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US-Konsul Stephen Ibelli sprach vor den Zwölftklässlern des Humboldt-Gymnasiums. 

Trump, Klimawandel und Waffenbesitz

Vaterstettener Schüler fühlen US-Konsul auf den Zahn

Besuch am Gymnasium Vaterstetten: Stephen Ibelli, US-Konsul  in München, stellte sich den Fragen der Zwölftklässler. Seine Antworten waren diplomatisch.

Vaterstetten – Zunächst erklärte Ibelli den Unterschied zwischen Konsulat und Botschaft, erzählte von seinem Beruf und betonte, wie wichtig Sprachkenntnisse und Flexibilität seien: Seit 2005 war er in Moskau, Oman, Irak, Tunesien, Marokko, Libyen und München tätig, seine Kinder mussten sieben Mal die Schule wechseln.

US-Konsul zu Schülern: Geht wählen!

Man müsse bereit sein, sich auf neue Kulturen, Sprachen und Kollegen einzulassen. Zwischen Deutschland und den USA gebe es enge Verbindungen und ähnliche Werte wie den Glauben an Freiheit und Demokratie. Ibelli beschwor die Schüler, wählen zu gehen, aktiv zu werden, gegen Missstände zu protestieren: „Demokratie ist wie ein Garten, der gepflegt werden muss.“

Unter fünf Präsidenten gearbeitet

Gleich die erste Schülerfrage lautete: „Sind Sie Demokrat oder Republikaner?“ Das beantwortete Ibelli ebenso wenig wie die Frage, ob er sich mit der Trump-Regierung identifiziere: Es sei sein Job, die US-Regierung zu repräsentieren, egal, welche Meinung er persönlich vertrete, erwiderte er diplomatisch. Immerhin habe er schon für fünf US-Präsidenten gearbeitet, da gebe es viel Veränderung, mit der nicht jeder Diplomat zurechtkomme.

Fluchtursachen bekämpfen

Gefragt nach dem Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko, erläuterte er, dass er das amerikanische System von „Checks and Balances“ gut finde, also die Gewaltenteilung zwischen Präsident, Kongress und dem Obersten Gerichtshof. Das Gericht müsse die Pläne, die ohnehin schwierig umzusetzen seien, noch prüfen. Ein Schüler hakte nach, ob man das Geld, das für die Mauer geplant sei, nicht anders sinnvoller ausgeben könne. Auch da verwies Ibelli auf die Gewaltenteilung. Und es sei wichtig, die Fluchtursachen zu bekämpfen.

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Die Frage nach dem Klimawandel als eine wesentliche Fluchtursache schien Ibelli nicht so recht zu verstehen, generell verwies er beim Thema Klimawandel darauf, dass man nicht nur auf die Regierung schauen dürfe, denn in den US-Bundesstaaten werde doch schon viel gemacht. Umweltschutz sei den Menschen wichtig, in Kalifornien gebe es strenge Regeln und viele Innovationen, in Texas seien Windräder im Einsatz, „übrigens mit deutschen Turbinen.“ Überhaupt seien die EU und die USA die größten Handelspartner. „Warum will die USA dann die deutsche Autoindustrie zerstören?“, fragte eine Schülerin. Das wolle niemand, versicherte Ibelli, aber Steuern und Zölle müssten gerechter werden.

Waffen als Teil der Kultur

Eine andere Schülerin hinterfragte kritisch das Thema Waffenbesitz. Ibelli versuchte zu erklären, dass dies für viele Amerikaner Teil ihrer Kultur und Tradition sei. Dennoch werde Gewalt verurteilt und spätestens seit der Schießerei an der Parkland-Schule und den darauffolgenden Schülerprotesten sei ein Wandel erkennbar: Eine politische Kampagne sei gestartet worden und erste Ergebnisse bereits erkennbar. Weitere Fragen betrafen das Thema Staatsschulden und die politische Lage im Iran, in Syrien und in Venezuela. Der Schlussgong enthob Ibelli einer Antwort auf die Frage, was er selbst Präsident Donald Trump gerne einmal fragen würde.

Typischer Politiker-Sprech

„Typischer Politiker-Sprech“, urteilten die Jugendlichen hinterher, räumten aber ein, dass die Veranstaltung, die im Rahmen des Englischunterrichts stattgefunden hatte, trotzdem sehr interessant gewesen sei.

Susanne Edelmann

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