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Der Eingangsbereich der Anlage: Der Betreiber hat gewechselt, der Eigentümer hat selbst übernommen und baut um.

Angehörige kritisieren Umgang mit Senioren während Umbau des Seniorenwohnparks

Vaterstetten: Pflege unterm Presslufthammer

  • Robert Langer
    vonRobert Langer
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Presslufthämmer und laute Lüfter: Angehörige sind entsetzt, sprechen von unwürdigen Zuständen. Es geht um die Umbauten am Seniorenwohnpark in Vaterstetten an der Fasanenstraße, den Lärm auf der Baustelle und die Belastung für die teilweise schwerst pflegebedürftigen Bewohner.

Vaterstetten –  Der Betreiber Carecon sagt zu den Vorwürfen: „Eine Baustelle geht nicht ohne Lärmbelästigung.“ Der Seniorenwohnpark habe versucht, dies sowohl für Mitarbeiter als auch für Bewohner auf das mindestmögliche Maß zu reduzieren.

Hintergrund: In der vergangenen Woche wurde ein Neubau mit 100 Einzelzimmern eröffnet. Zudem soll der bisherige Bestand mit 173 Pflegeplätzen auf den neuesten Stand gebracht werden. Zum Gesamtkonzept gehört auch, Wohnungen für Mitarbeiter zu schaffen.

Angehörige sprechen von „unaufhörlicher massiver Lärmbelastung durch Presslufthämmer, Sägen, Bohrer und weitere Werkzeuggattungen“. Außerdem sei Staub sowie ständig und besonders nach Gewittern massiv Wasser in die Stationen eingedrungen, die wochenlang ohne eigentliches Dach existierten. Für Monate seien in den Räumen Trocknungsgeräte über 24 Stunden am Tag an sieben Tagen der Woche betrieben worden, um Mauerwerke und Bodenplatten zu trocknen. Eine zusätzlich starke Beeinträchtigung der Bewohner und Mitarbeiter durch Lärm und schadstoffbelastete Luft sei die unmittelbare Folge gewesen. „In diesem Fiasko saßen und sitzen noch immer gebrechliche alte Menschen an ihren Tischen, sitzen in ihren Rollstühlen oder lagen und liegen noch immer schutzlos in ihren Betten.“ Nicht minder belastet durch diese Situation seien die Mitarbeiter. Sie hätten alles Menschenmögliche getan, um die extremen Belastungen der ihnen anvertrauten Menschen zu mildern.

Bürgermeister Georg Reitsberger kennt die Konflikte wegen der Umbaumaßnahmen. Er bestätigt Kontakte zu Angehörigen. „Ich kann mit den Betreuten mitfühlen.“ Er habe mit dem Eigentümer gesprochen, so der Rathauschef. „Mir wurde zugesichert, alles, was möglich ist, zu unternehmen.“ Das sei dann die Aufgabe der Heimleitung. Unter anderem seien mit Bewohnern Ausflüge organisiert worden. „Da die Baustelle aber noch länger bestehen wird, werde ich nochmals mit den Eigentümern reden“, kündigt Reitsberger an.

Laut Landratsamt gab es im Vorfeld Gespräche zwischen der Heimaufsicht, die in der Behörde angesiedelt ist, und dem Eigentümer des Seniorenparks. Geplant gewesen sei, zunächst den Neubau fertigzustellen. Danach sollten dorthin Station für Station Bewohner aus dem Bestand umziehen und nach dem Abschluss der jeweiligen Sanierung eines Teilbereichs wieder zurückziehen, hieß es. Schritt für Schritt. Wie das genau abgelaufen ist beziehungsweise weiter abläuft, wird laut Landratsamt derzeit überprüft. Die Behörde bestätigt, dass eine schriftliche Beschwerde dokumentiert ist, der man nachgehe.

Eine Sprecherin des Betreibers erklärte am Dienstag auf Nachfrage: „Wir mussten insbesondere die Aufstockung für die Mitarbeiterwohnungen vorziehen.“ Dies sei nötig, da sonst das neue Pflegekonzept nicht umgesetzt werden könne. Der Personalmangel sei das größte Problem.

Hätte man das Projekt zeitlich strecken können, um die Belastung für die Bewohner zu verringern? „Eine zeitliche Entzerrung war leider aufgrund des massiven Personalthemas nicht möglich“, sagt der Betreiber. Kosten hätten hier keine Rolle gespielt, „denn wir investieren ohnehin mehr als es die meisten anderen jemals tun würden“.

Die Angehörigen seien vorab umfassend über die Bauarbeiten informiert worden. Es habe einen Veranstaltungsabend gegeben. Mit dem Heimleiter hätten direkte Gespräche geführt werden können. Mit Hilfe von Ehrenamtlichen sei ein Betreuungskonzept entworfen worden, um mit den Bewohnern und Mitarbeitern in andere Gebäude und Gebäudeteile auszuweichen. Die Sprecherin des Hauses: „Es wurden spezielle Ausflüge und Angebote vorbereitet. Z.B. wurde auch der Festsaal für die Betreuung zur Verfügung gestellt. In diesem Zeitraum wurden sämtliche Veranstaltungen gecancelt, damit die Bewohner dort Ruhe haben.“

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