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Dicht gedrängt stehen die Lkw an der Rastanlage Vaterstetten-Ost. Fahrer, die keinen Platz mehr finden, weichen in Wohngebiete aus. 

Parken im Wohngebiet sorgt immer wieder für Ärger

Keine Stellplätze: Lkw-Fahrer in der Sackgasse

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Lkw-Fahrer finden keine Plätze an der Autobahn, um ihre Ruhezeiten einzuhalten. Sie weichen aus - auch in Wohngebiete. Doch das gibt Ärger.

Landkreis – Es ist Nacht. Die Luft ist nasskalt, die Atmosphäre ungemütlich. In einer Baustellenzufahrt im Gewerbegebiet in Parsdorf stehen zwei Lastwagen. Ein weißer 3,5-Tonner, der andere ist blau mit langem Sattelauflieger. Ein greller Laptop-Display in der Fahrerkabine durchbricht die Dunkelheit. Es läuft ein Spielfilm.

Ein Mann in dem blauen Fahrerhäuschen schaut immer wieder nervös durch sein Seitenfenster. Er stellt sich als Mirko vor. Aus Bosnien. Er hat wenig Haare, Brille, Fünf-Tage-Bart, raucht eine Zigarette nach der anderen. Mirko ist Fernfahrer. Seit 20 Jahren. In seinem Auflieger sei Senf geladen. „Alle Rastplätze hier sind voll“, sagt er in stark gebrochenen Deutsch. Er müsse hier schlafen. „Die Zustände für Fernfahrer sind eine Katastrophe.“

Mirko steht exemplarisch für Tausende Lkw-Fahrer in Deutschland. Sie sind bis auf Sonntag Tag und Nacht unterwegs, um hiesige Supermärkte mit holländischen Käse, italienischen Wein und Fleisch aus Brandenburg zu beliefern.

Elf Stunden Pause nach neun Stunden Fahrt

Sie müssen nach neun Stunden Fahrt elf Stunden Pause machen. Lkw-Stellplätze aber fehlen: 6000 allein an bayerischen Autobahnen, sagt Tilmann Mager vom Landesverband Bayerischer Transport- und Logistikunternehmen. Wenn Raststätten voll sind, müssen Fahrer vor allem nachts auf Autobahn-ein- und ausfahrten, Industriegebiete und Wohngegenden ausweichen. Oft ohne Nachtruhe und ohne sanitäre Anlagen. Für die Trucker ist die Stellplatz-Suche ein Horror: Sie müssen strenge Ruhezeiten einhalten. Fahren sie weiter, auch nur um einen Stellplatz zu finden, drohen empfindliche Strafen. Die fehlenden Autobahnrastplätze, für die die Autobahnmeistereien verantwortlich sind, treibt die Fahrer in Gebiete außerhalb von Autobahnen – und somit oft in die Illegalität.

So ist es auch bei Mirko in Parsdorf. Hier zu übernachten, sei nicht erlaubt, sagt er. Trotzdem sei der Platz oft mit Lastwagen voll. „Ab 20 Uhr sind die Raststätten in Vater-stetten und an der B 12 voll.“ Dann müsse er sich einen anderen Platz suchen.

Keine Ruhe auf Raststätten

„Wenigstens kann ich hier in Ruhe schlafen“, sagt Mirko. Auf Raststätten hingegen hätte er oft keine Nachtruhe. Sie seien dermaßen überfüllt, 50 Lkw würden mit einer Armlänge Abstand nebeneinander stehen. Manche fahren um zwei Uhr morgens weiter. Dabei würden oft Spiegel von stehenden Lastwagen kaputt gefahren. Es ist schlimm, sagt Mirko. „Aber was soll ich machen?“

Rein rechtlich ist das Übernachten auf Lkw-Parkplätzen in Industriegebieten kein Problem, sagt Henriette Klemmer von der Gemeinde Vaterstetten. Der Platz, auf dem Mirko übernachtet, sei Privatgrund, also nicht im Zuständigkeitsbereich der Kommune.

Stehen Trucker auf Pkw-Parkplätzen oder verengen mit ihren Brummis die Straßen, parken sie auch in Industriegebieten verkehrswidrig, sagt der Zweckverband kommunale Verkehrsüberwachung Südostbayern.

60 Verwarnungen in einer Straße in Parsdorf

Etwa in der Von-Myra-Straße im Parsdorfer Gewerbegebiet. 60 Verwarnungen erteilte die Verkehrsüberwachung dort im vergangenen Jahr. Zehn Euro Bußgeld kostet das. Dass das was bringt, bezweifelt der Mitarbeiter bei der Verkehrsüberwachung. Es würde auch zu wenig kontrolliert werden.

Einige Lastwagen würden auch in Vaterstettener Wohngebieten stehen. „Das ist ein Problem“, sagt Gemeindemitarbeiterin Henriette Klemmer. Es gebe Beschwerden von Anwohnern der Friedenstraße. Verengte Straßen und zurückgelassener Müll monieren die Bürger. Die Verkehrsüberwachung kontrolliere hier bereits.

Spediteur: Zustände sind menschenunwürdig

Bußgelder würden wenig nutzen, es brauche einfach mehr Stellplätze, sagt Hubert Hörndl. Denn die Zustände für die Fahrer seien „sozial unzumutbar, menschenunwürdig“. Hörndl betreibt in Forstinning ein Transportunternehmen. Er fordert mehr Rastanlagen mit Toiletten und Restaurants. Berufskraftfahrer sei ein anstrengender Beruf. Viele Osteuropäer würden im deutschen Auftrag fahren. „Die Deutschen bedienen sich am Frachtraum Osteuropas“, sagt Hörndl. Dann sollte es wenigstens ausreichende Ausstattungen an Autobahnen geben.

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Die Autobahnmeisterei Hohenbrunn, die für die Rastplätze an der Autobahn in Vaterstetten zuständig ist, war für eine Stellungnahme nicht verfügbar.

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Mirko, der Fernfahrer aus Bosnien, muss am nächsten Morgen nach Düsseldorf, dann nach Unna. Wo er dann schlafen wird, weiß er noch nicht.

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