So sieht das Humboldt-Gymnasium in Vaterstetten im Jahr seines 50. Geburtstags aus.
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So sieht das Humboldt-Gymnasium in Vaterstetten im Jahr seines 50. Geburtstags aus.

Das Humboldt-Gymnasium Vaterstetten wird 50

Von der Baby-Schule zum Giganten

Das Humboldt-Gymnasium feiert 50. Geburtstag. Ein Rückblick auf die Anfänge.

Vaterstetten – Eigentlich wollte das Humboldt-Gymnasium Vaterstetten (HGV) in diesem Monat sein 50-jähriges Bestehen feiern. Doch wegen Corona wird das Fest auf 2022 verschoben. Das macht Sinn, denn die Schule wurde zwar 1970 gegründet, das Schulgebäude selbst konnte jedoch erst 1972 bezogen werden.

1967 gründeten Eltern aus Baldham, Vaterstetten, Neukeferloh, Haar, Waldtrudering und Zorneding den „Verein zur Förderung weiterführender Schulen im Osten Münchens.“ Zu dieser Zeit plante die Firma Bayernboden in Baldham ein größeres Baugebiet, der damalige Gemeinderat Parsdorf setzte sich für ein Gymnasium dort ein. Der Bau wurde schließlich vom Kreistag Ebersberg und vom Freistaat Bayern beschlossen.

1970 beginnt der Unterricht

Am 13. April 1970 verfügte das Bayerische Kultusministerium die Errichtung des Gymnasiums Vaterstetten. Im Herbst 1970 begann der Unterricht mit 158 Schülern und 16 Lehrkräften in Räumen der Volksschule an der Gluckstraße. Die Klassenstärke lag bei über 40 Schülern, Schulleiter war Georg Winklhofer. Im Mai 1971 begann der Bau des Gymnasiums an der Johann-Strauß-Straße, im Mai 1972 wurde Richtfest gefeiert und zum Start des Schuljahres 1972/73 war das Gebäude abgesehen von Sporthallentrakt und Außenanlagen fertig.

Aufstockung schon während Bauphase

Zunächst war der Bau auf 33 Klassen ausgelegt, doch noch während der Bauphase wurde die Aufstockung um ein Geschoss beschlossen, womit weitere zehn Klassenzimmer geschaffen wurden. Im September 1972 wurden 871 Schüler der Jahrgangsstufen 5 bis 9 unterrichtet, 1973 waren es bereits 1158 Schüler, denn hinzu kamen Acht- und Neuntklässler aus dem Gymnasium Grafing, dem sonst der Schichtunterricht gedroht hätte. Winklhofer sagte damals: „Die Baby-Schule vom September 1970 hat sich zu einem Giganten entwickelt.“ Er prognostizierte: „1977 sind wir Bayerns am stärksten frequentierte Schule.“ Das erlebte Winklhofer nicht mehr, er starb 1976.

Seine Nachfolge als Schulleiter trat Günter Odersky an. Schon seit 1974 gab es immer wieder Klagen über das Verkehrschaos vor der Schule und Überlegungen, die Johann-Strauß-Straße für Autos zu sperren. 1978 wurde der Bau des „Pavillons“ beschlossen, eines behelfsmäßigen Erweiterungsbaus aus Containern, der der Schule noch Jahrzehnte erhalten bleiben sollte, 2004 durch neue Container ersetzt und 2006 erneut erweitert wurde. 1979 wurde die Schule mit 1742 Schülern Bayerns zweitgrößtes Gymnasium, wie viele Großschulen hatte sie mit Drogenproblemen zu kämpfen.

Pläne verschwinden in der Schublade

1980 empfahl der Kreistag den Bau eines vierten Gymnasiums, doch da die Schülerzahlen ab 1982 spürbar zurückgingen, wurden die Pläne wieder ad acta gelegt. 1989 sank die Schülerzahl erstmals wieder unter 1000, nur um in den Folgejahren erneut stetig anzusteigen.

Das Gymnasium Vaterstetten während der Bauphase

1991 übernahm Oderskys Stellvertreter Helmut Baier die Schulleitung, 1996 fand am Gymnasium der erste Internetwahlkurs statt, wenig später bekam die Schule ihre eigene Homepage. Im Jahr 2002 ging Baier nach 31 Vaterstettener Jahren in den Ruhestand, sein Nachfolger wurde der ehemalige Schüler Peer Frieß. Der blieb nur bis 2008, hat die Schule aber maßgeblich mitgeprägt: In seine Amtszeit fielen die Gründung der Zukunftswerkstatt und die Baumpflanzaktion: Seither pflanzt jede neue fünfte Jahrgangsstufe ihren eigenen Baum auf dem Pausenhof. Seit 2003 gibt es die Stiftung Eliteförderung, 2005 wurde die Schule umbenannt in Humboldt-Gymnasium und neben der Raumnot machte dem Gebäude auch das Alter zu schaffen: 2006 stürzte ein Fenster in einen Klassenraum, verletzt wurde glücklicherweise niemand. Im gleichen Jahr erfolgte der Spatenstich für den lang ersehnten Anbau entlang der Rossinistraße, der 2007 fertiggestellt wurde. 2008 übernahm Rüdiger Modell das Amt des Schulleiters.

Kirchseeon sorgt für Entlastung

Für Entlastung bei den Schülerzahlen sorgte das neue Gymnasium in Kirchseeon, dennoch blieb das Verkehrschaos vor der Schule groß, 2009 wurde die Johann-Strauß-Straße schließlich zur Einbahnstraße. Für Aufregung sorgte eine Schultafel, die von der Wand fiel und damit ebenso wie das chronisch undichte Dach der Schule weiteren Sanierungsbedarf offenbarte. 2010 begann die offene Ganztagsschule und erneut stieg die Zahl der Schüler auf knapp 1700 an. Aktuell besuchen rund 1500 Schüler das HGV, ein weiterer Anbau ist in Planung.

Lange geplant wurde auch für die Feiern zum 50-jährigen Jubiläum, die nun auf 2022 verschoben werden mussten. Die jetzigen Neuntklässler, die sich aktiv an den Vorbereitungen beteiligt hatten, werden dann die Q11 besuchen und ihre Arbeit im Rahmen der P-Seminare fortsetzen. Geplant waren unter anderem ein offizieller Festakt mit Musik und Theater, eine Ausstellung zu den fünf Jahrzehnten des Humboldt-Gymnasiums mit Infos zu lokalen, nationalen und internationalen Ereignissen dieser Zeit, eine Festschrift, Interviews mit Absolventen, ein Sommerfest und ein Jubiläumsball. Ein Audioguide sollte zudem zu 13 prägnanten Punkten der Schule führen. Nun hofft die Schulfamilie auf bessere Bedingungen in zwei Jahren. 

Susanne Edelmann

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