendigen Qualität liefern zu können, brauche der Landwirt die beantragte Lagerhalle. Das wurde jedoch nicht von allen Mitgliedern des Bauausschusses so gesehen. Von Missbrauch der Privilegierung der Landwirtschaft war sogar die Rede.

Hintergrund: Im Bauausschuss ging um den Antrag eines Hergoldinger Landwirts. Er will an der Straße zwischen Weißenfeld und Wolfesing nahe der Purfinger Kreuzung eine Mehrzweckhalle bauen, 70 Meter lang, inklusive Vordach 27 Meter breit, mit einer Wandhöhe von rund siebeneinhalb Metern und einer Firsthöhe von 10,73 Metern. Gelagert werden dort unter anderem Karotten, die der Landwirt auf einer Fläche von rund zwölf Hektar anbaut. Beliefert wird mit dem Gemüse ein namhafter deutscher Hersteller für Babynahrung, der intensiv mit seiner Qualität wirbt. Für die gelieferten Karotten aus kontrolliertem Anbau gelten deshalb auch strenge Vorgaben. Um die erfüllen zu können, ist unter anderem ein Kühlraum notwendig, der in der neuen Halle untergebracht werden soll. Zudem soll in der Halle auch Raum für eine Waage und für Maschinen sein.

Der Bauplatz liegt direkt neben der vom Landwirt ebenfalls betriebenen Kompostieranlage. Deshalb betonte Bauamtsleiterin Brigitte Littke in der Sitzung: „Das ist nicht eine Fläche in der grünen Landschaft“. Klar ist jedoch auch: Das Gelände befindet sich im Außenbereich. Dort ist Bauen eigentlich untersagt. Für die Landwirtschaft gibt es jedoch spezielle Regelung, nämlich eine „Privilegierung“ bestimmter Vorhaben. Die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt spricht zwar bei diesem Projekt von einem „erheblichen Eingriff“. Dem vorgeschlagenen Standort könne jedoch auch wegen der Privilegierung zugestimmt werden.

Im Bauausschuss regte sich dennoch Widerstand. Herbert Uhl (Freie Wähler) meinte: „Ich habe nichts gegen die Privilegierung.“ Jedoch seien in Hergolding landwirtschaftliche Hallen vor Jahren umfunktioniert worden, mit dem Argument, man brauche sie nicht. Und jetzt wolle man im Außenbereich neu bauen. „Ich halte dieses Vorgehen für Missbrauch.“

Ähnlich argumentierte auch Manfred Schmidt (FBU/AfD). Nach seiner Sicht diene die Privilegierung zudem der Zersiedlung der Landschaft. Und dabei würden die Scheunen um die bestehenden Höfe jetzt gewerblich genutzt. Man habe den Hergoldingern mit einem Bebauungsplan „großzügig“ Baurecht eingeräumt. Will heißen: Damit haben man die Gewerbenutzung auf den Höfen legalisiert.

Littke konterte, auch das Landwirtschaftsamt habe festgestellt, dass die Hallen im Innenbereich, also an den Höfen, für die geplante Nutzung nicht geeignet seien. Und seitens des Landwirts hieß gegenüber der EZ, unter den Gebäuden an den Höfen lägen teilweise Gewölbe. Da könne man mit dem notwendigen schweren Gerät nicht drüber fahren. Die geplante Kühlanlage mache zudem Lärm, was Konflikte mit der anderen Bebauung ergeben könnte.

Eine deutliche Reaktion auf die Kritik kam von Stefan Huber (CSU). Er bezeichnete die Debatte als „interessant, aber völlig sinnfrei“. Der vorliegende Antrag sei „völlig rechtskonform“. Er sei froh, dass die „Landwirtschaft bei uns funktioniert“, so Huber. Wenn man derartige Projekte nicht mehr genehmige, würde das „automatisch das Aus der Landwirtschaft in unserer Gemeinde bedeuten.“

Albert Wirth (CSU) verwies noch auf einen weiteren Aspekt. Die Umsetzung des Projektes bedeute einen erheblichen finanziellen Aufwand. Der Landwirt werde das selbst nicht mehr abbezahlen können. Aber die Investition sei die Grundlage für die Kinder, später auch noch Landwirtschaft betreiben zu können.

Der Ausschuss stimmte dem Projekt schließlich mit breiter Mehrheit zu. 

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