1. Startseite
  2. Lokales
  3. Ebersberg
  4. Vaterstetten

Bunte Bausteine für mehr Barrierefreiheit

Erstellt:

Von: Susanne Edelmann

Kommentare

Hermine Jäger (links) und Beate Milde-Schmitz mit den Legorampen.
Hermine Jäger (links) und Beate Milde-Schmitz mit den Legorampen. © Edelmann

Die bunten Teile sind mehr als ein Kinderspielzeug. In Vaterstetten entstehen Rampen aus Legosteinen. Eine Hilfe für Rollstuhlfahrer und Menschen mir Rollator.

Vaterstetten – Menschen, die auf Rollator oder Rollstuhl angewiesen sind, kennen das Problem: Sie stoßen überall auf Barrieren. Selbst eine einzige Stufe kann den Zugang zu einem Geschäft oder einem Lokal verwehren. Wo bauseitig keine Rampe vorhanden ist, kann man sich mit mobilen Rampen behelfen. Mobile Rampen für Rollstuhlfahrer sind in der Regel aus Metall, schwer zu transportieren und meist auch recht teuer.

Idee entstand schon vor einem Jahr

Deshalb setzt sich an vielen Orten nun eine neue Idee durch: selbst gebaute Rampen aus Legosteinen. Auch in Vaterstetten werden solche nun eifrig hergestellt. Die Idee entstand im Herbst 2021, als Elisabeth Mundelius, Referentin für Integration im Vaterstettener Gemeinderat, die Bernsteingruppe besuchte. Dabei handelt es sich um eine Gruppe behinderter und nicht behinderter Menschen, die sich seit über 20 Jahren regelmäßig zum gemütlichen Beisammensein und zu gemeinsamen Unternehmungen trifft. Die Bernsteingruppe ist als eines von vielen Projekten im Verein aktiver Bürger (VaB) organisiert. Im Gespräch mit der Referentin kam die Rede auch auf die besagten Legorampen.

Waschmaschine im Einsatz

Zufällig war Hermine Jäger, zweite Vorsitzende des VaB, am nächsten Tag auf einem Flohmarkt und konnte dort gleich 15 Kilo Legosteine kaufen. „Das hört sich viel an, ist aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, erzählt sie. Denn für eine Legorampe werden vor allem die Bauplatten sowie die ganz normalen Bausteine benötigt, nicht aber die Spezialsteine, von denen es inzwischen unzählige gibt. Deswegen wurde gleich noch ein Spendenaufruf im Gemeindeblatt gestartet. Die Bernsteingruppe übernahm es, die gespendeten Legosteine zu sortieren, die brauchbaren wurden anschließend gereinigt. „Das geht ganz prima in der Waschmaschine, wenn man die Steine zum Beispiel in einen leeren Kissenbezug füllt“, erläutert Jäger.

Gesetzliche Normen

Im November war es dann soweit und die erste Rampe mit 8,5 cm Höhe und sechs Prozent Steigung (das entspricht der gesetzlichen Norm für Rollstuhlfahrer-Rampen) war fertig. „Jeder einzelne Stein wurde verklebt, wegen der Stabilität“, betont Jäger. Die reine Bauzeit nach einer Anleitung aus dem Internet betrug rund vier Stunden, „aber davor waren viele Stunden an Vorarbeit nötig, allein schon durch das Sortieren.“

Initiatoren hoffen auf Nachahmer

Als der Prototyp fertig war, kam gleich der erste Auftrag für ein Mitglied der Bernsteingruppe, eine Frau im Liegerollstuhl, die damit die Stufe auf ihrer Terrasse überwinden kann. Diese Rampe wurde auch beim diesjährigen Vaterstettener Straßenfest gezeigt und stieß auf große Resonanz, sodass schnell weitere Bauaufträge folgten. Und der VaB hofft auf viele Nachahmer: „Wir denken da an Vaterstettener Betriebe, die solch eine Rampe bei Bedarf für ihre Kunden nutzen könnten“, meint Beate Milde-Schmitz, die erste Vorsitzende des VaB. Dabei geht es nicht nur um Rollstuhlfahrer, sondern auch um Senioren mit Rollator, weiß Milde-Schmitz, die auch im Seniorenbeirat aktiv ist.

Legospenden erhofft

Um weiter bauen zu können, benötigt der VaB weitere Legospenden. Wer Bausteine abzugeben hat, kann sich an das VaB-Büro unter (0 81 06) 2 35 26 32 oder buero@verein-aktiver-buerger.de wenden. Bauanleitungen für die Legorampe finden sich im Internet oder können ebenfalls beim VaB erfragt werden.

Ebersberg-Newsletter: Alles aus Ihrer Region! Unser Ebersberg-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Region Ebersberg – inklusive aller Neuigkeiten zur Corona-Krise in Ihrer Gemeinde. Melden Sie sich hier an.

Auch interessant

Kommentare