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Auf dem Weg in die Kita: Erzieherinnen in Vaterstetten fürchten um die Qualität der Betreuung. 

In Vaterstettener Kitas

Erzieherinnen protestieren: Gleiches Geld für gleiche Arbeit

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Die Stimmung in Vaterstettener Kitas ist angespannt. „Wir fühlen uns benachteiligt, viele überlegen sich, den Arbeitsplatz zu wechseln“, so eine Erzieherin.

Vaterstetten – Rund 300 000 Erzieherinnen und Erzieher fehlen derzeit bundesweit. Die Träger der Kinderbetreuungseinrichtungen fischen bei der Suche nach Personal „im leeren Meer“, wie es Rolf Negele ausdrückt. Er ist Sprecher des Vorstands der Diakonie Rosenheim, die über 800 Erzieherinnen und Erzieher beschäftigt.

„München-Zulage“ weggefallen

Auch in Vaterstetten ist die Diakonie aktiv, zum Beispiel in der Kinderkrippe Weißenfeld. Die Mitarbeiter hier haben bis Ende dieses Jahres die sogenannte „München-Zulage von rund 150 Euro pro Monat bekommen. Diese Zulage soll die teuren Lebenshaltungskosten im Umfeld der Landeshauptstadt ein wenig ausgleichen. Seit Anfang dieses Jahres bekommen die Erzieherinnen in Weißenfeld diese Zulage nicht mehr.

Diakonie: Wir zahlen Tarif

 „Wir haben diese Zulage zwei Jahre lang freiwillig aus eigenen Mitteln gewährt“, sagt Vorstandssprecher Negele. Jetzt sei die Zahlung eingestellt worden. „Wir zahlen Tarif. Wir können nicht mehr zahlen, als wir einnehmen“, so die Argumente des Trägers, der versteht, dass die Mitarbeiter wütend auf den Zahlungsstopp reagieren.

Erzieherinnen sammeln Unterschriften

Diese wollen das plötzliche Gehaltsminus nicht einfach schlucken und sammeln Unterschriften dagegen. In verschiedenen Kinderbetreuungseinrichtungen der Großgemeinde gibt es derzeit Aushänge, auf denen die Erzieherinnen auf ihre Situation aufmerksam machen und die Eltern um Solidarität bitten. Angesprochen wird auch die Gemeinde Vaterstetten.

Diese bezahlt ihren Angestellten seit 1. Januar 2020 die München-Zulage. Da sie aber nicht Trägerin von Kitas ist, gehen die Erzieherinnen leer aus. Und das finden sie höchst ungerecht. „Die Argumente, die die Gemeinde Vaterstetten zur Zahlung der München-Zulage bewogen haben (Fachkräftemangel, Wettbewerb mit der Stadt und dem Landkreis München, hohe Lebenshaltungskosten im Großraum München) treffen jedoch in gleichem Maße für die Mitarbeiter in den Vaterstettener Kinderbetreuungseinrichtungen zu“, heißt es auf dem Aushang. Die Erzieherinnen sehen sich in einem „ungleichen Wettbewerb“ mit den umliegenden Gemeinden des Landkreises München, die die Zulage bereits gewähren. Wörtlich heißt es: „Ohne die Gewährung der München-Zulage in Vaterstetten wird es daher mittelfristig schlicht nicht möglich sein, den erforderlichen Umfang an Kinderbetreuungsplätzen in unserer Gemeinde abzubilden bzw. aufrecht zu erhalten – denn mit der verfügbaren Personalausstattung steht und fällt die Anzahl der Betreuungsplätze.“

Gespräch mit der Gemeinde

Die Erzieherinnen appellieren an die jeweiligen Träger, die München-Zulage zu bezahlen. Außerdem wollen sie das Gespräch mit der Gemeinde Vaterstetten suchen. Dabei soll geklärt werden, „inwieweit diese die bestehenden Vaterstettener Einrichtungen finanziell unterstützen kann, um so ihrem Ruf als kinderfreundliche und lebenswerte Gemeinde gerecht zu werden.“

Der scheidende Bürgermeister Georg Reitsberger (Freie Wähler) kennt die Problematik, sagt aber: „Wir haben derzeit keine Mittel dafür im Haushalt eingestellt.“

Wahlskandal: Vaterstettener landen wider Willen auf AfD-Listen - Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft

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