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Schorsch Reitsberger, wie man ihn in Vaterstetten kennt und schätzt: auf seinem Eicher-Traktor vor den geliebten Obstbäumen auf seinem Grundstück.

Nach Kommunalwahl 2020

Interview mit Vaterstettens scheidenden Bürgermeister Reitsberger: „Mein Eicher ist schon ganz verstaubt“

Nach sechseinhalb Jahren endet die Amtszeit von Vaterstettens Bürgermeister Georg Reitsberger: zehn Fragen an das scheidende Gemeindeoberhaupt. 

Vaterstetten Nach sechseinhalb Jahren endet die Amtszeit von Vaterstettens Bürgermeister Georg „Schorsch“ Reitsberger (67). Für die Zeit danach hat der „geländegängige Alte“, wie er sich selbst nennt, viele Pläne. Mit der Ebersberger Zeitung traf er sich noch einmal zum Interview.

Ihre Amtszeit endet am 30. April. Was machen Sie am 1. Mai?

Da pflanze ich wie jedes Jahr mit dem Bund Naturschutz einen lebendigen Maibaum. Diese Tradition hat der damalige Bürgermeister Hermann Bichlmaier 1984 begründet und das haben alle folgenden Bürgermeister weitergeführt. Ich freue mich, dass heuer auch Leo Spitzauer dabei sein wird. Selbstverständlich halten wir gebührenden Abstand, außerdem gibt es einen selbst gemachten Obstler als Anti-Viren-Trank.

Was ist 2013 in Ihnen vorgegangen, als die Freien Wähler Sie gefragt haben, ob Sie sich vorstellen können, als Bürgermeister zu kandidieren? Hatten Sie Bedenken?

Damals war die CSU sehr dominant, litt aber unter internen Querelen nach der Nominierung von Brigitte Littke. Ich persönlich war damals schon überzeugt, dass Littke im Bauamt eine wertvolle Mitarbeiterin ist und uns dort erhalten bleiben sollte. Persönlich habe ich nicht geglaubt, dass ich gewählt werde, aber ich dachte, ich probier’s einfach mal. Natürlich macht man sich Gedanken, wenn man in so ein verantwortungsvolles Amt kommt, aber ich hatte damals auch schon 24 Jahre Erfahrung als Gemeinderat, ich kenne den Ort und die Menschen, das hat mich überzeugt, ein gutes Fundament für die Kandidatur zu haben. Die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Kollegen aus Politik und Verwaltung war mir sehr wichtig. Ich habe mir das kommunalpolitische Wissen von Vize-Bürgermeister Martin Wagner zunutze gemacht, in Verwaltungsdingen hatte ich viel Unterstützung von meinem persönlichen Referenten Georg Kast und ich bin sehr froh, dass Frau Littke uns im Bauamt erhalten geblieben ist.

„Schönste war eindeutig der Kontakt zu den Bürgern“

Welche Aufgaben Ihres Amtes haben Ihnen besondere Freude gemacht?

Das Schönste war eindeutig der Kontakt zu den Bürgern, gerade bei den Gratulationsterminen kamen von den älteren Mitbürgern viele positive Rückmeldungen.

Und welche Aufgaben mochten Sie gar nicht?

Ewig lange Sitzungen, bei denen nichts rauskommt. Ich bin ein frei denkender Mensch, der sich nicht gern hinter Paragrafen versteckt, sondern fragt: Was brauchen wir und wie können wir das umsetzen? Leider leben wir in einer Zeit, in der man Entscheidungen von Juristen absichern lassen muss. Bei Bauern gilt noch der Handschlag, aber in der Verwaltung läuft ohne Anwalt gar nichts mehr. Das verursacht hohe Kosten, die anderswo sinnvoller eingesetzt wären.

Ihre Frau hat sich als „First Lady“ sehr zurückgehalten.

Sie wollte gerne im Hintergrund bleiben, weil sie sehr direkt und geradeheraus ist. Ich habe immer geschaut, dass sie nicht zu sehr belastet wird.

„Natürlich freue ich mich auch wieder auf die Kindergeburtstage“

Den Hof haben Sie Ihrem Sohn Quirin übergeben. Wo sehen Sie künftig Ihre Aufgaben als Austragler? Wird man Sie wieder häufiger bei Kindergeburtstagen auf dem Eicher-Traktor sehen?

Ich werde schauen, wo ich als „geländegängiger Alter“ sowohl meinen Sohn auf dem Hof als auch meine Tochter in der Gaststätte unterstützen kann. Natürlich freue ich mich auch wieder auf die Kindergeburtstage, die momentan leider nicht stattfinden können, mein Eicher ist schon ganz verstaubt. Außerdem plane ich einen Erlebnisstall, auf dem ganzjährig Führungen angeboten werden, damit Kinder die Landwirtschaft mit all ihren Nutztieren wie Kühen, Schweinen und Hühnern richtig kennenlernen.

Sie wurden ja wieder in den Kreistag gewählt. Was sind dort Ihre Ziele?

Ich sitze seit 2002 im Kreistag und wurde von den Freien Wählern zum Landratsstellvertreter gewählt. Somit kann ich auch weiterhin in dieser Funktion Gratulationstermine im Landkreis wahrnehmen. Das ist mir wichtig, denn das ist eine Wertschätzung für betagte Bürger, für eine Generation, die viel geleistet und viel erlebt hat.

Ihre Leidenschaft ist die Ortsgeschichte. Sie haben schon angekündigt, sich künftig stärker damit befassen zu wollen. Wann gibt’s das erste Buch von Ihnen?

Ich bin in einer Großfamilie aufgewachsen und vertrete die vierte Generation meiner Familie in Vaterstetten. Wir haben auch viele verwandtschaftliche Beziehungen im ganzen Landkreis, die schon von meiner Oma sehr gepflegt wurden, da wurde mir das Interesse für die Ortsgeschichte quasi in die Wiege gelegt. Ich habe dazu schon einige Beiträge geschrieben, die muss ich mal zusammenstellen. Mir schwebt ein Buch über die alteingesessenen Familien vor, ähnlich wie früher die Hausnummernbücher. Viele der alten Namen sind schon verloren gegangen, auch durch den Abriss alter Gebäude. Da will ich vor dem Abriss noch fotografieren und dokumentieren, wer da gelebt hat.

„Ich will einen halben Tag körperlich am Hof arbeiten“

Was haben Sie sich sonst noch für Ihren Ruhestand vorgenommen?

Ich will einen halben Tag körperlich am Hof arbeiten, einen halben Tag geistig im Büro. Mit der Arbeit am PC will ich mich stärker befassen. Ein großes Anliegen sind mir außerdem unsere Obstbäume, wir haben auf Gemeindegrund gut 500 Hochstamm-Obstbäume, die gepflegt werden müssen. Besonders freue ich mich auch über die Obstanger im Neubaugebiet Vaterstetten Nordwest.

Was wünschen Sie Ihrem Nachfolger Leonhard Spitzauer (CSU) für seine Amtszeit?

Eine glückliche Hand in dieser schwierigen Zeit. Finanziell gibt es da einiges zu stemmen.

Das Gespräch führte Susanne Edelmann.

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