Thomas Huber
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Wahlsieger: Thomas Huber bleibt dank souveränen 95 Prozent der Delegiertenstimmen Kreisvorsitzender der CSU. An einem Erfolgserlebnis bei der Bundestagswahl lässt der Grafinger aber Zweifel durchblicken.

Christsoziale hadern still mit Armin Laschet

Die Kreis-CSU und das Problem L.

Die Kreisdelegierten haben sich am 2. September corona-konform im Vaterstettener Sportstadion zu Neuwahlen getroffen – und um sich von ihrem Direktkandidaten Andreas Lenz auf die „heiße Phase der Bundestagswahl“ einstimmen zu lassen.

Vaterstetten – Der fliehende Schatten des Stadiondachs schiebt sich unaufhaltsam über das Grün des Rasens im Vaterstettener Sportstadion. So unaufhaltsam, wie sich die Bundestagswahl heranschiebt – knappe drei Wochen hat die CSU noch Zeit, „das Ruder in Bayern und für Bayern herumzureißen“, mit diesen Worten schwört der CSU-Kreisvorsitzende Thomas Huber seine rund 130 Parteifreunde an dem Abend ein.

Die Kreisdelegierten haben sich am Donnerstag coronakonform im Stadionrund zu Neuwahlen getroffen – und um sich von ihrem Direktkandidaten Andreas Lenz auf die „heiße Phase der Bundestagswahl“ einstimmen zu lassen – so steht es auf dem Einladungszettel.

Kanzlerkandidat kein einziges Mal erwähnt

Das Herumreißenmüssen ist nicht die Ausgangslage, die sich die erfolgsverwöhnte CSU wünscht. Aber unangenehmerweise hat sich über diesen Wahlkampf ein ähnlich dunkler Schatten gelegt wie an dem Abend über das Sportstadion. Er trägt einen Namen: Armin Laschet. Selten, vielleicht nie, hat jemand den eigenen Kanzlerkandidaten so versteckt wie die CSU in diesem Jahr.

Nicht nur, was die rar gesäten Wahlplakate angeht. Kein einziges Mal nimmt der amtierende Abgeordnete Lenz den Namen des Rheinländers bei seiner Rede in den Mund. Thomas Huber nur einmal, als er bedauert, dass es am Tag der Deutschen Einheit keine Feier gebe, zu der der Kreisverband Laschet einladen könnte – aber man sei dann hoffentlich ohnehin in Koalitionsverhandlungen.

Als ob Laschet im Koma liegt

Zweifel daran hegt längst die Basis. Auf den Kanzlerkandidaten angesprochen, ringt mancher nicht nur im übertragenen Sinn die Hände. „Mir kommt es vor, als ob der im Koma liegt“, sagt ein Delegierter über das lahmende Wahlkampf-Zugpferd. „Da sehe ich Schwarz. Also Rot-Rot-Grün.“ In die Stadionmikrofone sagt solche Sätze an diesem Abend natürlich niemand. Aber auch Kreisvorsitzender Huber gönnt der CDU und dem Unionskandidaten einen Seitenhieb: „Der Wille, dass wir regieren wollen, fehlt mir momentan bei der Schwesterpartei in Berlin noch ein bisschen.“ Die Schuld an der drohenden Klatsche für die Union wäre damit verortet. Nur für den Fall.

Auf der Tribüne im Vaterstettener Sportstadion hielt die CSU ihre Kreisdelegiertenversammlung ab. 

Und das, wo es schließlich darum gehe, das Land vor dem „linken Chaos“ eines rot-rot-grünen Bündnisses zu bewahren, so Huber weiter. Er wird am Ende der zweistündigen Veranstaltung mit 95 Prozent und sechs Gegenstimmen in seinem Amt als Kreisvorsitzender bestätigt.

Lenz: „Starkes Bayern in Berlin.“

Während die Delegiertenstimmen ausgezählt werden, es dämmert schon, tritt Andreas Lenz ans Mikrofon. Er gibt sich staatsmännisch zur Coronakrise und gönnt der scheidenden Kanzlerin das Kompliment, Deutschland blicke auf 16 Jahre Wohlstand und Sicherheit zurück. „Mit die besten Jahre überhaupt!“, sagt der MdB.

Was soll da noch kommen? Lenz blendet in seiner Rede den Rest der Republik mitsamt der kriselnden CDU weitgehend aus. „Wer CSU wählt, wählt ein starkes Bayern in Berlin“, verspricht der 40-Jährige. Es folgen Treuebekenntnisse zum Wahlkreis und, weil es sich halt doch um eine Bundestagswahl handelt, die Warnung vor einem Linksbündnis. „Alles nicht so ganz einfach“, sagt er über den Wahlkampf.

Corona-Jahre nicht spurlos an der CSU vorbeigegangen

Wenn es doch nur so einfach wäre wie bei einer Kreisdelegiertenwahl. Neu in den erweiterten Vorstand wählten die Delegierten die Anzinger Bürgermeisterin Kathrin Alte und den Ebersberger Stadtrat Alexander Gressierer.

Die beiden Corona-Jahre seien nicht spurlos am Ebersberger Kreisverband der Christsozialen vorbeigegangen, führt Huber noch aus. So seien heuer 19 Mitglieder ein- aber schon 57 ausgetreten. Die Jungen und die Frauen will Huber gewinnen. Und die Bundestagswahl. Falls Letzteres nicht klappt, das stellen die Ebersberger CSUler an dem Abend auch ohne Namen zu nennen klar, dann fällt ihnen ein Schuldiger ein.

von Josef Ametsbichler und Helena Grillenberger

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