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In der Nacht müssen die Glocken in diesem Dorf schweigen

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Von: Robert Langer

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Aus Lärmschutzgründen werden die Glocken der Neufarner Kirche in der Nacht nicht mehr schlagen.
Aus Lärmschutzgründen werden die Glocken der Neufarner Kirche in der Nacht nicht mehr schlagen. © SRO

Die Kirchenverwaltung der Kuratie Neufarn hat entschieden. Bisher schlugen die Glocken der Kirche St. Peter und Paul auch während der Nacht. Damit soll Schluss ein.

Neufarn - Von 22 bis 6 Uhr früh sollen die Glocken in Neufarn (Gemeinde Vaterstetten) schweigen. Hintergrund ist der Plan für neue Wohnungen westlich der Kirche.

Nein: Diesmal ist es kein neu zugezogener Gemeindebürger, der sich über die lauten bayerischen Glocken beschwert. „Das hatten wir schon mal“, blickt Kirchenpfleger Thomas Zehetmaier zurück. Der Mann habe sich damals ein Reihenhaus in unmittelbarer Nähe der Kirche gekauft und sei anschließend erstaunt gewesen, dass es die Glocken gab. Er habe versucht, sich dagegen zu wehren, so Zehetmaier, habe damit aber keinen Erfolg gehabt. „Er wohnt immer noch hier, glücklich und zufrieden.“

Schallgutachten bringt Stein ins Rollen

Auslöser der Veränderung ist die Neuplanung von einem Mehrfamilienhaus und von Reihenhäusern an der Münchner Straße in Neufarn westlich der Kirche. In diesem Zusammenhang wurde ein Schallgutachten beauftragt. Es ging um den Verkehr auf der Straße, aber auch um das Glockengeläut der Kirche. Die Kirche besitzt laut Gutachter drei Glocken mit jeweils 1000, 1300 und 1400 Kilogramm. Wie Bauamtsleiterin Brigitte Littke erklärte, würden die Grenzwerte in der Nacht überschritten. Die Folge wären ohne Veränderung zusätzliche Lärmschutzmaßnahmen an den neuen Gebäuden. Unterschieden wird auch zwischen liturgischem Geläut, beispielsweise für Gottesdienste oder bei Beerdigungen, und weltlichem Geläut, also der Glockenschlag für die Zeitangabe, die früher sehr wichtig war. Tagsüber werden die Grenzwerte übrigens eingehalten.

Die Bauamtsleiterin habe ihn von der Situation informiert, so Kirchenpfleger Zehetmaier. Daraufhin haben sich das zuständige Gremium der Kirchengemeinde mit dem Thema beschäftigt und entschieden. „Wir haben jetzt aber keine Volksbefragung abgehalten“, so der Kirchpfleger. Ob es wegen der Entscheidung kritische Stimmen geben werde, müsse man abwarten. Bleiben würde jedoch unter anderem das traditionelle Frühgeläut um sechs Uhr. „Das ist wohl auch kein Problem.“

Gemeinde sieht „großes Entgegenkommen der Kirche“

„Das ist ein großes Entgegenkommen der Kirche“, so Bauamtsleiterin Littke. Man hätte die Kuratie zumindest von Seiten der Verwaltung zu nichts zwingen können. „Wir hätten das auch nicht gemacht.“ Über das Rathaus hätte die Kirche auch nicht zur Mitfinanzierung des zusätzlichen Lärmschutzes herangezogen werden können. Möglich wäre allerdings, dass der Bauträger, beziehungsweise die künftigen Eigentümer, wegen des nächtlichen Geläuts gegen die Kirche klagen. Wie dann eine Entscheidung vor Gericht ausfallen könnte, darüber kann man spekulieren.

Die Umstellung zur nächtlichen Ruhe soll nun bald umgesetzt werden. Notwendig ist dazu aber, die Steuerung für die Glocken umzuprogrammieren.

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