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Die Türe ist auf: Vaterstettens Jugendpflegerin Martha Golombek freut sich auf viele Besucher.

Eigeninitiative gefragt

Neuer Jugendraum in Vaterstetten: Hereinspaziert!

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Die Jugend in Vaterstetten erhält einen neuen Treffpunkt - noch dazu einen, den sie selbst mitgestalten kann.

Vaterstetten – Geplant war der Raum auf der Kellerebene mit einer vorgelagerten Abböschung als Ort der Begegnung für die Mieter der Gemeindewohnungen. Genutzt wurde er nie so richtig. Jetzt aber ist dort neues Leben, eine Anlaufstelle und ein Treffpunkt für die Jugend. Große Fenstertüren lassen Licht herein. Gleich gegenüber, auf der anderen Straßenseite, ist als Anknüpfungspunkt das Offene Haus der Arbeiterwohlfahrt, in unmittelbarer Nähe des Treffpunkts, quasi als Landmarke, die Allauch-Windmühle, eine Symbol der Städtepartnerschaft mit den Freunden in der Provence.

„Die Freiheit zu haben, hier etwas Eigenes aufzuziehen zu können, da bin ich schon froh“, sagt Vaterstettens Jugendpflegerin Martha Golombek. Die Jugendlichen sollen bei der Gestaltung des rund 100 Quadratmeter großen Raumes einbezogen worden. Die Wände sind mit naturbelassenen Pressspanplatten verkleidet. „Ich kenne da eine Gruppe, die sprayt“, erzählt die Sozialpädagogin. Vorher müsse sie jedoch mit jemanden vom Gebäudemanagement im Rathaus reden. Es gehe um die Frage, wie die Holzwände behandelt werden müssen, damit die Farbe hält. Auch die Außenmauer sei nicht unbedingt schön. Da könne man sich ebenfalls etwas einfallen lassen.

Der Raum im Eigentum der Gemeinde sei „blöd gelegen“, sagt Vizebürgermeister Martin Wagner bei einer Besichtigung. Man habe ihn einige Zeit ganz einfach vergessen und durch Zufall „wiederentdeckt“. Erschlossen sei er vom Haus beziehungsweise von den Wohnungen aus nur über lange Gänge. Man habe sich verschiedene Nutzungen überlegt, unter anderem für die Kinderbetreuung. Doch das schied nach intensiverer Prüfung aus. Möglich erschien, den Platz für das Archiv zu nutzen. „Für ältere Menschen waren die Räume aber schwierig zu erreichen“, sagt Wagner.

Dann meldet Martha Golombek Bedarf an. Das war zur Zeit der Diskussion um den Baldhamer Wasserpark im Wohngebiet. Dort trafen sich junge Leute. Die Anwohner beschwerten sich unter anderem wegen Ruhestörung. Die Jugendlichen schlossen sich zur Baldhamer Jugend zusammen, versuchten auf ihre Bedürfnisse aufmerksam zu machen, fragten nach einem Treffpunkt, an dem sie niemanden störten. Derzeit sind sie dabei, einen Verein zu gründen. „Die Satzung haben sei hier in den neuen Räumen ausgearbeitet“, sagt Golombek.

Eine Metalltreppe mit Gitterstufen wurde in die Böschung gesetzt, um die langen Gänge zu vermeiden. Der Zugang über die Fenstertüren ist allerdings etwas eng. Auch die Einrichtung ist noch sehr karg: Ein orangefarbenes Sofa, ein wackeliger runder Tisch, ein paar Stühle. Die Büromöbel sehen fast neu aus. Sie wurden von einer Grasbrunner Firma aus dem Medizinbereich gespendet, die ihre Räume umgestaltet hat. „Den Kühlschrank habe ich von einer Freundin“, erzählt Golombek. „Wir bräuchten noch einen Kicker, einen Teppich, Dartscheiben und Spiele.“ Es müsse nicht alles zusammenpassen. Bei Jugendlichen sei der „Patchwork-Stil“ angesagt.

Der Raum sei gut gelegen, erklärt Golombek. Gegenüber ist das Sportgelände, die neue Mittelschule werde in der Nähe gebaut. „Hier können Jugendliche herkommen, die sich nicht über die Schwelle des Rathauses trauten. Natürlich ersetzt der Raum kein Jugendzentrum“, räumt die Sozialpädagogin ein. „Aber er sei eine Anlaufstelle.“

Jeden Montag ist Golombek nicht im Rathaus, sondern in diesem neuen Büro erreichbar. „Da kann jeder kommen.“ Offizielle Jugendsprechstunde ist am Donnerstag ab 16 Uhr. Allerdings werde der Raum um 20 Uhr geschlossen. „Wir wollen die Anlieger nicht stören“,erklärt die Jugendpflegerin. „Die Öffnungstage können ausgeweitet werden, je nachdem wie es angenommen wird.“ Im Sommer könne man auch den Vorplatz zwischen Fenstern und Böschung nutzen. „Vielleicht bauen wir uns ja auch Palettenmöbel. Das werden wir sehen.“

Die Planungen, einen Bauwagen als Jugendtreffpunkt auszubauen, liegen derzeit auf Eis. „Da hatten wir das Problem mit sanitären Einrichtungen.“ Mit den Baseballern der Baldham Boars soll verhandelt werden, wenn der Verein seine neue Sportanlage ganz im Osten der Gemeinde Richtung Zorneding nutzen kann und sein bisheriges Areal am Sportgelände verlässt. Dort wird nämlich die neue Schule gebaut. Die bisherige Boars-Hütte könnte dann möglicherweise von Jugendlichen genutzt werden.

Umgestaltet wird derzeit auch der Jugendraum in Neufarn. „Es tut sich was“, meint Golombek. „Wir haben bei der Jugendpflege etwas geschwächelt“, räumt Vizebürgermeister Wagner ein. „Das Meiste wird aber über die Vereine abgedeckt.“ Das Rathaus müsse für den neuen Jugendraum etwas Geld in die Hand nehmen. „Material ist nicht so teuer“, beruhigt die Jugendpflegerin. Jetzt müsse nur noch ordentlich die Werbetrommel für das neue Angebot gerührt werden. „Ich werde auch durch die Schulen gehen und informieren“, so Golombek.

Als erste größere Veranstaltung soll am Freitag, 17. November, im Rahmen des Vorlesetages ein „Poetry-Slam“ in den neuen Räumen stattfinden. Beginn ist um 15 Uhr. Gast ist Nuria Glasauer, ein Star der Szene. Alle Teilnehmer können sich selbst ausprobieren und sich Tipps holen.

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