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Pleite wegen Kaufrausch: 18-Jährige betrügt mit Handtaschen-Verkäufen

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Von: Raffael Scherer

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Das Ebersberger Amtsgericht
Am Ebersberger Amtsgericht wurde der Ebay-Betrug verhandelt © Stefan Rossmann

Die Freiheit ihrer Volljährigkeit und einer eigenen Kreditkarte brachte eine junge Frau prompt vor Gericht. Weil sie im Kaufrausch ihre finanziellen Möglichkeiten aus den Augen verloren hatte, wurde sie straffällig.

Vaterstetten/Ebersberg – Als eine Vaterstettenerin frisch 18 Jahre alt wurde, erschlossen sich ihr dank eigener Kreditkarte und Paypal neue Welten: Sofort ließ sie die Karte glühen und kaufte innerhalb von drei Monaten so kräftig ein, dass sie über 5000 Euro Schulden anhäufte.

Damals frisch mit der Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau für Büromanagement begonnen, wusste sie daraufhin nicht, wie sie die Schulden mit ihrem Gehalt zurückbezahlen sollte. Darum bot sie eine ihrer Markenhandtaschen im Internet an. Als sie die 110 Euro einer Käuferin auf das Konto bekam, verschickte sie die Tasche jedoch nicht – sondern bot sie erneut zum Verkauf an. Diesmal bekam sie 150 Euro überwiesen, versandte die Tasche aber wieder nicht.

Überschuldet und straffällig: Es ist nicht ihr erster Betrug

Darum fand sich die mittlerweile 19-Jährige nun vor dem Ebersberger Amtsgericht wieder, wo sie auf einen alten Bekannten traf: Richter Dieter Kaltbeitzer. Der hatte sie vergangenen März bereits wegen einer ähnlichen Aktion verurteilt. Damals brummte er der Angeklagten vier Tage soziale Dienste auf, weil sie sich für einen Schmuckanhänger bei Ebay Kleinanzeigen 70 Euro zahlen hatte lassen, ohne diesen zu versenden.

Bei der jetzigen Verhandlung räumte die Angeklagte die Vorwürfe ein. Die 110 Euro des ersten vermeintlichen Verkaufs habe sie der Geschädigten damals über die Polizei bereits zurückbezahlt, die 150 Euro aus der zweiten Betrugsaktion stünden noch aus. Sie habe damals keinen anderen Weg gewusst, um ihre Schulden zu tilgen, erklärte sie dem Gericht.

Tränen im Gerichtssaal

Kaltbeitzers Frage, ob die bisher drei verhandelten Vorkommnisse nur die „Spitze des Eisbergs“ seien, verneinte die Angeklagte. Die Betrügereien seien einfach „lächerlich“ gewesen, sie verstehe im Nachhinein auch nicht mehr, was sie sich damals dabei gedacht habe, erklärte die Vaterstettnerin und brach in Tränen aus.

Die Jugendgerichtshilfe erklärte daraufhin dem Gericht, dass die Angeklagte immer noch bei ihrem Stiefvater wohnte. Der habe sie damals beim „Geld zum Fenster hinaus werfen“ gebremst und sei auch für einen Teil der Schulden eingesprungen. Mittlerweile sei die 19-Jährige auch bei einer Kaufsuchtberatung gewesen. Er halte die Anwendung von Jugendstrafrecht daher für geboten und empfahl soziale Dienste als Bestrafung.

„Die Schulden erklären zwar die Taten, entschuldigen sie aber in keiner Weise!“

Die Staatsanwaltschaft betonte, dass ihre Betrugsmasche gewerbsmäßig gewesen sei. Bei Erwachsenen-Strafrecht sei die Tat als besonders schwerer Fall von Betrug mit mindestens einem Jahr Freiheitsstrafe zu ahnden. Positiv sei hingegen das Geständnis zu werten, genauso die „Momente der Reue und Aufrichtigkeit“ im Gerichtssaal. Ebenso sei zu bedenken, dass die Angeklagte damals noch nicht vorbestraft war und dadurch aus dem Urteil im März noch nichts lernen konnte. Darum forderte die Staatsanwaltschaft vier Tage soziale Dienste. Aufgrund des geringen Einkommens empfehle sie zudem, dass der Angeklagten nicht die Kosten des Verfahrens aufgebürdet würden.

Beim Urteil schloss sich Richter Kaltbeitzer der Forderung der Staatsanwaltschaft mit vier Tagen soziale Dienste für die Brücke Ebersberg an. „Die Schulden erklären zwar die Taten, aber entschuldigen sie in keiner Weise“, so seine Begründung. Mit einem „nicht schlechten“ Einkommen von knapp 1000 Euro monatlich könne man der Verurteilten zudem auch die Kosten des Verfahrens schon zumuten, widersprach Kaltbeitzer jedoch der Staatsanwaltschaft. Zudem forderte er die Einziehung der 150 Euro Wertersatz, damit diese wieder an die Geschädigte zurückgehen. Die Vaterstettnerin nahm das Urteil direkt an.

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