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Gespräch unter vier Augen: Lisa Quilling (ge spielt von Andrea Roming) im Salon mit Viktoria Thoss (gespielt von Doris Fragner). Die beiden, wie auch alle anderen Darsteller, überzeugten. 

Vaterstettener Brettlbühne überzeugt mit dem Stück „Sturm im Wasserglas“

Alles dreht sich um Toni, die kleine Diva

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Der Brettlbühne Vaterstetten darf gratuliert werden. Mit ihrem neuen Stück landete sie einen Volltreffer. Das Publikum sparte bei der Premiere in der Post nicht mit Applaus.

Parsdorf – Auch wenn der rasante Auftritt erst im dritten Akt am Ende des Stücks ist, Sally ist ein Star. Der Hund ist 13 Jahre alt und lebt bei den Fragners. Der kleine schwarze Wirbelwind beherrscht sofort die Bühne, ob auf dem Richtertisch oder zwischen den Prozessbeobachtern. Und Sally, im Stück „Toni“, ist eine richtige Diva, die offenbar weiß, dass ihr alle zuschauen. Schließlich tritt Sally nicht zum ersten Mal bei der Brettlbühne auf.

Komödie in drei Akten von Bruno Frank

Um „Toni“ dreht sich auch das ganze Stück, das die Brettlbühne in diesem Herbst aufführt. „Sturm im Wasserglas“ eine Komödie in drei Akten von Bruno Frank: Politik, amouröse Verstrickungen und spannenden Wendungen. Das Stück ist rund 90 Jahre alt, funktioniert aber heute noch. Bei der Premiere in der Post gab es viel Applaus vom Publikum für die Aktiven der Brettlbühne, die mit den manchmal etwas sperrigen und langen Textpassagen gut zurechtkamen. Ein paar Stolperer wurden souverän überspielt. Aus dem Zuschauerraum kam dann fröhliches Klatschen.

Frauchen kann die Hundesteuer nicht bezahlen

Das Geschehen auf der Bühne: Tonis Frauchen, die Frau Vogl, kann die erhöhte Hundesteuer nicht zahlen. Der Hund wurde ihr auf Anweisung des Magistrats weggenommen und soll getötet werden. Frau Vogl, eine Standlfrau, direkt, emotional und liebenswert gespielt von Carola Reith, bei ihr wird die Handtasche schon mal zur schwungvollen Schlagwaffe, wendet sich um Hilfe an Stadtrat Dr. Konrad Thoss, der kurz vor der Wahl zum Bürgermeister steht.

Martin Steger glänzt in seiner ersten Rolle

Dargestellt wird Thoss von Martin Steger, der zum ersten Mal auf der Parsdorfer Bühne steht. Er spielt den Politiker lautstark, aggressiv, arrogant, selbstgerecht und vollkommen überzeugend. Die kleinen Leute mit ihren Problemen kommen allenfalls in seinen Wahlkampfreden vor. In der Realität ist „das Prinzip“ wichtig. „Da könnte jeder kommen.“ Keine Ausnahme.

Thoss wirft die Standlfrau aus der Wohnung. Das bekommt Reporter Franz Burdach mit, der eigentlich zum Interview erschienen war. Nach dem Rauswurf der Frau Vogl geht Thoss zur Tagesordnung über, behandelt den Reporter wie einen Lakaien nach dem Motto: Sie sind hier, um mitzuschreiben. Dann hält er große Reden, wie sie auch heute noch gehalten werden, viele Floskeln eben. Burdach (verschmitzt und nachdenklich gespielt von Robert Petschinka) veröffentlicht die Geschichte um Toni in einem emotionalen Artikel. Der Skandal ist perfekt, das Drama nimmt seinen Lauf. Aber es bleibt eine Komödie mit vielen treffsicher gesetzten Pointen.

Viktoria, Frau von Konrad Thoss, versucht zu vermitteln, was ihr nicht positiv angerechnet wird. Offensichtlich gehört sie nicht zur Oberschicht der Stadt. Ihr Mann schreit sie an, schubst sie herum. Viktoria (mit Einfühlungsvermögen und Stärke dargestellt von Doris Fragner), hält teilweise zu ihrem Mann, widerspricht ihm aber auch, versucht ihn zum Einlenken zu bewegen. Komplett unterordnen will sie sich letztendlich nicht.

Vorwurf an die Zeitung

Toni ist unterdessen beim Magistratsdiener Pfaffenzeller (Günter Ober, der sein komödiantisches Können zeigen konnte) untergebracht, dem das Hündchen aber abhanden kommt. Burdach wird von seinem Vorgesetzten Quilling, dem Herausgeber der Zeitung (Jakob Langfelder), und Thoss unter Druck gesetzt. Er soll einen Widerruf schreiben. Bestochen, gekauft, ist der nächste Vorwurf. Der Reporter lässt sich nicht einschüchtern, hält das Banner des freien Journalismus hoch. Schließlich landet er vor Gericht. Da spielen sich dann Szenen wie beim Königlich bayerischen Amtsgericht ab. Schrille Effekte setzt durch ihre mondäne Kleidung und ihr Auftreten Lisa, Ehefrau von Quilling (gekonnt kokett und überheblich gespielt von Andrea Roming).

Bühnenbauer leisten ganze Arbeit

Regisseurin Anni Drescher ist wieder gelungen, die verschiedenen Rollen passend zu besetzen. Und die Bühnenbauer leisten ganze Arbeit, als sie zwischen dem zweiten und dem dritten Akt komplett umgestalten – vom Wohnzimmer des Ehepaars Thoss in einen Gerichtssaal. Fragt sich nur, wohin die Möbel verschwinden.

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