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Im Vaterstettener Gemeindearchiv sollen die Lebensgeschichten der Bürger einen Platz bekommen, hier Archivleiterin Ulrike Flitner.  

Vaterstettener Bürgermeister will sich einbringen 

Erinnerungskultur soll gestärkt werden

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Das Gemeindearchiv mit lebendigen Geschichten von Menschen aus Vaterstetten füllen – das wünscht sich Bürgermeister Georg Reitsberger (Freie Wähler).

Vaterstetten – „Ich lerne durch die Gratulationstermine zu runden Geburtstagen in der Gemeinde sehr viele interessante Leute kennen“, erklärt Reitsberger. Die Lebensgeschichten sollte man niederschrieben und aufbewahren, so der Rathauschef. Erstaunlich sei, dass viele der Jubilare geistig fit seien. Oftmals würde über Kriegserlebnisse berichtet. In der Gemeinde hätten sich nach dem Krieg auch viele Flüchtlinge angesiedelt. Diese Menschen hätten ebenfalls viel zu erzählen. „In der Gemeinde wurde eine Heimkehrersiedlung errichtet.“

Jugenderinnerungen von Senioren

Dazu kämmen Jugenderinnerungen von Senioren. „So bekommt man auch viele Hintergründe mit und die Werte, die unsere älteren Bürger hoch halten. Mir wurde von meinen Eltern und Großeltern viel berichtet. Ich habe großes Interesse an solchen Geschichten, die oft auch sehr leidenschaftlich erzählt werden“, sagt Reitsberger.

Man sollte eine „gewisse Erinnerungskultur in der Gemeinde bewahren.“ Solche Erzählungen sollten „auch in unserer schnelllebigen, medienüberfrachten Zeit“ nicht zur Seite geschoben werden. Die Senioren schätzen es zudem, wenn man sich für ihre Lebensgeschichte interessiere und wenn nicht alles „als hintervorgestern abgetan wird“. Es gehe um alle Höhen und Tiefen eines Lebens, um glückliche und traurige Momente.

Zeitgeschichte erkennbar und erlebbar machen

„In unserem Archiv bekommen solche Lebensgeschichten einen wichtigen Platz. Ich werde mich bei diesem Thema mit Leidenschaft einbringen, auch wenn ich nicht mehr Bürgermeister bin. Ich werde mich dem auch nach meiner Amtszeit widmen“, verspricht Reitsberger. „Mir ist es wichtig, Zeitgeschichte erkennbar und erlebbar macht.“ Dazu gehörten ebenso Gebäude wie die Scheckenhofer-Villa, das Wasenmeisterhaus, die Alte Post in Parsdorf, das dortige alte Rathaus oder das Thorakgebäude. Es gebe Hinweise auf Goldmünzen aus dem 30-jährigen Krieg oder auf die Brandschatzung durch die Schweden. Früher hätten die Einheimischen die Fundstücke an Sommerfrischler aus der Stadt verkauft. Jede Erzählung habe ihren Hintergrund, so auch die vom Hunnengrab, das es auf Vaterstettener Flur geben soll.

Stolz auf das eigene Lebenswerk

Aus seinen Begegnungen hat der Rathauschef eine weitere Erfahrung mitgebracht. Viele ältere Mitbürger seinen auf ihr Lebenswerk stolz. „Aber viele halten das im Verborgenen.“ Ihnen sei oft wichtig, dass das, was sie geschaffen haben, eine gewisse Würdigung erfährt. Die glücklichsten Leute seien Großeltern, die Enkelkinder um sich herum hätten. „Es gibt aber welche, die nicht so viel Glück haben.“ Es lebten auch Leute im Ort, die sich mit ihrer Gemeinde identifizierten. Da sollte es Möglichkeiten für Stiftungen geben. „Vielleicht haben Einige etwas für kulturelle Sachen übrig.“ Wenn die Finanzen knapp würden, dann würde in diesem Bereich schnell gefragt: Brauchen wir das überhaupt?

Stiftungsgelder sollten aber zweckgebunden sein. „Das ist das Allerwichtigste“, so Reitsberger. Die Finanzmittel sollten nicht für eine Umgehungsstraße „verfrühstückt werden oder einfach im Haushalt verschwinden“. Deshalb sollte die Gemeinde eine Art Ehrenkodex schaffen, etwas Offizielles machen. „Da muss alles rundherum stimmen.“

Reitsberger erinnert an Stiftungen

Entsprechende Stiftungen gibt es bereits. Reitsberger erinnert dabei gerne an: Alfred Hermann, dessen Namen das Kinderhaus in Baldham trägt, den Rose-Breitenbach-Nachlass, die Michael Berger-Stiftung, den Johanna Loderer-Nachlass, die Eheleute Joseph und Maria Leistl für das Altenhilfewerk Vaterstetten, die Elisabeth Gast Kunst- und Kultur Stiftung, die Renate und Bernhard Wörz Sozialstiftung und die Manfred- und Ute Schmidt Stiftung.

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Auch das Andenken an Persönlichkeiten, die sich für die Gemeinde eingebracht haben, soll gestärkt werden. Hier lobte Reitsberger Ex-Bürgermeister Peter Dingler und seine Frau Irene, die sich um den Nachlass des Malers Martin Ritter kümmern. „Vielleicht brauchen wir auch eine Art Erinnerungswand, überlegt Reitsberger.

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