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Vor dem Ebersberger Amtsgericht wird es vermutlich im Januar ein Urteil im Nachbarschaftsstreit geben.

Staatsanwalt wittert Falschaussage

Nachbarschaftsstreit um ein paar Liter Seifenwasser: Prügelvorwürfe gegen Vaterstettener (61)

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Vaterstetten/Ebersberg - Schläge und Tritte sollen die Folge eines Nachbarschaftsstreits um eine Autowäsche in Vaterstetten gewesen sein. Jetzt traf man sich vor dem Ebersberger Amtsgericht. Ein Urteil wird im Januar erwartet.

Der Hund sollte keine feuchten Pfoten bekommen. So nahm ein Streit zwischen zwei Vaterstettenern gesetzteren Alters seinen Anfang. Die beiden tragen ihn nun vor dem Ebersberger Amtsgericht aus. Denn wegen ein paar Litern Waschwasser auf der Straße soll es Schläge und Tritte gehagelt haben.

Nachbar vermutet illegale Autowäsche

Der Vorwurf: Ein 61-Jähriger Kraftfahrer soll Mitte Juli einen 73-jährigen Hundehalter aus der Nachbarschaft in den Bauch getreten und mit einem Meterstab auf die Nase geschlagen haben. Der 73-Jährige wollte zuvor die Wasserlache auf der Straße vor dem Grundstück des 61-Jährigen fotografieren, zumindest darin stimmen die Versionen der beiden Beteiligten überein. „Ich wollte damit zur Gemeinde gehen“, erklärte der Rentner, weshalb er Fotos gemacht habe. „Das Autowaschen auf öffentlichen Straßen ist in der Gemeinde Vaterstetten nicht erlaubt.“

Wiederholt habe sich der Kraftfahrer, der ein paar Häuser von ihm entfernt wohnt, nicht daran gehalten. An dem Tag im Juli sei es wieder einmal so weit gewesen, weshalb der Rentner seinen Hund, mit dem er Gassi war, auf den Arm nahm. „Ich wollte nicht, dass er durch die Chemikalien läuft“, so die Begründung. Als er dann die schaumige Brühe fotografieren wollte, sei sein Nachbar „mit aufgerissenen Augen und gefletschten Zähnen“ aus dem Garten gestürzt und sei fluchend und schreiend auf ihn losgegangen.

„Mit aufgerissenen Augen und gefletschten Zähnen“

Erst als die Ehefrau des Ausgerasteten dazwischen gegangen sei, habe der Mann von ihm abgelassen. Sein Schultertattoo habe der Angreifer ihm noch gezeigt, ein Eisernes Kreuz mit einem Totenkopf. Dazu habe er geschrien: „So wird es Dir ergehen“, sagte der Rentner vor Gericht aus.

Völlig anders schilderte der Angeklagte die Situation. Sein ungeliebter Nachbar, mit dem es öfter derartigen Ärger gebe, habe ihn und seine Frau auf seinem Grundstück fotografiert. „Ich habe ihm gesagt, er soll mich in Ruhe lassen. Mehr war da nicht“, sagte der Kraftfahrer aus.

Im Übrigen sei auf der Straße nur etwas Wasser mit Spülmittel gewesen. Das, gab der Angeklagte zu, habe er auf die Straße gekippt, nachdem er auf seinem Grundstück Reifen gewaschen habe. Er habe nämlich das Auto seiner Tochter von Winter- auf Sommerreifen umgerüstet.

„Mitten im Juli?“, hakte der Staatsanwalt mit einem Stirnrunzeln ein. Der Anklagevertreter machte während der Verhandlung keinen Hehl aus seinen großen Zweifeln an der Version des Angeklagten. Denn die blutige Nase des Rentners ist mit Fotos und durch die Polizei dokumentiert. Zudem machten die vom 73-Jährigen herbeigerufenen Beamten bei dem mutmaßlichen Angreifer einen Atemalkoholtest – mit dem pikanten Ergebnis von 1,3 Promille.

Staatsanwalt wittert Falschaussage der Ehefrau

Der Staatsanwalt legte dem Mann während der Verhandlung nahe, seinen Einspruch gegen den Strafbefehl zurückzuziehen. Weil der nicht vorbestrafte Angeklagte die darin festgesetzten 4800 Euro Geldstrafe nicht bezahlen wollte, war es erst zu der Verhandlung gekommen. Der Frau des Angeklagten drohte der Anklagevertreter mit einem Verfahren wegen falscher Aussage. „Geschlagen hat mein Mann ihn nicht“, hatte die 49-Jährige zuvor behauptet. Sie sei nur dazwischengegangen, damit ihr Mann sich nicht provozieren lasse.

In dem Prozess steht also nicht nur für den Angeklagten, sondern auch für seine Ehefrau einiges auf dem Spiel. Weil Richterin Vera Hörauf noch die angerückten Polizisten als Zeugen hören will, hat sie einen weiteren Verhandlungstermin für Mitte Januar angesetzt. Dann fällt wahrscheinlich ein Urteil.

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