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Josef Tintrup mit seiner Alltagsbegleiterin Kerstin Rudat. Die beiden haben Freundschaft geschlossen.

Kerstin Rudat (50) ist in Vaterstetten Alltagsbegleiterin für Senioren

Hilfe bei den kleinen Dingen des Lebens

In Vaterstetten leben sehr viele alte Menschen. Oft kommen sie alleine nicht mehr klar. Aber es gibt Hilfe für sie. Und dabei entstehen auch Freundschaften.

Baldham – Vaterstetten ist die Gemeinde mit dem höchsten Altersdurchschnitt im Landkreis Ebersberg. Nirgendwo sonst leben hier so viele Menschen, die 90 Jahre oder älter sind. Das stellt die Gemeinde, vor allem aber die Senioren selbst vor viele Herausforderungen.

Einer von ihnen ist Josef Tintrup (96) aus Baldham. 1962 zog Tintrup mit seiner Familie hierher, doch mittlerweile ist seine Frau seit zehn Jahren tot, die Söhne leben in München und in Berlin. Zwar besuchen beide ihren Vater so oft wie möglich, doch im Alltag ist Tintrup auf fremde Hilfe angewiesen.

Manchmal gibt es Verständigungsschwierigkeiten

Im vergangenen Jahr wohnte eine 24-Stunden-Pflegekraft bei ihm im Haus, doch das hat nicht so gut geklappt: „Es muss halt passen“, meint er und mit der damaligen Pflegekraft, einer Ukrainerin, gab es eben Verständigungsschwierigkeiten.

Viele Pflegedienste sind ausgebucht oder kommen erst mittags, um beim Waschen und Anziehen zu helfen. Mittlerweile hat Tintrup zwei Pflegerinnen, die sich dabei abwechseln, sich um die Wäsche kümmern und kleinere Einkäufe für den Senior erledigen, der nicht mehr so gut zu Fuß ist. Doch was ist mit etwas zeitaufwändigeren Dingen wie Arztbesuchen, Ausflügen oder ganz einfach Gesprächen über Gott und die Welt?

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Als Gesellschafterin selbständig gemacht

Hier kommt Kerstin Rudat ins Spiel, seit sechs Jahren Tintrups Alltagsbegleiterin. „Damals habe ich mich als Gesellschafterin für Senioren selbstständig gemacht“, erzählt Rudat. Und das ist für die 50-Jährige längst mehr als nur ein Job, vielmehr hat sich zwischen ihr und Tintrup eine herzliche Freundschaft entwickelt. Rudat begleitet ihn zum Arzt, Optiker oder Friedhof, sie kümmert sich um Einkäufe, die nicht vor Ort erledigt werden können, etwa Herrenbekleidung und Schuhe, sie unternimmt mit Tintrup auch mal Ausflüge im Auto. „Kürzlich sind wir nach München zu seiner Studentenwohnung gefahren, weil er gerne mal sehen wollte, wie es heute dort aussieht“, erzählt sie.

Rudat sorgt auch dafür, dass es in Tintrups Heim gemütlich ist: Auf dem Tisch steht ein Adventsgesteck, in der Essecke ist das Kripperl aufgebaut. Steht ein Geburtstag an, ist sie diejenige, die alles organisiert.

Nicht jeder Stunde wird berechnet

Nicht jeden ihrer Besuche berechnet sie: „Ich verlange kein Geld, wenn wir hier gemütlich zusammen Kaffee trinken“, meint sie. Denn die Stunden mit Tintrup sind für die dreifache Mutter auch eine kleine Auszeit von Familie und Beruf.

Ihrer Meinung nach müsste für Senioren in der Gemeinde noch Einiges getan werden: „Zum Beispiel bräuchten wir viel mehr Sitzbänke überall im Gemeindegebiet. An der Treppe am Friedhofseingang fehlt ein Geländer. Es mangelt an kleinen barrierefreien Wohnungen“, zählt sie auf. Praktisch wären auch ausgewiesene Parkplätze für Senioren: „Auf Behindertenparkplätzen dürfen wir nicht parken. Aber von anderen Parkplätzen aus sind die Wege oft recht lang.“

Und schließlich wünschen sich Tintrup und Rudat Handwerker, die auch für Kleinigkeiten kommen, etwa um ein Rollo zu reparieren. Da wartet Tintrup schon seit Monaten auf Hilfe. Umso dankbarer ist er für Rudats Unterstützung.

VON SUSANNE EDELMANN

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