„Schokolade macht schnell glücklich, aber auch schnell unglücklich“, sagt Jutta Löbert, Ernährungsexpertin aus Hergolding. Bei einer Diät ist ihrer Meinung nach Langfristigkeit das A und O.
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„Schokolade macht schnell glücklich, aber auch schnell unglücklich“, sagt Jutta Löbert, Ernährungsexpertin aus Hergolding. Bei einer Diät ist ihrer Meinung nach Langfristigkeit das A und O.

INTERVIEW mit Jutta Löbert

„Crashdiäten sind ein Schmarrn“: Ernährungsexpertin aus Vaterstetten gibt Tipps gegen Corona-Pfunde

  • Susanne Edelmann
    vonSusanne Edelmann
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Festtags-Hüftgold und Corona-Pfunde: Ein Diät-jahr war 2020 für die meisten Menschen nicht. Die Hergoldinger Ernährungs-Fachfrau Jutta Löbert verrät den richtigen Weg zurück zum Normalgewicht.

Hergolding – Zum Beginn eines neuen Jahres fassen viele Menschen den Vorsatz, ein paar Kilo abzunehmen. Aber wie gelingt das am besten? Schließlich gesellen sich in diesem Jahr zum guten Essen der Feiertage auch noch die Corona-Pfunde. Wir sprachen mit Jutta Löbert, Ernährungsexpertin aus Hergolding, und ließen uns ein paar Tipps für 2021 geben.

Das viele gute Essen rund um Weihnachten und Silvester macht oft schlapp und träge: Was kann man dem Körper anschließend Gutes tun?
Um den Stoffwechsel anzukurbeln, sollte man viel trinken, aber natürlich keinen Alkohol, außerdem hilft Bewegung. Generell ist es hilfreich, auf magere Lebensmittel und ausreichend Ballaststoffe zu achten. Die sind unter anderem in Rohkost und in Getreide- und Vollkornprodukten enthalten.
Viele leiden nach der Völlerei unter einem Blähbauch. Gibt es Maßnahmen, um den Körper wieder zu beruhigen?
Zunächst einmal sind Blähungen völlig normal, es ist ein natürlicher Vorgang bei der Verdauung, dass Gase entstehen. Was hilft, ist auch hier Bewegung, etwa Bauchmuskeltraining, zum Beispiel, indem man auf dem Rücken liegend mit den Beinen Rad fährt. Außerdem tut Entspannung gut, denn Stresshormone erhöhen die Puls- und Atemfrequenz, da wird die Verdauung für den Körper zur Nebensache. Ingwer pur oder als warmer Tee wirkt antibakteriell und unterstützt die Verdauung, warmes Zitronenwasser regt die Ausscheidung von Giftstoffen an. Bei fettigem Essen empfiehlt es sich, mit Cayennepfeffer zu würzen, denn die Schärfe wirkt ebenfalls verdauungsfördernd. Auch probiotischer Joghurt und Fencheltee haben sich bewährt. Vorbeugend hilft es auch, langsam zu essen und intensiv zu kauen, denn wer hastig isst, schluckt viel Luft.
Worauf sollte man beim Abnehmen unbedingt achten?
Das A und O ist die Langfristigkeit. Crashdiäten sind ein Schmarrn, weil man keine Ernährungsumstellung lernt. Die Ernährung sollte kalorienarm, aber nährstoffreich sein und viel Eiweiß enthalten, denn das liefert Energie für die Muskeln. Das kann man mit gezieltem Muskelaufbau, Cardio- und Krafttraining unterstützen. Und man sollte sich realistische Ziele setzen: in der ersten Woche etwa ein Kilo abnehmen, da man zunächst auch viel Wasser verliert, danach etwa ein halbes Kilo pro Woche. Ballaststoffe sind hilfreich, denn sie senden an das Gehirn das Signal: Ich bin satt. Und viele Menschen finden auch eine App zum Abnehmen hilfreich: Man gibt Alter, Größe, Gewicht und seine körperlichen Tätigkeiten ein sowie das Zielgewicht. Dann muss man die Lebensmittel, die man zu sich nimmt, eingeben und die App berechnet genau, wie viele Kalorien man schon zu sich genommen hat. Ganz ohne Kalorienzählen geht es nicht, ich muss das im Blick haben, um langfristig weniger Kalorien aufzunehmen als zu verbrauchen. Eine App kann helfen, ein Gespür dafür zu bekommen. Das ist zwar aufwändig, aber lehrreich. Letztlich ist gesunde Ernährung eine Lebensaufgabe.
Was ist von sogenannten Trend-Diäten (Low Carb, Intervall-Fasten etc.) zu halten?
Kohlehydrate sind wichtig für den Körper, somit macht Low Carb keinen Sinn. Zum Intervall-Fasten gibt es noch keine Langzeitstudien, für manche Menschen mag es eine Hilfestellung sein. Positiv ist, dass man dabei wenig Muskelmasse verliert. Negativ ist hingegen, dass man wenig Anleitung bekommt, welche Lebensmittel man essen darf und welche nicht, vermittelt wird nur, wann man essen darf.
Es gibt unterschiedliche Empfehlungen, was besser ist: Fünf kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt oder lieber drei Hauptmahlzeiten und dazwischen nichts essen, um die Bauchspeicheldrüse nicht unnötig zu belasten. Was ist Ihre Meinung dazu?
Das ist tatsächlich sehr individuell, die Deutsche Gesellschaft für Ernährung gibt dazu keine Empfehlung. Ob drei oder fünf Mahlzeiten: Hauptsache, man schafft sich eine Struktur, die einen unterstützt. Oft sind es ja nur wenige Stellschrauben, an denen man drehen muss.
„Schokolade macht glücklich“, heißt es oft, weil durch den Genuss bestimmte Botenstoffe im Gehirn freigesetzt werden. Gibt es auch andere – gesündere – Lebensmittel, die eine ähnliche Wirkung erzeugen?
Schokolade macht schnell glücklich, aber auch schnell unglücklich. Sie enthält die Aminosäure Tryptophan, die im Körper zu Serotonin, dem sogenannten Glückshormon, umgewandelt wird. Mehr Tryptophan ist in eiweißreichen Lebensmitteln wie Hülsenfrüchten, Fleisch, Reis oder Haferflocken enthalten.
Welche Lebensmittel sind denn generell langfristig für eine gesunde ausgewogene Ernährung empfehlenswert?
Möglichst unverarbeitete, saisonale, regionale und pflanzliche Lebensmittel, denn die haben den höchsten Gehalt an Nährstoffen, Mineralien und Vitaminen. Hingegen enthalten hoch verarbeitete Lebensmittel, also Fertigprodukte, meist sehr viel Fett und Kalorien. Und es muss nicht unbedingt Bio sein, wenn die Bio-Lebensmittel aus fernen Ländern kommen. Da sind konventionelle Lebensmittel mit kürzerem Transportweg die bessere Variante.

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