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Therapie mit Garten: Stefanie Hermann von der Nachbarschaftshilfe Vaterstetten. 

Nachbarschaftshilfe

Wie Äpfel zu Türöffnern werden

Die neue Tagespflege-Einrichtung der Nachbarschaftshilfe Vater-stetten (NBH) liegt im Grunen.  Dort, wo jetzt noch blanke Rasenflache ist, soll bald in Zusammenarbeit mit den Tagespflege-Gästen ein interessanter Garten entstehen. Das Konzept dafür hat Stefanie Hermann erarbeitet. Sie ist Gartenarchitektin und Gartentherapeutin. Wir sprachen mit ihr.

Wie können ältere Tagespflege-Gaste mit Handicaps einen Garten anlegen?

Es geht nicht darum, dass die Herrschaften anstrengende Gartenarbeit machen. Vielmehr dürfen sie beobachten und begleiten. Wenn die Gäste in das Entstehen des Gartens mit einbezogen werden, haben sie größeres Interesse etwa an der Entwicklung der Pflanzen, als wenn ihnen alles schon fertig eingepflanzt begegnet.

Sie haben gerade eine Gartentherapiestunde mit den Gästen verbracht. Worum ging es heute?

Es ist Anfang Juli, die Zeit um den Sommeranfang. Wir haben unter anderem über die Sonnenwende gesprochen, über Johannisfeuer, über Glühwürmchen. Ein Gast erzählte dann, dass er sehr früh in der Nacht aufgewacht ist und schon einige Vögel hat zwitschern hören. Ein anderer Teilnehmer des Gesprächs stellte in der Runde fest, dass die Maispflanzen auf den Ackern sehr schnell gewachsen sind. Das sind bemerkenswerte Statements, weil so über das Bewusstsein der Jahreszeit eine Orientierung in der Zeit vermittelt wird. Das ist besonders für demenziell Erkrankte sehr wichtig.

Ist Ihre Gartentherapie ein reiner Gesprächskreis?

Wir haben heute auch einen großen Kübel mit Erde befüllt und Ringelblumen-, Borretsch-Pflänzchen und Gladiolen-Knollen, eine späte Sorte, eingesetzt. Jetzt haben die Gäste die Aufgabe zu gießen und zu beobachten. Für viele ist das eine spannende Sache. Und es war eine animierende Aktion, weil es Motorik, Konzentration und Kommunikation angeregt hat. Gerade Blumen und Blüten mit ihren Düften sind biografische Elemente. Sie können Erinnerungen, Geschichten und manchmal auch ein Lächeln entlocken. Das ist individuell sehr verschieden.

Bringen Sie den Gästen manchmal Blumen mit?

Ja, manchmal auch etwas aus meinem eigenen Garten. Kürzlich haben wir aus einem Wiesenblumenstrauß dekorative Fensterbilder gebastelt. Einige hängen in der Einrichtung. Einige haben die Gäste auch mit nach Hause genommen. Vielleicht bringe ich auch bald Äpfel von unseren Baumen daheim mit – selbst gepflückt. Viele Senioren erinnern sich gern an eigene Garten und Obsternten als Kind. Dann sind die Äpfel quasi Türöffner in die Vergangenheit.

Ist ein Garten in einer Tagespflege-Einrichtung Standard?

Nein. Das Areal der NBH-Tagespflege in Baldham ist sehr großzugig und bietet Platz für interessante Elemente. Ein solcher Garten ist zu jeder Jahreszeit ein Gewinn für die Gäste.  ez

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