So könnte der Radschnellweg entlang der B304 (hier in der Gemeinde Haar) einmal aussehen.  Grafik: Gemeinde Haar
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So könnte der Radschnellweg entlang der B304 (hier in der Gemeinde Haar) einmal aussehen.

Bürgermeister stellen erste Pläne vor

Radweg auf Stelzen: Gemeinden wollen Schnellverbindung von Vaterstetten nach Trudering - „Sinnlose Geldverschwendung“?

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Wenn die drei Bürgermeister das durchsetzen, gleicht es einer Sensation: Zwischen Vaterstetten und Trudering soll ein Radschnellweg gebaut werden - zum großen Teil auf Stelzen.

Update vom 11. November 2020: Kreative Idee oder teures Wolkenkuckucksheim? Über einen möglichen Fahrradschnellweg auf Stelzen von Vaterstetten nach München wird kontrovers diskutiert. Die CSU-Stadtratsfraktion fordert nun eine Machbarkeitsstudie für diese Verbindung. München sollte diese gemeinsam mit den Gemeinden Haar, Grasbrunn und Vaterstetten in Auftrag geben. Stadtrat Sebastian Schall sagt: „Ein Radl-Schnellweg vom Osten in die Stadt könnte Pendlern eine echte Alternative zum Auto bieten.“ Eine dreidimensionale Lösung auf Stelzen habe den Vorteil, dass der vorhandene Straßenraum kaum beschnitten werden muss. Die CSU-Politiker Stefan Ziegler (Vorsitzender des Bezirksausschusses Trudering-Riem), Leonhard Spitzauer (Bürgermeister von Vaterstetten) und Andreas Bukowski (Bürgermeister von Haar) hatten diese Idee ins Spiel gebracht.

Kritik kommt von SPD und Grünen. Andreas Schuster, verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, hält den aufgeständerten Weg für eine „sinnlose Geldverschwendung“. Auch die Grünen aus Trudering, Haar, Grasbrunn und Vaterstetten sprechen von einer „CSU-Luftnummer“. Für sinnvoller halten sie einen Radschnellweg entlang der Bahnstrecke mit einer Brücke über die B471. Dies wäre „eine pragmatische, finanzierbare und zeitnahe Lösung“, teilen die Grünen mit. Zudem plädieren SPD und Grüne für eine Tramlinie 21 von Berg am Laim entlang der Wasserburger Landstraße über Trudering nach Haar.

Radweg auf Stelzen: Gemeinden wollen Schnellverbindung von Vaterstetten nach Trudering realisieren

Meldung vom 5. November 2020: Vaterstetten – In interkommunaler Zusammenarbeit zwischen Vaterstetten, Haar und Trudering soll ein Radschnellweg entstehen: schnell, barrierefrei und sicher. Der RS 304 ist noch eine Vision, aber geboren aus dem Drang, eine echte Alternative pro Rad zu präsentieren.

Wie der Radschnellweg entlang der B 304 in Höhe der Münchner Straße aussehen könnte, hat durchaus visionären Charakter. Er geht in die dritte Dimension, nämlich in die Höhe. Für Stefan Ziegler (CSU), Vorsitzender des Bezirksausschusses Trudering-Riem, Leonhard Spitzauer (CSU), Vaterstettens Bürgermeister, und den Haarer Rathauschef Andreas Bukowski (CSU) ist das die sinnvollste Weise, um einen ihre Kommunen verbindenden Radschnellweg zu realisieren: Aufgeständert auf einer leichten Holzbauweise könnte das etwa auf Haarer Gebiet auf dem grünen Mittelstreifen zwischen den Auto-Fahrbahnen sein.

Bestehender Radweg mit zu vielen Hindernissen

„Das muss er jedoch nicht immer“, betonte Leonhard Spitzbauer. „Wenn er durchgeht auf den elf Kilometern, dann wäre es weltweit der längste aufgeständerte Radschnellweg.“ Die Strecke könne auch über den bestehenden Radweg geführt werden, dort, wo es möglich ist. Denn dieser weist zum Teil erhebliche Mängel auf, um als eine wirkliche attraktive Alternative zum Tragen zu kommen: von zu schlechter Qualität oder gänzlich unbefestigt, mit zu vielen Ausfahrten, Kreuzungen und Ampeln, die ein sicheres und schnelles Fortkommen verhindern. Auf vielen Streckenabschnitten müssten sich Auto und Rad die Straße teilen, „das ist nicht sicher“, so Bukowski.

Begrenzter Raum soll sinnvoll genutzt werden

Covid-19 hat dem Rad als Verkehrsmittel einen großen Schub verliehen, diesen gilt es, so der Haarer Rathauschef, nun zu nutzen und weiter voran zu treiben. „Indem man den begrenzten Straßenraum intelligent ausnutzt, die Gleichwertigkeit der Verkehrsmittel gewährleistet und nicht die Arten der Mobilität gegeneinander ausspielt“, betonte Ziegler. Für Bukowski ist jedoch klar, dass der Klimaschutz nur gelingt, wenn große Veränderungen im Mobilitätsmix entstehen und man mit echten Alternativen statt mit Verboten arbeitet. Es sollen auch keine Grünflächen geopfert werden oder gar neue Schneisen geschlagen werden.

Dass der Radschnellweg unter Umständen das Aus für eine Verlängerung der Trambahn bedeute, ist dem Trio Bukowski, Ziegler und Spitzauer bewusst. Eine Tram parallel zur S- und U-Bahn macht keinen Sinn, das sieht auch der Münchner Stadtrat so. Die Wasserburger Landstraße sei zwar breit, „will man hier jedoch Gleise einsetzen, dann muss bei den Fußgängern oder dem Autoverkehr beschnitten werden. Die Konsequenz ist eine zweispurige Auto-Fahrbahn und das ist nicht das Ziel“, so Spitzauer. Eine bessere Taktung von Bahn und Bus in Kombination mit einem Radschnellweg „wäre in meinen Augen der richtige Weg.“

Verbündete und Partner müssen noch gesucht werden

Dass es noch ein weiter Weg bis zum Radschnellweg „RS 304“ ist, ist allen drei Politikern klar. Ebenso, dass sie Verbündete und Partner brauchen, die sie nun in der eigenen Bürgerschaft, in der Nordallianz München-Ost, aber auch der Stadt München sowie den Kreistagen Münchens und Ebersbergs bis hin zum bayerischen oder Bundes-Verkehrsministerium suchen werden. Ebenso steht ein Besuch der Nachbargemeinden Grasbrunn und Zorneding ebenso auf dem Programm, die von dem RS 304 profitieren können, wie auch die Einbindung der Bürger, denn sie sind ja die Zielgruppe. „Alle, die gerne in der Freizeit radeln oder das Rad zum Pendeln zur Arbeit nutzen“, so Bukowski.

Machbarkeitsstudie soll folgen

In den Gesprächen mit den ortsansässigen Firmen komme stets das Thema Verkehr und vor allem eine schnelle Radverbindung auf den Tisch. Auch die eigenen kommunalen Gremien müssen ihre Zustimmung geben, eine Machbarkeitsstudie, die dann Detailfragen klärt und sich mit einzelnen Knotenpunkten auseinandersetzt, soll folgen. „Dennoch wollten wir vorab hier einen Startschuss geben, dass nicht mehr nur geredet, sondern auch gehandelt wird“, so Spitzauer. „Das Ziel ist eine schnelle Radverbindung.“ Wer andere Lösungen vorschlägt, wie er sich eine Alternative zum Umstieg auf das Rad vorstellt, sei herzlich willkommen, „aber wir fordern dann auch Konkretes ein“, so Bukowski. - Sabrina Brosch

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