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Angst vor mehr Verkehr und mehr

Ost-Kreuz: Anwohner protestieren

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Fast 150 Menschen drängen ins evangelische Kinderhaus in Feldkirchen. Sie wollen ein Zeichen setzen gegen zusätzlichen Verkehr, Flächenverbrauch und mehr Umweltbelastung. All das befürchten sie mit dem geplanten Ausbau des Autobahnkreuzes Ost, wo sich A 99 und A 94 treffen. 

Vaterstetten  Am Rednerpult steht Alexander Holly (49). Mit seiner Frau Monika (48) hat er den Info- und Protestabend organisiert. Sie fürchten, dass der Ausbau ihre Familie in den Ruin treibt.

Die Hollys bewirtschaften eine Reitanlage mit zwei Hofstellen. Sie befinden sich ganz in der Nähe der Kreuzung von A 99 und A 94. Kommt der Ausbau, kommen mehr Fahrzeuge, aber weniger Kunden, glaubt Alexander Holly. Grünflächen – darunter Ausreitgelände – würden zerschnitten, Erholungsgebiet würden zerstört. Mit der Angst ist er nicht allein. Die Betroffenen hoffen, den Ausbau abwenden zu können, nicht zuletzt durch Hubert Aiwanger. Der Landeschef der Freien Wähler sagt den Gegnern Hilfe zu.

Zunächst aber spricht Holly über seinen Betrieb. Über den Hölzlhof nördlich der A 94, der seit 1808 seiner Familie gehört, und über die Reitanlage an der Weißenfelder Straße 10, die seit 1997 südlich der A 94 existiert. Die Hofstellen liegen 200 Meter auseinander. Auf der Verbindungsstraße zwischen Feldkirchen und Weißenfeld unter der A 94, „finden laufend Transporte“ statt, sagt Holly. Täglich fährt er dort mit seinem Schlepper entlang und sieht das Autobahnkreuz. Über das Kleeblatt sollen im Rahmen des Ausbaus zusätzliche Fahrbahnen gelegt werden.

Auf Hollys Präsentation sieht es so aus, als würden die neuen Spuren über das Kleeblatt fliegen. „Overfly“ heißt der Fachbegriff für die Konstruktion. Derzeit läuft der achtspurige Ausbau der A 99 zwischen dem Kreuz München-Nord und -Süd. Täglich fahren dort fast 123 000 Autos, 150 000 sollen es bis 2030 werden. Auch gen Süden wird daher erweitert: Die A 94 - derzeit 72 000 Fahrzeuge täglich, bis 2030 fast 100 000 - soll sechs Spuren bekommen.

In diesen gewaltigen Umbau soll auch das Kreuz München-Ost einbezogen werden. Die Straße zwischen den Hofstellen soll wegfallen und der Ersatzweg mitten durch das Ausreitgelände führen. Für Holly eine Katastrophe. Die „sinnlose Naturzerstörung“ bedeute einen „nicht hinnehmbaren Zeit- und Kostenaufwand“ für seine Familie, sagt er. Weil die Spuren höhergelegt werden, fürchtet er auch mehr Feinstaub- und Lärmbelastung.

Auch Aiwanger glaubt, dass der „Overfly“ neue Probleme schafft. Er machte seinen Zuhörern aber auch Hoffnung. Ein Verantwortlicher der Autobahndirektion Südbayern, die für Erweiterung zuständig ist, habe ihn angerufen und ihm zugesichert, dass nichts fix sei. Man könne über alles reden. Dennoch rät Aiwanger den Betroffenen, sich in einer Initiative zusammenzutun, um ihrer Meinung Gewicht zu verleihen.

In der anschließenden Podiumsdiskussion melden sich fast 15 Zuhörer zu Wort. Sie glauben ebenfalls, dass der „Overfly“ mehr Schwierigkeiten bringt, als löst. Antworten sehen sie vielmehr im Ringschluss der A 99 im Süden sowie im Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs. Auch Alexander Holly hat sich Lösungen überlegt, etwa Park-and-Ride-Stationen in Autobahnnähe. Am meisten ärgert ihn, dass die Planer der Autobahndirektion nicht mit den betroffenen Grundstückseigentümern – vorwiegend Landwirte – sprechen. Er fürchtet, die Autobahndirektion könne fertige Pläne für den Ausbau des Autobahnkreuzes vorlegen, die Flächen von ihm und seiner Mitstreiter betreffen.

Um dem rechtzeitig entgegenzuwirken, will er eine Initiative gründen. Hoffnung macht ihm die hohe Teilnehmerzahl. Das habe seine Erwartungen übertroffen. Zwei Drittel der fast 150 Zuhörer hätten sich in die Anwesenheitslisten eingetragen. Per Mail oder Brief will er sie künftig über die Planungen zur Initiative auf dem Laufenden halten.

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