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Charly und Rosa Müller vor der Tafel mit ihrer Familiengeschichte. Sie ist Teil der großen Ausstellung „Höfe, Häuser und Flüchtlingsfamilien“ im Vaterstettener Rathaus.

Neue Ausstellung in Vaterstetten

Höfe, Häuser, Flüchtlinge: Damit Geschichte nicht vergessen wird

Andrang herrschte bei der Eröffnung der Ausstellung „Höfe, Häuser und Flüchtlingsfamilien“ in Vaterstetten. Viele wollten  mehr über die Geschichte der Gemeinde erfahren.

Vaterstetten – „1809 gab es in Vaterstetten 17 Häuser und eine Dorfkirche“, erzählte Brigitte Beyer, die die Ausstellung zusammen mit Gemeindearchivarin Ulrike Flitner erstellt hat. 50 Jahre später waren erst 20 Häuser dazu gekommen. Bis 1900 gab es kaum Erweiterungen, auffallend waren jedoch die häufigen Besitzerwechsel auf den Höfen: „Fast keine Familie war länger als 20 Jahre da.“ Grund: Die steinigen Böden konnten keine großen Familien ernähren, viele zogen deshalb weg oder wanderten gar nach Amerika aus.

Etwas Reichtum durch die Brennereien

„Erst Anfang des 20. Jahrhunderts brachten die Brennereien etwas Reichtum in diese arme Gegend“, so Beyer weiter. Weiteren Aufschwung brachte die Eisenbahn, die viele Tagesausflügler aus München anlockte. Ein Kaufmann Madlener baute gar ein Haus samt Kapelle zur Erholung für seine Familie und seine Angestellten – heute ist dies ein Teil von „Maria Linden.“

Erst die Münchner, dann die Flüchtlinge

Im Zweiten Weltkrieg stiegen die Einwohnerzahlen in der Gemeinde sprunghaft an: Erst kamen die ausgebombten Münchner, dann die Flüchtlinge. Es entstanden Behelfsheime, neue Siedlungen, der Ort begann sich auszudehnen und sein Gesicht zu verändern. Heute findet man hier nur noch vereinzelt Bauernhöfe: „Alles unterliegt einem Wandel und deshalb sahen wir uns verpflichtet, einen Blick zurück zu werfen in eine Zeit, von der wir das Glück haben, noch einige Zeitzeugen zu besitzen.“

Tafeln erzählen Geschichte

So besteht die Ausstellung aus vielen Tafeln, auf denen die Geschichte einzelner Höfe und ihrer Bewohner erzählt wird. Darunter sind einige im Ort bekannte Namen, wie etwa die Familien Reitsberger, Böhm, Föstl oder Maas. Viele Ausstellungsbesucher erinnern sich noch an den Kurzwarenladen Maas in der Bahnhofstraße. Auch die Familie Müller hatte nahe des Bahnhofs ein Kolonialwarengeschäft: „Mein Großvater war Schrankenwärter, den Laden hat meine Großmutter geführt“, erinnert sich Enkel Charly Müller. Leider verstarb Walburga schon früh, weshalb ihre Tochter mit nur 21 Jahren den Laden übernahm. 1966 wurde das Gebäude abgerissen, an gleicher Stelle entstand der erste Selbstbedienungsladen in Vaterstetten. Heute befindet sich hier eine Apotheke.

„Diese Ausstellung ist erst der Anfang. Wir hoffen, dass uns noch viele Bürger alte Fotos und Dokumente zur Verfügung stellen, damit unsere interessante Geschichte nicht unwiderruflich in Vergessenheit gerät“, betonte Bürgermeister Georg Reitsberger. In Kooperation mit der Vhs soll zudem ein Forschungsprojekt starten, bei dem die Teilnehmer die Geschichte der Höfe von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis heute erforschen. Dazu sollen Akten aus dem Staatsarchiv ausgewertet, aber auch Gespräche mit Hofbesitzern geführt werden. Ein Treffene findet am 23. März um 18 Uhr im Vhs-Gebäude statt.

Öffnungszeiten

Die Ausstellung im Rathaus kann noch bis 7. Februar zu den üblichen Öffnungszeiten (Mo.-Fr. 8-12 Uhr, Do. 14-18 Uhr) besichtigt werden.

Susanne Edelmann

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